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Ein Stückchen Zuger Altstadtgeschichte endet

Der Secondhandladen «La Robe» in einem Kellerraum inmitten der Zuger Altstadt schliesst Ende Februar. Inhaberin Trudi Ottiger hat ihm 34 Jahre ihres Lebens gewidmet.
Zoe Gwerder
Trudi Ottiger, Inhaberin des Secondhand-Ladens «La Robe.» Das Geschäft in der Oberaltstadt in Zug schliesst nach 34 Jahren Ende Februar 2019. (Patrick Hürlimann (Zug, 9. Februar 2019))

Trudi Ottiger, Inhaberin des Secondhand-Ladens «La Robe.» Das Geschäft in der Oberaltstadt in Zug schliesst nach 34 Jahren Ende Februar 2019. (Patrick Hürlimann (Zug, 9. Februar 2019))

Der alte Holzboden knarrt beim Eintreten durch die schwere Holztür in der Oberaltstadt in Zug. Wider Erwarten schlägt einem jedoch kein muffiger Geruch entgegen. Im Secondhand-Laden «La Robe» wird jedes Stück nach Möglichkeit gewaschen und gebügelt, wie Inhaberin Trudi Ottiger erklärt. Jetzt noch. Denn Ende Monat ist Schluss – nach 34 Jahren. Das Gebäude an der Oberaltstadt 16 wird umgebaut. «Ich wusste schon lange, dass dieser Moment irgendeinmal kommen wird. Und ich durfte gar während einem Jahr mietfrei meinen Laden weiterführen.» Dass es nun Ende Februar so weit sein wird, weiss sie erst seit rund zwei Wochen. Für sie sei es ok so. Der Umbau sei nötig. Wehmut kommt trotzdem auf. «Ich konnte noch nicht weinen, doch dafür habe ich ja danach noch viel Zeit.»

Die 66-jährige hatte 1985 ihre Stelle im Büro verlassen und gemeinsam mit zwei Kolleginnen den Secondhandladen eröffnet. Die Kolleginnen kehrten eine nach dem andern wieder zu ihren Bürojobs zurück – nur Trudi Ottiger blieb. Es sei ihre Passion. Reich werde man definitiv nicht. Damit es zum Leben reicht, hat sie noch zwei andere Jobs. Einen ebenfalls seit 34 Jahren.

Trudi Ottiger (rechts) 1985 bei der Eröffnung von «La Robe» gemeinsam mit ihren Geschäftspartnerinnen

Trudi Ottiger (rechts) 1985 bei der Eröffnung von «La Robe» gemeinsam mit ihren Geschäftspartnerinnen

Vieles sei noch gleich wie damals – doch insbesondere die Kundschaft habe sich verändert. «Früher kamen die Jugendlichen, um Schlaghosen zu kaufen. Jetzt sind meine Kunden meistens deutlich älter.» Und noch während Ottiger erzählt, kommen gleich einige solcher Kundinnen in den gemütlichen Kellerraum. Unter ihnen Natalina Rampa aus Edlibach. Die 64-jährige erzählt, dass sie früher auch aus dem Säuliamt – aus Rifferswil – zu Trudi Ottiger gekommen sei, um einzukaufen. «Es ist ein so gemütlicher Ort. Ich finde, wenn sie nun schliesst, ist dies ein Verlust für Zug.»

Nachschub von Freundinnen und Bekannten

Auch Gabriella Villa (54) ist nicht zum ersten Mal hier. Gemeinsam mit einer belgischen Freundin schaut sie sich den Schmuck an. «Trudi hat immer gute Ware in gutem Zustand. Schön aufbereitet und präsentiert. Es ist ein weiterer Verlust für die Altstadt, wenn sie aufhört.»

Zur Leidenschaft von Trudi Ottiger gehören insbesondere Stücke aus Wolle oder Kaschmir sowie antike Weisswäsche und Spitzenwäsche. Aber auch Abendkleider, Reizwäsche, Jacken, Gürtel, Alltagskleider, Schuhe, Schmuck und einiges mehr hat sie all die Jahre angeboten. Anfangs konnten sie die Ware einkaufen – später habe sie aber ausreichend Leute gehabt, die ihr ihre getragenen Kleider weitergegeben haben.

Derzeit hangen noch die Winterkleider an den Stangen – sie werden aber schon durch luftigere Stoffe ergänzt. Denn die Sommerkleider werden in diesem Jahr schon Mitte Februar hervorgeholt. So, dass auch diese nach Möglichkeit noch einen neuen Eigentümer erhalten.

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