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Dieser Fussballer ist ein Zuger Rohdiamant

In seiner Heimat, der Elfenbeinküste, hat Geoffroy Le Bigonsan als Strassenfussballer dem Ball nachgejagt. Nun stellt der Stürmer seine unbestrittenen Fähigkeiten beim Erstligisten Zug 94 unter Beweis.
Martin Mühlebach
Geoffroy Le Bigonsan will im Zuger Fussballstadion noch für Furore sorgen. (Bild: Werner Schelbert (30. August 2018))

Geoffroy Le Bigonsan will im Zuger Fussballstadion noch für Furore sorgen. (Bild: Werner Schelbert (30. August 2018))

Der in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste aufgewachsene Geoffroy Le Bigonsan, war 17 Jahre alt, als ihm ein seit vielen Jahren in Genf wohnender Onkel die Reise in die Schweiz organisierte. Nach der Aufnahme im Asylzentrum Kreuzlingen besuchte der junge Afrikaner einen Deutschkurs, ehe er das 10. Schuljahr absolvierte und die Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhielt.

Le Bigonsan, der in Abidjan in jeder Minute seiner Freizeit mit seinen Freunden Fussball spielte, ohne aber einem Verein beizutreten, erzählt: «Als ich das Asylzentrum verlassen durfte, trat absolvierte ich bei den A-Junioren des SV Schaffhausen nur zwei Probetrainings, ehe ich ins Fanionteam der 2. Liga interregional berufen wurde.» Über die U21 des FC Schaffhausen und weitere Stationen stiess er im Winter 2017/18 beim Erstligisten Tuggen. Weil er seit dem vergangenen Februar mit seiner Freundin Melissa Bakayoko in Kriens wohne, habe er nach einem Fussballclub in der Nähe Ausschau gehalten. Und so sei er bei Zug 94 gelandet, dessen Trainer Ergün Dogru er bereits gekannt habe.

Stärken und ein kleines Defizit

Der inzwischen 25-jährige Geoffroy Le Bingosan, der bislang in Urdorf als Pöstler arbeitete und ab dem kommenden Montag in derselben Funktion in Rothenburg tätig sein wird, beteuert: «Es macht mir Freude und Spass, mit Zug 94 als Stürmer auf Punktejagd gehen zu dürfen.» Am vergangenen Mittwoch blieben er und das Team zwar torlos, holten aber beim Grasshopper-Nachwuchs einen Zähler. Ergün Dogru biete gute, abwechslungsreiche Trainings, die Früchte tragen würden. «Wir sind eine gute 1.-Liga-Mannschaft. Aber das aus vielen jungen und ein paar erfahrenen Spielern auf diese Saison hin zusammengestellte Team benötigt noch etwas Zeit, bis alle Abläufe wunschgemäss funktionieren.» Le Bigonsan hat in seinen bisherigen Einsätzen bei Zug 94 zu gefallen vermocht. Er ist schnell, wendig und technisch beschlagen. Wenn er zu seinen rasanten Sololäufen ansetzt und in den gegnerischen Strafraum eindringt, ist er nur schwer am Abschluss zu hindern.

Selbstkritisch sagt der ehemalige Strassenfussballer: «Taktisch wurde ich erst bei Rapperswil-Jona vom Trainergespann Flühmann/Wolfensberger geschult. Um mich in verschiedenen Spielsystemen gut zurechtfinden zu können, muss ich mein taktisches Verständnis noch weiter verbessern.» Le Bigonsan hat sichtlich Freude am Fussball spielen. Unvermittelt schiebt er nach: «Wenn ich von einem Scout entdeckt würde und von einem Challenge- oder Super-League-Verein eine Einladung zu einem Probetraining erhielte, würde ich sicher nicht nein sagen.»

Wiedersehensfreude und Abschiedsschmerz

Geoffroy Le Bigonsan gesteht, in seinen ersten Wochen in der Schweiz einen Kulturschock habe verarbeiten müssen. Er habe kein Deutsch verstanden und sei vom hohen Lebensstandard, von der hier herrschenden Sauberkeit und Disziplin überrascht worden. «Da ich ein offener, aufgestellter und fröhlicher Mensch mit einem steten Lächeln im Gesicht bin, fiel es mir relativ schnell leicht, Kontakte zu knüpfen. Ich wollte mich den hiesigen Gepflogenheiten so rasch wie möglich anpassen.» Heute fühle er sich sehr wohl in der Schweiz. Obschon er hin und wieder Heimweh und Sehnsucht nach seinen in der Elfenbeinküste wohnenden Eltern und seinen sieben Geschwistern habe, könnte er sich nicht vorstellen, sein restliches Leben dort zu verbringen. Das sei ihm klar geworden, als er im vergangenen Winter nach sieben Jahren ganz spontan während zehn Tagen seine Familie besucht habe.

Dass sich Le Bigonsan in der Schweiz sehr wohl fühlt, ist auch das Verdienst seiner Freundin und Landsmännin Melissa Bakayoko, die in Emmen aufgewachsen ist. «Ich habe sie im Ausgang kennen gelernt und mich auf Anhieb in sie verliebt», sagt Le Bigonsan mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Melissa, die als kaufmännische Angestellte bei einer Versicherungsgesellschaft in Luzern arbeite, sei sein starker Rückhalt und eine ausgezeichnete Köchin, die oft Freunde und Kollegen zum Essen einlade. «Nebst Schweizer Spezialitäten wird oft auch Aloko, mein Lieblingsgericht aufgetischt. Es besteht aus frittierten Bananen, die mit Fisch oder Poulet serviert werden», führt er aus. In absehbarer Zeit möchte er eine Familie gründen und Kinder haben, denn er liebe Kinder und Kinder liebten ihn, beteuert Le Bigonsan.

Am Samstag in Basel

Am Samstag tritt der Tabellenelfte Zug 94 in der 1.-Liga-Meisterschaft beim Tabellenvierten Black Star Basel an (15.00, Buschweilerhof), das mit einem ausgetragenen Spiel mehr vier Punkte vor den Zugern liegt. Geoffroy Le Bigonsan sagt: «Unser Trainer hat uns während der Woche gezielt auf die Black Stars eingestellt. Wir sind eine Mannschaft, die das Spiel gerne bestimmt oder – wenn nötig – mit Kontervorstössen agiert, was meiner Spielweise besonders entgegenkommt.» Er möge das Konterspiel, weil sich dabei sein Laufvermögen voll entfalten könne.

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