Für den Fussballer aus Rotkreuz ging ein Traum in Erfüllung

Balu Ndoy Bokanga, der Stürmer des FC Rotkreuz, musste schon früh Verantwortung übernehmen.

Martin Mühlebach
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Fühlt sich beim FC Rotkreuz pudelwohl: der 35-jährige Balu Ndoy Bokanga. (Bild: Stefan Kaiser, Rotkreuz, 3. September 2019)

Fühlt sich beim FC Rotkreuz pudelwohl: der 35-jährige Balu Ndoy Bokanga.
(Bild: Stefan Kaiser, Rotkreuz, 3. September 2019)

Eine Woche vor dem Saisonstart 2018/19 bat der Rotkreuzer Spieler Enrique Bem den Teammanager Renè von Euw, seinen damals schon 35-jährigen Kollegen Balu Ndoy Bokanga zu einem Training einzuladen. Von Euw erzählt: «Unsere Kaderplanung war bereits abgeschlossen. Und es lag nicht in meiner Absicht, noch einen 35-Jährigen zu verpflichten. Dennoch erlaubte ich Balu, an einem Training teilzunehmen.»

Es war ein kluger Entscheid, denn René von Euw merkte sofort, dass der Sohn einer Schweizerin und eines Mannes aus der Demokratischen Republik Kongo über ausserordentliche fussballerische Fähigkeiten verfügt. Balu, der umgehend als Stürmer verpflichtet wurde, sagt heute: «Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Ich spürte auf Anhieb, dass ich mich beim FC Rotkreuz wohl fühlen werde. Inzwischen ist dieser gut geführte Verein sozusagen zu meiner zweiten Familie geworden.» Dass es dem noch immer topfitten Stürmer bei Rotkreuz pudelwohl ist, beweist er eindrücklich: In der vergangenen Saison verhalf Balu seinem Team mit 20 Toren zum Aufstieg in die 2. Liga inter. Das erstaunt nicht, wenn man seine fussballerische Vergangenheit vor Augen führt.

Profivorvertrag ausgeschlagen

Der in Uster geborene und in Zürich aufgewachsene Balu Ndoy Bokanga spielte in der U16 des FC Zürich, der ihn mit einem Profivorvertrag an sich binden wollte. Balu sagt, er wäre gerne beim FCZ geblieben, aber das Schicksal habe dieses Vorhaben vereitelt. Er erzählt: «Meine Mutter wurde auf dem Fahrrad von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Sie lag zwei Wochen im Spital – es war fraglich, ob sie überleben würde.» Er habe den angebotenen Profivertrag ausgeschlagen, um voll und ganz für seine Mutter sorgen zu können, zumal sie seine einzige Bezugsperson gewesen sei, nachdem sein Vater die Familie verlassen habe. Balu betont: «Meine selbstlose Mutter, die mir stets Halt gegeben hat und immer noch gibt, hat mir ethische Werte vermittelt, die mich geprägt haben. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.»

Balu gesteht, dass es ihm schwergefallen sei, aufs Fussballspielen zu verzichten. Als es seiner Mutter wieder besser gegangen sei, habe ihm ein Sandkastenfreund einen Privattrainer vermittelt, der ihn zwei- bis dreimal pro Woche trainiert und ihn Red Star Zürich empfohlen habe, wo er herzlich aufgenommen worden sei. Balu schwärmt: «Als ich im Alter von 18 Jahren mit den A-Junioren des FC Red Star den Meistertitel gewann, holte mich Trainer Walter Iselin ins Fanionteam, wo ich ein halbes Jahr später meinen ersten Ernstkampf bestreiten durfte.»

Von Red Star zum FC YF Juventus Zürich

Nach dem Abgang von Iselin habe er von seinen Nachfolgern – Uli Forte und Salvatore Andracchio – viel gelernt. Unvergessen bleibe der unter Andracchio knapp verpasste Aufstieg in die damalige NLB. Balu erzählt: «Im Spiel gegen Urania Genf holten wir trotz Überzahl nur ein 2:2, womit wir den Aufstieg verpassten.» Nach achteinhalb Jahren wechselte Balu von Red Star zum FC YF Juventus Zürich, dem er elf Jahre die Treue hielt. Balu bezeichnet YF Juventus als Club seines Herzens, obschon er dort zwei schmerzliche Erfahrungen machen musste. «Im Aufstiegsspiel zur Challenge League gegen Schaffhausen kassierten wir 30 Sekunden vor dem Abpfiff das 1:2. Schaffhausen stieg auf, wir durchlebten die emotionale Hölle.»

Die grösste Enttäuschung in seiner Karriere erlebte Balu aber vor rund zwei Jahren, als ihm YF Juventus beschied, dass er einer Kaderverjüngung wegen den Verein verlassen müsse. Er ist glücklich, dass er mit dem FC Rotkreuz einen Verein gefunden hat, der ihn und seine viereinhalbjährige Tochter ins Herz geschlossen hat. Balu sagt: «Ich liebe Kinder über alles, zumal ich im Herzen irgendwie selbst ein Kind geblieben bin.»

Am Samstag, 7. September, 17 Uhr, auf der Grossmatt, ist der FC Rotkreuz, der in der Gruppe 4 der 2. Liga inter mit Mendrisio und Willisau nach vier Runden mit dem Punktemaximum an der Tabellenspitze liegt, beim punktelosen Tabellenletzten Hergiswil zu Gast. Balu Ndoy Bokanga warnt: «Wir dürfen nun nicht übermütig werden.»