Ein überraschendes Geständnis vor dem Zuger Obergericht

Was spielte sich am Abend vom 16. Juni 2015 im «Schlangenstübli» in Hagendorn ab? Das war am Freitag erneut Thema vor dem Zuger Gericht. Nun hat einer der Angeklagten doch zugegeben, etwas gestohlen zu haben.

Christopher Gilb
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Während bei der Strafgerichtsverhandlung Anfang Februar drei Personen auf der Anklagebank sassen, waren es am Freitag nur noch zwei. Der Besitzer des «Schlangenstübli» in Hagendorn – er hält oder hielt dort zumindest an die 30 Schlangen – hatte keine Berufung eingelegt. Angeklagt gewesen war er wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung. Dreimal hat er auf die mutmasslichen Räuber geschossen und sie verletzt. Verurteilt wurde er aber nur wegen eines Notwehrexzesses und erhielt dafür eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

An der gestrigen Verhandlung nahm der 60-Jährige nun als Nebenkläger – er fordert eine Genugtuung von 5000 Franken – und Zeuge teil. Im Mittelpunkt standen die beiden mutmasslichen Räuber. Der gebürtige Russe und der Kosovare, beide Anfang 30, sollen am 16. Juni 2015 gemeinsam nach Hagendorn gefahren sein, um den Schlangenfreund auszurauben.

Ziel waren jedoch nicht dessen Schlangen, sondern mutmasslich sein Marihuanavorrat und sein Geld. Sie jedoch hatten behauptet, es sei nur ein ganz normaler Drogenkauf gewesen, der aus dem Ruder gelaufen sei. Dies, weil der Schlangenhausbesitzer unvermittelt die Beleidigungen unter anderem gegen die Mutter eines der Angeklagten ausgestossen hätte. Darauf hätte er ihn einmal geschlagen. Der Schlangenbesitzer selbst sprach von mehreren Schlägen gegen den Kopf.

Staatsanwaltschaft will höhere Sanktion

Das Strafgericht jedenfalls hatte der Version der beiden jungen Männer wenig glauben geschenkt und den einen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten und den anderen zu einer Zusatzstrafe von drei Jahren verurteilt. Letzterer sitzt gerade eine andere Haftstrafe des Kriminalgerichts Luzern ab. Doch die beiden legten Berufung ein, sie verlangen einen Freispruch bezüglich des versuchten Raubes und damit eine deutlich tiefere Sanktion. Berufung eingelegt hat ebenfalls der Staatsanwalt. Dieser fordert, die Sanktion für beide auf vier Jahre zu erhöhen.

Nicht unkritisch befragte der Richter das mutmassliche Opfer, das angab immer noch unter der Folge der Tat zu leiden und deshalb die Brille mit den abgedunkelten Gläsern trug. «Und sie können sich zu 100 Prozent erinnern, dass nicht nur Drogen, sondern auch Geld verlangt worden ist?» «Ja, Geld und Drogen.» Er dürfe niemanden falsch belasten, ermahnt ihn der Richter. Die Frage ist wichtig in diesem Fall, weil ein Raub von Drogen – also von etwas Illegalem – rechtlich nicht als Raub qualifiziert werden kann. Doch selbst diesen wollten die Angeklagten bisher nicht zugeben. Bis gestern.

Den Beutel Gras mitgenommen

«Ich will jetzt alles richtigstellen», so der Kosovare relativ überraschend. «Ich habe im Affekt zugegriffen.» Der Mitangeklagte schaut ihn überrascht an. Davon habe er nichts gewusst. Der Kosovare also, der anfänglich vor dem Haus wartete, sei, so zusammengefasst seine Erklärung, dazugekommen, als das Chaos ausbrach, und habe gehört, wie der Schlangenfreund gesagt habe, wo er das Gras aufbewahre.

«Dann stimmt es also, was die Zeugin gesagt hat?», so der Richter. Eine Nachbarin hatte in der Strafgerichtsverhandlung ausgesagt gesehen zu haben, wie ein Mann einen Sack wegwarf. Dieser wurde später gefunden, er beinhaltete rund 30 Gramm Cannabis. «Ja, das stimmt», bestätigt er. Grund des Besuches sei – dies wiederholen die beiden immer wieder – jedoch eben ein anderer gewesen. Gutes Gras hätten sie gewollt für einen gemütlichen Abend. Dies sieht der Staatsanwalt anders. Für ihn ist das plötzliche Geständnis Ausdruck des gesamten unzuverlässigen Aussageverhaltens des Angeklagten. Was nicht für seine Glaubwürdigkeit spreche. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.