Leserbrief

Ein Wolf im Schafspelz

Zur Abstimmung vom 27. September über das neue Jagdgesetz

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Rund 80 Wölfe leben zurzeit in der Schweiz. 2019 betrug die Einwohnerzahl 8,5 Millionen. Pro eine Million Einwohner also zehn Wölfe! Zu viel? Wissen Sie auch, dass in der Schweiz 345000 Schafe als Nutztiere gehalten werden? Im Jahr 2011 starben von den 208974 gesömmerten Schafen 4221 Tiere durch Krankheiten oder besondere Ereignisse wie Blitz- oder Steinschlag. Die Tiere leiden an Augenentzündungen, an Wunden, stürzen ab, verwickeln sich in Weidenetze, verlieren den Anschluss an die Herde oder gehen beim Alpabtrieb verloren.

Demgegenüber kamen lediglich 294 Tiere durch Grossraubtiere zu Tode (sieben Prozent). Über die Hälfte der gut 800 Schafalpen in der Schweiz sind unbeaufsichtigt. Hätte man konsequent Herdenschutz betrieben, wäre diese Zahl annähernd null gewesen. Fazit: Die Grossraubtiere spielen keine nennenswerte Rolle bei der Entstehung der Tierverluste! Trotzdem richtet die Politik ihr Augenmerk auf diese statt auf fehlbare Schafhalter und Zuchtverbände. Die Schafhaltung in der Schweiz wird massiv subventioniert. Allein für die Sömmerung bekamen die Halter 2017 insgesamt 7,1 Millionen Franken zugesprochen. Zudem wurde 2014 ein Alpungsbeitrag eingeführt und die Sömmerungsbeiträge wurden erhöht. Überdies wird die Zucht mit zwei Millionen Franken subventioniert und es gibt je 0,5 Millionen Zuschüsse für die Wollverwertung und zur Herstellung von Käse.

Die staatliche Hilfe, die pro Jahr in die Schafhaltung fliesst, beläuft sich insgesamt auf mehr als 20 Millionen Franken. Vom Wolf gerissene Schafe werden mit 200 bis 2000 Franken entschädigt. Bei 360 Wolfsrissen im Jahr 2018 beläuft sich der finanzielle Schaden auf einen vernachlässigbaren Betrag im Verhältnis zu den Kosten, welche die Schweizer Steuerzahler bezahlen müssen. Die Polemik der Wolfsgegner steht in keinem Verhältnis zu den von den Wölfen angerichteten Schäden. Auch deshalb: Stimmen Sie Nein zum missratenen Jagdgesetz, welches erlaubt, bedrohte Wildtiere mit kantonaler Zustimmung präventiv zu töten, ohne dass sie einen Schaden angerichtet haben.

Ursula Z’Graggen, Rotkreuz