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Hünenberger Badi nimmt Rettungsdrohne in Betrieb

Im Notfall zählt jede Sekunde: Die Rettungsdrohne kann innert kürzester Zeit Schwimmhilfen abwerfen. Das ist in der Schweiz ein Novum.
Rahel Hug
Badmeister Hesham Sami zeigt die rund 3 Kilogramm schwere Drohne, an der die «Badenudel» angebracht ist. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 13. August 2019)

Badmeister Hesham Sami zeigt die rund 3 Kilogramm schwere Drohne, an der die «Badenudel» angebracht ist. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 13. August 2019)

44 Personen sind im Schnitt der letzten zehn Jahre in der Schweiz jährlich ertrunken. Wie kann man solche tödlichen Badeunfälle künftig vermeiden? Oder zumindest das Risiko mindern? Diese Frage stellte sich Hesham Sami, Badmeister im Strandbad Hünenberg, im letzten Sommer. Er hatte bereits von Rettungsdrohnen gehört, die bei Überschwemmungen in den USA zum Einsatz kamen. Ausserdem wurden solche Geräte in Südamerika, an der Ostsee und in Südfrankreich getestet; in Australien und jüngst auf dem Bodensee in Deutschland konnten dank einer Drohne bereits Menschenleben gerettet werden.

Inzwischen konnte Sami seine Idee in die Tat umsetzen: Auch die Badi Hünenberg hat eine Rettungsdrohne. Seit letztem Wochenende ist das Gerät, das innert kürzester Zeit Schwimmhilfen abwerfen kann, in Betrieb. «Wir vermuten, dass es die erste Rettungsdrohne in einer Schweizer Badi ist», sagt Daniel Schriber, Leiter Sicherheit und Umwelt bei der Gemeinde Hünenberg. Er sei schnell begeistert gewesen von der Vision des Badmeisters: «Wenn wir nur ein Menschenleben retten können, hat es sich schon gelohnt.»

Rund 60 Testflüge wurden durchgeführt

Der Hünenberger Quadrokopter der Marke DJI Inspire 1 ist rund 3 Kilogramm schwer und kann ohne Ballast über 70 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Im Frühjahr wurde das rund 3000 Franken teure Projekt gestartet, seitdem hat Hesham Sami rund 60 Testflüge durchgeführt. Die grösste Herausforderung bei der Bedienung der Drohne sei, eine ruhige und gerade Flugbahn zu erreichen und zu behalten. «Wenn man sie zu schnell und hastig startet, fliegt sie nicht schön», sagt der Badmeister.

Bei einer kurzen Demonstration vor Ort zeigt sich: Der Drohnenpilot hat den Dreh raus. Er lässt den Flugkörper mit sicherer Hand steigen, die an einem Seil montierte «Badenudel», auch «Spaghetti» genannt, baumelt ruhig in der Luft. Kurz darauf lässt er die Schwimmhilfe fallen – eine an der Drohne angebrachte Kamera zeigt ihm, wo genau er diesen Mechanismus auslösen muss.

100 Sekunden schneller als das Boot

Daniel Schriber erklärt, wie das Vorgehen im Ernstfall aussehen würde. In der Regel seien bei gutem Wetter zwei Badmeister vor Ort. Kommt im Wasser jemand in Not, kann Hesham Sami sofort die Drohne starten, während der zweite Badmeister den Alarm aktiviert und per Ruderboot den Weg zum Opfer in Angriff nimmt. Durch den Alarm wird Manuela Vogt, Pächterin des Badi-Restaurants und selber Lebensretterin, informiert und eilt ebenfalls zu Hilfe.

«Wir haben getestet, dass die Schwimmhilfe innerhalb von 45 Sekunden beim Ertrinkenden ist, wenn er sich 150 Meter vom Ufer entfernt befindet», erklärt Schriber. Mit dem Boot dauere diese Strecke zirka 2,5 Minuten. «Das ist eine Differenz von etwa 100 Sekunden. Wenn man im Wasser ein Problem hat, ist das eine sehr lange Zeit.» Zum Vergleich: beim aktuell gültigen Crawl-Weltrekord über 200 Meter benötigte der Schwimmer Paul Biedermann für die ersten 150 Meter bei optimalen Bedingungen 76,3 Sekunden. Das Fluggerät kommt vor allem zum Einsatz, wenn zwei Badmeister vor Ort sind und sich das Opfer ausserhalb des Bereichs der gelben Bojen in 70 Metern Entfernung befindet.

Der Quadrokopter kann vier «Badenudeln» transportieren. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 13. August 2019)

Der Quadrokopter kann vier «Badenudeln» transportieren. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg, 13. August 2019)

Der Flugroboter kann vier «Badenudeln» transportieren und so theoretisch vier Personen vor dem Ertrinken bewahren, bevor der Badmeister mit dem Boot eintrifft. «Wichtig ist, dass die Person in Not nicht unter Wasser gerät. Denn ist sie einmal gesunken, kommt sie kaum mehr hoch», so der Fachmann. Durch die Kamerabilder können aber auch Menschen, die bereits unter die Wasseroberfläche geraten sind, besser erkannt werden. «Man sieht fast bis auf den Seegrund», führt Schriber aus. Aufnahmen werden keine gespeichert, sagt er zur heiklen Frage nach dem Datenschutz. «Es wird also kein Badi-Besucher illegal beim Sünnelen oder Baden gefilmt.»

Es gilt die Devise «Keep it simple»

Bei der Hünenberger Rettungsdrohne handelt es sich um ein Occasions-Modell. Daniel Schriber und Hesham Sami haben das Prinzip mit der «Nudel» selber entwickelt. «Das Gerät hätte noch viele technische Finessen, doch für uns gilt zunächst die Devise ‹Keep it simple›. So bewegen wir die Kamera zum Beispiel nicht, sie ist immer genau nach unten gerichtet», sagt Schriber. Allenfalls werde man im nächsten Jahr weitere Funktionen testen.

Nun steht er also jeden Tag bereit, der «fliegende Badmeister» in Hünenberg See. «Es gilt jetzt, Erfahrungen damit zu sammeln», sagt Daniel Schriber. Im gleichen Atemzug betont er: «Wir hoffen natürlich, dass die Drohne nie im Ernstfall eingesetzt werden muss. Hoffentlich werden wir sie in den nächsten zehn Jahren nur zu Übungszwecken benützen.»

Auch die Gemeinde Hünenberg hat ein Video eines Testflugs aufgeschaltet:

Das folgende Video zeigt eine Rettungsdrohne der Marke Helper im Einsatz an einem Strand in Frankreich:

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