Serie

Ein Spaziergang am Zugerberg mit schweizerischer Idylle

Unsere Autorin beschreibt, weshalb sich ein Besuch der Verenakapelle lohnt. Es ist mehr als nur die Aussicht.

Désirée Hotz
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Die Kapelle St.Verena stellt den kulturellen Höhepunkt des Spaziergangs dar.

Die Kapelle St.Verena stellt den kulturellen Höhepunkt des Spaziergangs dar.

Bild: Maria Schmid (Verenakapelle, 31. Juli 2020)

Mein kleiner Spaziergang beginnt in der Nähe des Obersacks in Zug. Die Treppe, welche von der Lüssirainstrasse hinauf in die Natur führt, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten kaum verändert. Vielleicht hat die Witterung dem hölzernen Gerüst noch etwas mehr zugesetzt oder der Kiesbelag wurde von Passanten und Niederschlag etwas aufgewühlt, aber sonst kann ich mich an keine grösseren Veränderungen erinnern. Die Stufen sind noch genau so unterschiedlich hoch wie in meiner Kindheit und falls es kürzlich geregnet hat, ist der Kies mehr ein Gemisch aus Steinen und Matsch. Trotzdem, irgendwie macht genau die fehlende Perfektion diese Treppe aus. Sie führt an den Gärten der angrenzenden Häuser vorbei. Dabei stellt sich mir, sollten sich deren Bewohner draussen aufhalten, die Frage, ob ich sie nun über den Zaun hinweg grüssen sollte oder ob dies als störend empfunden wird.

Oben angekommen befinde ich mich auf einer Wiese und werde von dem Muhen der dort weidenden Kühe begrüsst, die dort ihren Auslauf geniessen – hinter einem Zaun, versteht sich. Somit besteht keine Gefahr, dass Kühe und Passanten sich in die Quere kommen. Generell eröffnet sich hier dem Spaziergänger das Bild einer typisch schweizerischen Idylle: Nicht nur aufgrund der Kühe, sondern auch wegen des Bauernhauses, welches dort vorzufinden ist. Mit etwas Glück begegne ich sogar dem Bauern, meist auf seinem Traktor. Folgt man dem Wanderweg, findet man einen weiteren Kernpunkt der Schweizer Kultur vor – etwas, das die Schweiz wohl ebenso, wenn nicht sogar stärker geprägt hat als die Agrikultur: das Christentum. Nicht weit vom Bauernhaus entfernt steht nämlich die Kapelle St. Verena. Ich verbinde die Kapelle vor allem mit Weihnachten, denn jedes Jahr zur Weihnachtszeit wird in der St. Verena eine Krippenszene inszeniert. So besuchte ich das Gotteshäuschen jahrelang mit meiner Familie am 24. Dezember.

Für saisonale und kulturelle Highlights ist gesorgt

Nach der Kapelle könnte man dem Wanderweg folgen, der auf den Zugerberg führt. Ich folge jedoch einem Kiesweg. Der Pfad führt vorbei an den sehr zugerischen Chriesibäumen. Noch vor wenigen Wochen konnte man hier beobachten, wie schwindelfreie Helfer die Früchte von den Baumkronen pflückten. Kurz bevor man wieder an den ersten Wohnhäusern vorbeigeht, gäbe es eine etwas versteckte Treppe für einen frühen Abstieg. Ich wähle die längere Route. Ich bemerke, ich habe die Naturidylle hinter mir gelassen und bin zurück im Stadtleben. Ich folge der Strasse, damit ich meinen Rundgang beenden kann. Mein Spaziergang führt an einem Haus vorbei, welches mir schon als Kind immer ins Auge gestochen ist – denn der Turm mit Kuppel fällt auf. Früher habe ich mich immer gefragt, was denn das für ein Gebäude ist. Den Zusammenhang mit der sich dort befindenden Bushaltestelle mit dem verräterischen Namen «Sternwarte» konnte ich anscheinend nicht herstellen. Heute ist es zwar ein Wohnhaus, doch erinnert die Fassade noch heute an die Zeit, in welcher das Gebäude als Sternwarte fungierte.

Ich folge nun der Weidstrasse, was einen erneuten kurzen Anstieg bedeutet. Die Strasse führt mich vorbei an drei (!) Busstationen, alle an derselben Strasse liegend und teils in Sichtweite voneinander. Dies noch ehe ich an einer weiteren Treppe, die nun hochführt zur Lüssirainstrasse, ankomme. Und wenn man oben angekommen ist, befindet man sich an der nächsten Bushaltestelle der Linie 13. Damit findet mein Rundgang ein Ende.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsspazierweg im Kanton Zug vor. Mit diesem Beitrag endet die Serie.