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Ein Veloladen in Steinhausen wird zum Traditionsgeschäft

Marlies Inderbitzin und Toni Rüegg führen das «2-Rad und Baby-Center A. Rüegg» in der dritten Generation – begonnen hat es als Nebenverdienst. Dieses Jahr feiert der Betrieb ein ganz besonderes Jubiläum.
Vanessa Varisco
Familienbetrieb in der dritten Generation: Marlise Inderbitzin-Rüegg (links) führt zusammen mit ihrem Bruder Toni Rüegg den Veloladen. Marie-Louise Rüegg hilft gerne mit. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 22. Februar 2019))

Familienbetrieb in der dritten Generation: Marlise Inderbitzin-Rüegg (links) führt zusammen mit ihrem Bruder Toni Rüegg den Veloladen. Marie-Louise Rüegg hilft gerne mit. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 22. Februar 2019))

Bereits vor hundert Jahren nahm die Geschichte von «Velo-Rüegg» in Steinhausen ihren Anfang. Der Grossvater der heutigen Inhaber Marlise Inderbitzin und Toni Rüegg eröffnete in der ehemaligen Milchsammelstelle Steinhausen eine kleine Werkstatt für Veloreparaturen. «Damals war das ein echtes Bedürfnis», erinnert sich dessen Schwiegertochter Marie-Louise Rüegg und führt aus: «Denn früher waren die Orte durch die öffentlichen Verkehrsmittel noch nicht gut erschlossen und man fuhr mit dem Velo zur Arbeit.» Zu dieser Zeit wurde das Geschäft im Nebenamt geführt, bis 1946 der älteste Sohn Toni Rüegg als Vollzeitangestellter eintrat. «Er hatte immer auch andere Standbeine. Dank Lohnarbeit für fremde Firmen und der Herstellung der Armbrust konnte die Firma damals überleben», berichtet seine Frau. Sie hat in dieser Zeit die Babyabteilung eröffnet, welche bis heute besteht. «Gleichzeitig habe ich die Buchhaltung übernommen und mich um die Familie gekümmert», ergänzt sie. Seit dann ist der Laden stetig gewachsen. Mehrmals wurde das Gebäude erweitert und schliesslich der Neubau am heutigen Standort realisiert.

Was 1919 als Nebenverdienst begonnen hat, besteht bis heute und ist seit den 1980er-Jahren in den Händen der dritten Generation. Nicht von Anfang an war klar, dass Marlise Inderbitzin und ihr Bruder Toni Rüegg den traditionsreichen Betrieb übernehmen würden. «Nach und nach bin ich reingerutscht. Wenn etwa jemand krank war, half ich aus», erzählt der Mechaniker Rüegg. Als für ihn eine berufliche Veränderung anstand, sei er definitiv eingestiegen. Marlise Inderbitzin arbeitete nach der Geburt ihrer Kinder zuerst Teilzeit und schliesslich Vollzeit. Dazu sind aktuell fünf Mitarbeiter in der Werkstatt und drei Teilzeit im Verkauf beschäftigt. «Unsere Angestellten sind uns lange treu. Ein Mechaniker arbeitete gar 38 Jahre hier und hilft auch nach seiner Pensionierung gerne aus», so die Mutter der Geschwister. Sie selber ist noch heute täglich im Geschäft anzutreffen.

Die Technik schreitet voran

Einiges hat sich verändert im Laufe der Zeit. Nicht nur der Betrieb ist gewachsen, auch die Bedürfnisse der Kunden wandelten sich und die Technik der Velos ist vorangeschritten. «Heutzutage sind die Kunden viel besser informiert, wissen eher was sie suchen, bevor sie zu uns kommen», weiss Marlise Inderbitzin. Durch billigere Angebote im Internet würden sie ab und an allerdings auch einige Kunden verlieren. «Woher die Abgänge allerdings genau rühren, ist schwer festzumachen.» Seit dem Einstieg ins Geschäft haben sich auch die Velos entwickelt, wie der Mechaniker Rüegg weiss: «Immer wieder gab es Wellen, in denen Neuerungen aufkamen.» In den 1980er-Jahren erlebten die Mountainbikes einen Aufschwung, später kamen die Elektrovelos, welche das Geschäft bis heute beschäftigen. Nicht nur Senioren würden auf die motorisierten Velos zurückgreifen, auch Jüngere seien begeistert. «Und viele Menschen entdecken dank E-Bikes wieder die Freude am Fahrradfahren, sodass sie später wieder auf ein normales zurückgreifen. Jene sind natürlich viel leichter», weiss Rüegg. Doch der technische Fortschritt erfordert das entsprechende Know-how. «Pro Jahr machen unsere Mechaniker vier bis fünf Kurse, damit sie auf dem neusten Stand sind und Elektrobikes reparieren können», gibt Rüegg Auskunft. Fehleranalysen über den Computer seien inzwischen üblich. «Jeder Mechaniker hat einen Rechner an seinem Arbeitsplatz», weiss auch Rüeggs Mutter. Heutzutage sei es ausserdem üblich, ein neues Zweirad zu kaufen, statt teure Schäden auszumerzen. «Früher hat man alles repariert, was möglich war. Schliesslich kostete ein Velo ungefähr einen Monatslohn», erklären die Inhaber. Sie beide sind selber ein- bis zweimal mit dem Elektro-Bike unterwegs.

Velos liegen noch immer im Trend

Wie vor hundert Jahren liegt das Verkehrsmittel auch heute noch im Trend. «Kinder lernen in jungen Jahren Velo fahren. Im Jugendalter nimmt die Begeisterung leicht ab. Dann fahren die Jugendlichen lieber mit dem Bus zur Schule», weiss Rüegg. Weniger in Mode sind Stützräder. Marlise Inderbitzin weiss, wieso: «Im Alter von ein bis zwei Jahren sitzen die Kinder schon auf Laufrädern und haben daher ein gutes Gleichgewicht.»

Zum Jubiläum hat das Geschäft eine Frühlingsausstellung am 16. und 17. März geplant. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei ausserdem der Wettbewerb: Wer die älteste Rechnung aus dem Betrieb Rüegg vorweisen kann, gewinnt ein Retro-Velo. «Diese sind übrigens bei Jungen hoch im Kurs», resümiert Marlise Inderbitzin.

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