Ein Zuger lädt zum Platznehmen auf einer virtuellen Parkbank ein

Was früher gang und gäbe war, der kurze Schwatz untereinander soll eine Renaissance erfahren. Mit modernen Mitteln.

Harry Ziegler
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Screenshot der Website www.coontact.ch

Screenshot der Website www.coontact.ch

Bild: PD

Stefan Born (57) hat ein Ziel. Er will mit einer kürzlich realisierten Website www.coontact.ch Menschen verbinden. Nicht, wie dies beispielsweise Tinder und andere tun. Er will sie zum Reden miteinander bringen. Er tut dies, ohne Profit anzustreben, ganz einfach aus Liebe zum Menschen. «Ich habe mich lange mit dem Projekt beschäftigt», sagt Stefan Born, der beruflich das Raiffeisen Unternehmerzentrum Baar leitet.

Der Mediator und Kommunikationstrainer Stefan Born stellte immer wieder fest, dass die spontanen, kurzen Gespräche unter Menschen, die sich zufällig treffen, heute zu kurz kommen. «Sie sind aber ein wesentlicher Teil des Lebens», erklärt er. Früher, also weit vor den Einschränkungen, die durch das Coronavirus aufgezwungen wurden, haben sich Menschen beim Einkaufen, im Treppenhaus oder beim Spaziergang getroffen und sich kurz unterhalten, Small Talk gemacht. «Das ist heute immer schwerer möglich», sagt Born. Zum einen durch die aktuell eingeschränkte Freiheit, zum anderen fehlt in der modernen vom hektischen Alltag dominierten Gesellschaft doch hin und wieder die Zeit.

«Aber es gibt Menschen, denen fehlt dieser Austausch. Ob sie jung oder alt sind – egal. Der Zugang ist für alle gedacht», so Born. Er könne sich vorstellen, dass Menschen, die sich alleine fühlen, hier eine Person zum Schwatzen finden. Oder solche, die Zeit verschenken möchten, um jemandem etwas Gutes zu tun. Oder ganz einfach, um zu lernen, sich in einer Fremdsprache auszudrücken.

Mediator und Kommunikationstrainer Stefan Born, Gründer von coontact.ch.

Mediator und Kommunikationstrainer Stefan Born, Gründer von coontact.ch.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 29. Oktober 2018)

«Coontact ist keine Dating-Plattform», betont Stefan Born. Aus einem Kontakt könne – muss aber nicht – eine dauernde Brief- oder Telefonfreundschaft entstehen. «Für mich ist das eine Art virtueller Parkbank. Man setzt sich, unterhält sich, macht wieder etwas ab oder geht seines Wegs. Völlig unkompliziert und ohne Verpflichtungen», sagt der Gründer.

«Ich habe deshalb nach einem Weg gesucht, wie sich der kurze Schwatz wiederbeleben lässt», führt Stefan Born aus. Und das mit den Mitteln der modernen Gesellschaft. Die Grundfrage dabei war, wie die Menschen dabei unterstützt werden könnten. Seine Website soll nun Unterstützung anbieten, damit Menschen Verbindungen zueinander herstellen können. «Ich möchte einen Austausch per Telefon oder E-Mail ermöglichen. Und das ganz unkompliziert und in der gewünschten Sprache. Wobei das Herstellen von Kontakten auch über die Landesgrenzen möglich ist», erklärt der Coontact-Gründer.

Das funktioniert relativ unkompliziert. Auf der Website kann man sich kostenlos registrieren, es braucht dazu nur wenige persönliche Angaben. Nach der Zuteilung des Logins kann man seine Präferenzen definieren. «Das heisst, über welchen Kanal man kontaktiert werden möchte. Der erste Kontakt kann über Telefon, Textnachricht oder E-Mail erfolgen», erläutert Born. Der eigens programmierte Zufallsgenerator wählt dann eine Gesprächspartnerin, einen Gesprächspartner aus. «Nur diese Person erhält dann die jeweiligen Kontaktdaten», versichert Born.

Wichtig sei ihm, dass mit Coontact absolut keine wirtschaftlichen Interessen verbunden seien. Die Investition habe er aus eigener Tasche bezahlt. Allenfalls sei denkbar, dass sich ein Sponsor für die laufenden Kosten finde, aber einen Gewinn wolle er nicht machen. Fast noch wichtiger ist Stefan Born aber das Einhalten der einzigen Spielregel für Coontact: «Jeder Kontakt, egal ob dieser kurz oder lang ist, soll auf Interesse und gegenseitiger Wertschätzung basieren.» Das bestätigen übrigens die Teilnehmer bei der Registrierung.

Die Website ist jetzt vier Wochen online. In dieser Zeit hat Coontact über 100 Anmeldungen verzeichnet. Stefan Born hat mit seinem Angebot offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen.