Eine Chance vertan

Chefredaktor Harry Ziegler zu den Regierungsratswahlen im Kanton Zug und den Ambitionen der Freisinnigen.

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Harry Ziegler

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Die FDP des Kantons Zug will ihre beiden Sitze in der Zuger Kantonsregierung verteidigen. Und geht dafür auf Nummer sicher. Sie nominierte am Donnerstag als Ersatz für die zwei scheidenden Herren Regierungsräte zwei Herren, die Regierungsrat werden wollen. Obwohl eine ausgewiesene Person weiblichen Geschlechts bereit und fähig gewesen wäre anzutreten. Nun darf es ja grundsätzlich keine Frage des Geschlechts sein – der oder die Beste möge gewinnen. Es muss hingegen eine Frage des Geschlechts sein, wenn die Politik die Bevölkerung des Kantons einigermassen genau abbilden soll.

Die Freisinnigen des Kantons Zug haben eine Chance vertan, sich als offene, liberale Partei zu positionieren. Stattdessen haben sich die stimmberechtigten FDP-Parteimitglieder entschlossen, einer anderen Partei den Anspruch auf die Vertretung von mindestens der Hälfte der stimmberechtigten Kantonsbevölkerung zu überlassen. Aus welchen Gründen die FDP dies getan hat, dazu hüllte sie sich in vornehme Intransparenz. Kandidaten, Gäste und Medien wurden des Saals verwiesen, als es darum ging, «offen» über die Kandidaturen zu diskutieren.

Es spricht nichts gegen die Qualifikation der beiden nominierten FDP-Herren. Sie dürften – vorausgesetzt, sie leisten sich im Wahlkampf keine groben Schnitzer und keine andere bürger­liche Partei stellt eine valable Kandidatin auf – gewählt werden. Das nur schon aufgrund der Zuger Eigenart der Berechnung des zur Wahl notwendigen Mehrs. Das ist in der Regel ziemlich tief. Die FDP hat mit dieser Nomination immerhin die Möglichkeit geschaffen, eine weitere Frau in die Regierung entsenden zu können. Und es könnte durchaus sein, dass dies zu Lasten der FDP geschieht.

Harry Ziegler

harry.ziegler@zugerzeitung.ch