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Zürich feiert «sein Wasser» aus Zug

«Züri Wasser» feiert sein 150-Jahr-Jubiläum. Dieses stammt aber vor allem aus Quellen der Gemeinden Baar, Menzingen und Neuheim. Grund: die Zuger hatten Ende des 19. Jahrhunderts ihr Wasserschloss verscherbelt.
Zoe Gwerder
Betriebsleiter Thomas Horat bei der Kohlbodenquelle. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 6. Juni 2018))
Betriebsleiter Thomas Horat im Stollen. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 6. Juni 2018))
Das ist die Quellwasserfassung Kohlboden im Lorzentobel. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 6. Juni 2018))
Betriebsleiter Thomas Horat mit der 100-jährigen Kolbenpumpe. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 6. Juni 2018))
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Ein Zuger Wasser der reinen Art

Die Stadt Zürich feiert in diesem Jahr 150 Jahre «Züri Wasser». So lange besteht die städtische Wasserversorgung, so wie sie heute existiert. Doch der Name täuscht – handelt es sich doch bei weitem nicht nur um Wasser aus dem Kanton, geschweige denn aus der Stadt Zürich. Von den 15 Prozent, die das Quellwasser in der Wasserversorgung der Stadt Zürich ausmachen, stammen 90 Prozent aus Quellen auf Zuger Boden – rund 110 sind es an der Zahl, die aus der Region des Sihltals und des Lorzentobels sprudeln.

Die grösste von ihnen ist die Kohlbodenquelle oberhalb der Höllgrotten. Sie gehört schweizweit zu den ergiebigsten Quellen und macht rund ein Viertel des gesamten Quellwassers aus, das in die Wasserversorgung der Stadt Zürich fliesst. 4300 Liter Wasser pro Minute, rund 10 Grad warm, strömen dort aus der Tiefe. Zehn Jahre hat das Wasser im Boden verbracht und ist daher von hervorragender Qualität, wie vom Abteilungsleiter Anlage­betrieb der Stadt Zürich, André Lusti, zu erfahren ist.

Auch deshalb ist der Ausfluss der Quelle sehr konstant, Witterungseinflüsse wie ein sehr trockener Sommer zeigen sich erst mit rund einem halben Jahr Verspätung. Das Wasser versickert etwa acht Kilometer entfernt beim Gottschalkenberg. Es fliesst also mit einer Geschwindigkeit von 10 Zentimetern pro Stunde. «Eine Schnecke schafft das Dreissigfache», so Lusti.

Epidemie kurbelte Suche nach Quellen an

Dass es aber überhaupt so weit kam, dass Zuger Quellen die Stadt Zürich mit Trinkwasser versorgen, ist auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. So brach 1884 in der Stadt Zürich eine Typhusepidemie aus, welche die Verantwortlichen dazu drängte, nach neuen, sauberen Wasserquellen zu suchen. Weil in der Umgebung der Stadt Zürich viele Quellen durch benachbarte Miststöcke, Abtrittgruben oder Friedhöfe gefährdet waren, griffen die Zürcher kurz vor der Jahrhundertwende, im Jahr 1895, in grossem Masse auf die Quellen im Sihl- und Lorzentobel zu. Die Verhandlungen verliefen zuerst verdeckt durch einen «Vertrauensmann». So wurden Quellrechte auf beiden Seiten der Sihl oberhalb von Sihlbrugg erworben.

Wie im Jubiläumsbuch «Züri Wasser – Die Stadt und das Wasser» zu lesen ist, gab auch der Kanton Zug nach anfänglichem Zögern sein Einverständnis. Kurze Zeit später nahm die Stadt ­Zürich auch die Quellen im Lorzentobel – bei den Höllgrotten – ins Visier. Dieses wurde damals noch von der Spinnerei zur Energiegewinnung genutzt. Zürich verschaffte ihm dann anderes Wasser zur Energieversorgung und konnte so auch diese Quellen kaufen – darunter die Kohlbodenquelle.

Zuger setzten den Zürchern Grenzen

Flussaufwärts von den Höllgrotten stiess die Stadt Zürich dann ans Ende der weiteren Quellwassererschliessung im Kanton Zug. Denn die Quellen weiter oben im Tobel wurden bereits von der Wasserversorgung der Stadt Zug genutzt.

Für das «Zuger Wasser», das aus Baar, Menzingen und Neuheim nach Zürich fliesst, bezahlt die Stadt Zürich jährlich rund 55 000 Franken, wie André Lusti sagt. Nur in Ausnahmefällen kann das Wasser aus den Quellen auch in Zuger Leitungen fliessen. So ­regelt ein Vertrag von 2003, dass im Notfall auch Zug vom «Zürcher Wasser» abzapfen kann.

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