Eine Aufführung im Theater Casino Zug steht ganz im Zeichen der Freundschaft

Am Wochenende trafen sich in Zug etwa 400 junge Leute zum alljährlichen Adoray-Glaubensfestival. Die ­Eröffnung fand mit einer Theateraufführung im Zuger Casino statt.

Johannes Bösel
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Nach der Theateraufführung fand ein Umzug durch die Zuger Altstadt statt .

Nach der Theateraufführung fand ein Umzug durch die Zuger Altstadt statt .


Bild:Christian H. Hildebrand (3. Oktober 2020)

Viele, überwiegend junge Menschen strömen am Freitagabend voller Vorfreude ins Theater Casino Zug und verteilen sich im weiten Rund des Saals. Zum ersten Mal findet die Eröffnung des diesjährigen, auf zwei Tage verkürzten Adoray-Festivals nicht in einem Kirchenraum, sondern im altehrwürdigen Casino statt. Es wird ein Theaterstück geben, auf das alle gespannt warten. «Warum bist Du Romeo? – Shakespeare in Sarajevo» spielt im bosnischen Bürgerkrieg.

Es geht um zentrale Lebensthemen wie Angst, Hoffnung, Hass und Sehnsucht nach Frieden und auch Freundschaft, dem Motto des diesjährigen Festivals. «Wahre Freundschaft zu erleben, ist in unserer oft hektischen Zeit ein wichtiges Anliegen von Adoray», sagt Gregor Hofer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Fests. Und hierfür biete das Fest Raum und Zeit. So werden Gottesdienste, Lobpreise, Glaubensimpulse und weitere Aktivitäten angeboten.

«Keine Freunde zu haben, macht krank»

Peter Hegglin, Ständerat aus Zug, ist Präsident der Inländischen Mission, die auch das Adoray-Fest finanziell unterstützt. In seinem Grusswort betont er, dass das Festival ein «Lichtblick in einer schwierigen Zeit» sei. Freundschaft sei für das menschliche Wohlergehen zentral: «Keine Freunde zu haben, macht krank und verkürzt die Lebenszeit so, als würde man 15 Zigaretten am Tag rauchen.» Der Schweizer Jugendbischof Alain de Raemy ergänzt im Anschluss, dass letztlich alle Menschen miteinander verwandt seien und daher in Freundschaft eine bessere Welt aufbauen können.

Das Theaterstück, eine Produktion des Berliner Tschechow-Studienjahres 1995/96, erzählt von einem Probeabend einer Schauspielgruppe im vom Krieg gezeichneten Sarajevo der 1990er-Jahre. Für eine «Romeo und Julia»-Aufführung übernimmt eine junge Regisseurin das Ensemble und setzt der ursprünglich auf Unterhaltung angelegten Inszenierung eine neue Idee entgegen: Sie möchte den Menschen helfen, die eigene Situation durch die Geschichte von Romeo und Julia besser zu verstehen und Versöhnung zu ermöglichen. Dabei erregt sie Widerstand im Ensemble, da sie offensichtlich ihr Ideal selbst nicht leben kann. Die Situation spitzt sich zu und endet tragisch, als das Probelokal von einer Granate getroffen wird. Am Ende stimmt das Ensemble ein in das «Hohelied der Liebe» aus dem ersten Korintherbrief – ein ergreifender Abschluss der Inszenierung.

Seit einiger Zeit findet das gesamtschweizerische Adoray-­Festival jährlich in Zug statt. Die katholische, eher traditionell ausgerichtete Adoray-­Bewegung gibt es seit 2004. «Adoray» setzt sich aus adore (verehren) und pray (beten) ­zusammen. In mittlerweile 13 Schweizer Städten treffen sich regelmässig junge Menschen zu Lobpreisanlässen mit einem ähnlichen Ablauf: Lobpreis ­(Gebet, Lieder), Impuls (Beitrag eines Teilnehmers), eucharistische Anbetung und ein geselliger Abschluss, um neben der Glaubenserfahrung auch Raum für Freundschaft zu ermöglichen.

Pierre Boutinard Rouelle ist in der Züricher Adoray-Gruppe ­aktiv: «Wir sind optimistisch, ­dynamisch und unkompliziert. Ich schätze die Gemeinschaft sehr.» Für Karin von Arx aus ­Solothurn war der Kontakt mit der Adoray-Bewegung ein Wendepunkt in ihrem christlichen Leben: «Ich erlebte früher den Glauben im Dorf als eine Sache für ältere Leute. Nach Besuch des Adoray-Festivals 2016 war ich sehr beeindruckt davon, wie viele auch junge Menschen einen lebendigen Glauben leben. Seitdem engagiere ich mich in der Bewegung.»

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Marc Hausheer