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Eine Chamer Kunstturnerin lässt sich von der Coronakrise nicht unterkriegen

Sara Kissling (11) trainiert trotz geschlossener Turnhallen weiter. Dies dank improvisierten Trainingsstätten zu Hause.

Michael Wyss
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Kunstturnen ist die ganz grosse Leidenschaft von Sara Kissling. Das verdeutlicht die Tatsache, dass sie mit ihren Eltern in der Woche rund im Ganzen rund 360 Kilometer von Cham nach Rüti und retour fährt für die vier Trainingseinheiten ins Zürcher Oberland.

Seit einigen Wochen kann die 11-Jährige coronabedingt aber nicht mehr dort trainieren. Ihren Durchhaltewillen beweist die Primarschülerin, die als Vorbild die Tessiner Kunstturnerin Ilaria Kaeslin (23) nennt, aber trotzdem. «Damit ich während der Coronakrise nicht an Kraft und Beweglichkeit verliere, trainiere ich nun zu Hause zirka 90 Minuten pro Tag», führt sie aus. Ein Programm dafür hat sie von der Trainerin erhalten. Das Video zeigt, wie sie zu Hause trainiert: 

In den ersten Wochen tat sie das allein auf einer Matte, was langweilig gewesen sei. Als klar wurde, dass der Lockdown länger dauern wird, hat sich Sara Kissling eine Trainingsoase mit Unterstützung der Eltern und Bekannten geschaffen: Im Garten, im Zimmer, im Wohnzimmer und im Zelt wird nun an den verschiedenen Geräten geturnt. «Ich bin allen sehr dankbar, die mir das ermöglicht haben.» Ihre Lieblingsdisziplinen sind Schwebebalken und Bodenturnen.

Eine Menge Trainingsunterstützung bekommen Kissling und ihre Zuger Trainingskolleginnen (siehe Box) von ihrer Trainerin Sandy Luginbühl.

Eine Zugerin im Nachwuchskader

(mwy) Nebst Sara Kissling (Jahrgang 2009, Cham), trainieren mit Hilaria Lozano (2012, Baar) und Klarisa Krasniqi (2011, Zug) zwei weitere Kunstturnerinnen aus dem Kanton Zug beim TV Rüti. Die Mädchen kennen sich aus der gemeinsamen Zeit beim DTV Küssnacht am Rigi und sind miteinander befreundet. Da die Mädchen unterschiedlichen Alters sind, trainieren sie nicht zusammen. Klarisa Krasniqi gehört zudem seit November 2019 dem erweiterten Nachwuchskader B an und trainiert mit den Mädchen des Leistungszentrums.

Sara Kissling (Mitte) im eigens errichteten Trainingszelt mit ihren Zuger Kunstturn-Freundinnen Klarisa Krasniqi (Zug, grünes Dress) und Hilaria Lozano (Baar).

Sara Kissling (Mitte) im eigens errichteten Trainingszelt mit ihren Zuger Kunstturn-Freundinnen Klarisa Krasniqi (Zug, grünes Dress) und Hilaria Lozano (Baar). 

Bild: Matthias Jurt (Cham, 24. April, 2020)

Dazu gehört auch ein Online-Livetraining. «Das ist super und motiviert mich. Denn so sehe ich alle meine Freundinnen vom Kunstturnen wieder auf dem Bildschirm. Das gemeinsame virtuelle Training finde ich cool», sagt Sara Kissling.

Turnen im Topumfeld

Sara Kissling

Sara Kissling

Bild Sara Kissling

Die Viertklässlerin aus Cham turnt in der Kategorie P2 (bis 11 Jahre). Sie begann im Alter von 6 Jahren beim DTV Küssnacht am Rigi mit Kunstturnen, da dieses im Kanton Zug nicht angeboten wird. Seit dem Sommer 2019 trainiert Kissling im Zürcher Oberland beim Turnsport Rüti. «Dort werden wir gezielt gefördert und profitieren von einer super Infrastruktur», sagt sie. Das ist kein Wunder: Die Kunstturnerinnen des Vereins in Rüti kommen in den Genuss der eigens erbauten Kunstturnhalle. Diese dient zugleich als regionales Leistungszentrum. Die Mädchen dieses Kaders trainieren fast doppelt so viele Trainingseinheiten pro Woche und sind tagsüber in der Halle. Den Mädchen vom Verein, wie Sara Kissling, steht die Halle ab dem frühen Abend zur Verfügung.

Die grössten Erfolge der Chamerin waren die Qualifikationen für die Schweizer Meisterschaft in den Alterskategorien P1 (bis 9 Jahre) und P2. Kissling schaffte es in die Schweizer Top 50. Nach den Sommerferien wechselt sie ins P3 (bis 13 Jahre) und will auf diesem Niveau wiederum die Qualifikation für die Schweizer Meisterschaft schaffen. Doch ihr grösster Wunsch ist ein anderer: «Möglichst schnell wieder trainieren zu können im Verein. Das vermisse ich sehr, denn ich gehe sehr gerne ins Training und freue mich immer wieder darauf.»

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