Katze Missy aus Zug wird 20 Jahre alt. 

Katze Missy von der Dorfstrasse in Zug feierte am 8. November ihren 20. Geburtstag. Sie ist eine alte Lady auf Samtpfoten, die mehr als neun Leben hat. 

Cornelia Bisch
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Umgeben von ihren Freunden Bruno Seiler, Alex und Helena Todorovic fühlt sich Missy wohl.

Umgeben von ihren Freunden Bruno Seiler, Alex und Helena Todorovic fühlt sich Missy wohl.

Bild:Cornelia Bisch
(Zug, 27. November 2019)

Sie ist eine energische, zierliche ältere Dame mit schwarz-weiss geflecktem Fell und ausgeprägten Charakterzügen. In der Zuger Dorfstrasse, wo Missy den Grossteil ihres 20-jährigen Lebens verbrachte, kannte sie jeder Zwei- und fürchtete sie jeder Vierbeiner. «Sie verteidigte ihr Revier mit aller Kraft», erzählt Helena Todorovic, die das junge Büsi im Winter 1999 von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte. «Sie stammte von einem Bauernhof in Schwyz.»

Todorovic lebte mit ihrer Pflegemutter in deren Haus an der Dorfstrasse. Als es renoviert wurde, bezog Missy das Gartenhäuschen, wo sie sich so wohl fühlte, dass sie nicht mehr ins Haus zurückkehren wollte. «Sie jagte nachts und schlief tagsüber im Schopf. Missy wurde eine richtige Wildkatze», berichtet die 46-järhige Gastronomin. Nun, nicht ganz, wie sich alsbald herausstellen sollte. Denn immer öfter suchte das schlaue Tier tagsüber Zuflucht in beheizten Behausungen, wo es deren Bewohnern eine weitere Portion Futter abbettelte. «Missy leidet an Schilddrüsenüberfunktion, was bedeutet, dass sie grosse Mengen Futter vertilgen kann, ohne dicker zu werden.» Dem direkten Nachbarn, einem Schneider, stibitzte der flinke Stubentiger sogar die Wurst vom Brot, wenn er dieses unbeaufsichtigt liess.

Ein zweites Heim gefunden

Meist sei sie aber ein ruhiger, gern gesehener Gast gewesen, erzählt Bruno Seiler, der sich als Nachfolgemieter im ehemaligen Schneideratelier eine Massagepraxis eingerichtet hatte und die kleine Missy gleich mit übernahm. «Sie lag auf ihrem Kissen und verbreitete eine gute Atmosphäre. Die Kunden liebten sie.»

Bald fühlte sich das Tier bei ihm so heimisch, dass es abends, wenn Seiler die Tür seiner Praxis schliessen wollte, kaum mehr gehen wollte. «Um 6.30 Uhr stand sie schon wieder auf der Matte.» Inzwischen waren er und Helena Todorovic gute Freunde geworden. «Ich fütterte Missy unter der Woche, ihre Familie betreute die Katze am Wochenende.» Auch in den Ferien musste sie nicht ins Tierheim gebracht werden. «Wir sprachen uns einfach ab», sagt der 60-Jährige schlicht, als wäre das ganz selbstverständlich.

Missy blieb in der Dorfstrassen

Seit fünf Jahren lebt Familie Todorovic nun zwei Strasse weiter in einer Attikawohnung, Missy jedoch blieb in der Dorfstrasse. «Sie kannte sich dort gut aus, hatte ihr Revier. Da wollten wir sie nicht herausreissen», erklärt die Gastronomin. Sie übernahm aber weiterhin die Verantwortung für Missy, wenn diese tierärztlich behandelt werden musste. «Sie hatte einige ernste gesundheitliche Krisen.» Helena Todorovic musste dann jeweils über Leben oder Sterben ihres Lieblings entscheiden. «Ich hörte immer auf mein Herz», betont sie. Es verbinde sie eine starke emotionale Bindung mit Missy. «Ich habe einfach gespürt, dass sie leben wollte.»

Eine tüchtige Jägerin

Ein Tumor am Rücken wurde ihr noch im Alter von 17 Jahren chirurgisch entfernt. «Sie verbrachte zwei Tage in der Klinik. Danach ging es ihr sehr schlecht», erinnert sich die Katzenmutter mit Tränen in den Augen. «Ach», tröstet Freund Bruno Seiler, «dieses Büsi hat nicht nur neun, sondern zehn Leben.» Sie erholte sich vollständig und war bald wieder in ihrer geliebten Dorfstrasse unterwegs.

So wild und frei wie sie lebte, war Missy eine tüchtige Jägerin. «Sie brachte uns oft Mäuse nach Hause, ganz zuletzt sogar eine gewaltige Ratte, obwohl sie nur noch zwei Eckzähne hatte», berichtet Seiler. Oft habe sie sich auch gegen Hunde gewehrt und diese manchmal sogar angegriffen. «Sie hatte ihre ganz eigene Taktik, wartete hinter einer Hausecke bis Hund und Herrchen vorbeigelaufen waren, versetzte dem Hund von hinten einen Tatzenhieb und rannte davon.»

Nun ist es ruhiger geworden um das Büsi

Ende September dieses Jahres erlitt Missy einen Zusammenbruch, konnte kaum noch gehen und verlor an Gewicht. «Der Tierarzt sagte, wir sollten uns aufs Ende gefasst machen», erzählt Helena Todorovic mit erstickter Stimme. Sie entschied, dass es nun Zeit war für Missy, zu ihr nach Hause zurückzukehren. Dank der Zuwendung ihres 14-jährigen Sohns Alex und medizinischer Betreuung erholte sich die Katze jedoch abermals.

Nun hält sie sich vor allem auf dem Balkon der Familie auf, wo sie – auf einem Schaffell zusammengerollt – von ihren vielen Abenteuern träumt.