Eine Art Smartvote nur für Zug

Remo Conti entwickelte als Maturaarbeit eine Website, die mittels Fragebogen die passende Partei berechnet.

Fabian Gubser
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Alles digital: Als Hilfsmittel für seine Website mit Online-Fragebogen diente dem Maturanden Remo Conti ausschliesslich sein Laptop.

Alles digital: Als Hilfsmittel für seine Website mit Online-Fragebogen diente dem Maturanden Remo Conti ausschliesslich sein Laptop.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Februar 2020)

«Ungefähr 50 Stunden habe ich für meine Maturaarbeit benötigt», schätzt Remo Conti. Seine selbstprogrammierte Website www.zuger-parteien.ch soll in den nächsten Tagen online gehen. Wer nicht weiss, welche Partei er wählen soll, klickt sich durch 42 Fragen und erhält als Resultat einen Prozentbalken, der die Übereinstimmung mit den Zuger Parteien aufzeigt.

Der 18-Jährige bediente sich auf Anraten seines Informatiklehrers der Open-Source-Programmiersprache «Django», die er sich selbst beibrachte: «Das war vergleichsweise einfach, da eine offizielle Dokumentation verfügbar ist», sagt der Schüler, der die Kanti Zug im Sommer abschliesst. Nützlich sei ihm vor allem ein vierstündiges Youtube-Tutorial gewesen. Nicht nur Laien benutzen «Django» – auch Teile von Instagram oder Youtube seien damit erstellt worden, weiss Conti, der in Hünenberg See wohnt.

Für den inhaltlichen Teil, also die Fragen, reiste Conti im Sommer nach Bern und traf sich mit dem Verein Politools der Universität Bern. Dieser hatte die Online-Abstimmungshilfe Smartvote entwickelt, die Conti als Vorbild diente. «Die Forscher stellten mir den Fragebogen zur freien Verfügung», freut sich Conti. Ohne diese Hilfe wäre sein Projekt wohl um ein Vielfaches aufwendiger gewesen: Denn der Grossteil der Fragen, die Smartvote bei dem letzten Zuger National-und Ständeratswahlen benutzte, übernahm er. Ein paar Fragen hat Remo Conti jedoch angepasst: Etwa, ob zwischen Luzern und Zürich ein Viertelstundentakt wünschenswert wäre.

Smartvote ist «nur» bei Wahlen benutzbar

Was unterscheidet nun Smartvote von Contis Maturaarbeit? Smartvote ist nur bei aktuellen Wahlen verfügbar. Dort lässt sich mittels standardisierter Fragen ein eigenes politisches Profil erstellen. Danach zeigt die Website die am ehesten dazu passenden Profile der Politikerinnen und Politiker an – sofern diese eines erstellt haben. Bei Remo Contis Website hingegen erhält man am Ende der Fragen «nur» die Übereinstimmung zu den Zuger Parteien, die für ihn ebenfalls einen Fragebogen ausgefüllt haben. Der Fokus von Contis Arbeit lag auf dem Programmieren.

Remo Conti, der die zweisprachige Matura absolviert und deswegen die ganze Arbeit auf Englisch schrieb, konnte nur weniges nicht realisieren: So wollte er auch eine englische Version der Website erstellen, was zeitlich nicht mehr aufging. Zudem ist die Benutzerführung teilweise suboptimal. Abgesehen davon sei er zufrieden. In seinem Umfeld sei die Idee auf positive Resonanz gestossen: «Wahrscheinlich, weil viele ihre politische Position nicht wirklich kennen», sagt Conti.

Wie kam der 18-jährige Hünenberger überhaupt auf die Idee für seine Arbeit? Erstens wollte er seine Informatikfähigkeiten verbessern, da sich der Unterricht an der Kanti diesbezüglich auf eine Einführung in der 5. Klasse beschränkt. Zweitens wollte er einen Bezug zu seiner Leidenschaft haben: Politik. Conti ist seit zwei Jahren bei den Jungen Alternativen – die Grünen aktiv. Die zündende Idee kam ihm schliesslich, als er selber Smartvote benutzte.

Später möchte er Flugverkehrsleiter werden

Neben der Schule beschäftigt sich Remo Conti einerseits mit Smolball, eine Mischung aus Unihockey und Tennis, oder spielt Klavier – «aber ich übe nicht», merkt er mit einem Grinsen an. Zurzeit bewirbt er sich bei «Skyguide» als Flugverkehrsleiter. Wieso? «Ich habe mal eine fünfstündige Doku über den Flughafen London Heathrow gesehen und finde es eindrücklich, wie die ganze Logistik funktioniert, ohne dass wir es mitbekommen.» Da nur die Allerwenigsten die vier Selektierungsstufen überstehen, hat sich Conti vorsichtshalber schon einmal bei der ETH für ein Mathematik-Studium angemeldet. Für ihn ist klar: «Ich will keinen 0815-Job.»