Eine Einsiedelei in Unterägeri, die keine mehr ist

Seit fünf Jahren wohnt Josefina Camenzind im Eremitenhaus bei der Dreifaltigkeitskapelle in Unterägeri.

Carmen Rogenmoser
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Josefina Camenzind vor der Dreifaltigkeitskapelle und dem ehemaligen Eremitenhaus.

Josefina Camenzind vor der Dreifaltigkeitskapelle und dem ehemaligen Eremitenhaus.

Bild: Jan Pegoraro (Unterägeri, 20. Februar 2020)

Einst standen die kleine Dreifaltigkeitskapelle und ihr angebautes Häuschen einsam an der Landstrasse zwischen Oberägeri und Unterägeri. In den 1820er-­Jahren baute sich Bruder Ignaz Jakobs hier eine Einsiedelei. Von Einsamkeit kann heute keine Rede mehr sein. Rund um das Ensemble ist ein Wohnquartier entstanden. So mancher Passant fragt sich beim Vorbeigehen wohl, was es mit der Kapelle und dem kleinen Haus auf sich hat. Eine, die das weiss, ist Josefina Camenzind. Seit fünf Jahren wohnt die 57-Jährige im ehemaligen Eremitenhaus. «Bin ich draussen ums Haus, werde ich ständig darauf angesprochen», sagt sie. Sie gibt gerne Auskunft und hat sogar einen Flyer für Interessierte entworfen. Die Kapelle hat eine bewegte Geschichte. Der Grundstein wurde 1531, zwölf Tage nach der Schlacht bei Kappel, gelegt. Der Ägerer Hauptmann Christian Iten versammelte dort seine «redlichen Helden» vor der Schlacht am Gubel. Später wurde an dieser Stelle die Dreifaltigkeitskapelle gebaut. 1705 wurde sie renoviert oder gar neu gebaut. Nach der Franzosenzeit war 1824 gar eine Wiederherstellung notwendig. Einige Jahre später wurde schliesslich die Einsiedelei errichtet. Die Gemeinde spendete Holz dafür. 2007 wurde das Häuschen erneut renoviert, sodass es auch heute noch bewohnbar sein kann.

Den Flyer legt Camenzind in der Kapelle auf. Dort ist sie regelmässig anzutreffen. Mit dem Einzug in das Haus, das der Pfarrei Unterägeri gehört, gehen einige Verpflichtungen einher. So schliesst sie die Kapelle morgens auf und abends wieder zu und sie läutet jeden Samstag um 17 Uhr die Glocke. Kräftig zieht sie dazu an einem ledernen Riemen. Während der Landeswallfahrt läutet Josefina Camenzind jeweils, wenn betende Pilger vorbeiziehen. «Ich stehe dann draussen und sehe die Gruppen kommen, sind sie auf der Höhe der Kapelle, ziehe ich die Glocke», erklärt sie. «Die Leute schätzen das sehr.» Ebenfalls im Einsatz ist sie am Dreifaltigkeitssonntag, wenn in der Kapelle eine Andacht stattfindet. «Kaum war diese vorbei, waren die Besucher auch schon wieder weg», erinnert sie sich. Nun organisiert sie jeweils einen kleinen Apéro draussen.

Klein, eng und verwinkelt

Josefina Camenzind hat gerne Leute um sich. In ihrer Wohnung ist das nur begrenzt möglich. Gerade fünf mal sieben Meter gross ist die Fläche. Verteilt auf zwei Etagen wohnt sie in vier Zimmern. «Vor allem im oberen Stock sind diese sehr klein.» Die Decken sind zudem niedrig, der Grundriss verwinkelt. «Daran musste ich mich gewöhnen», gibt die Unterägerin zu.

Zwei Mal habe sie die Wohnung besichtigt, bevor sie sich entschieden habe, einzuziehen. Unterstützt wurde sie dabei auch von ihren beiden Kindern. Sie sei auf der Treppe gestanden, habe ins Wohnzimmer geschaut und plötzlich gewusst «das ist es». Das Wohnen im Eremitenhaus bringt Herausforderungen mit sich. So feuert die 57-Jährige im Winter täglich den Holzofen ein. Heizt sie nicht, ist es bitterkalt. «Die Wärme ist dafür so richtig heimelig», sagt sie. Gemütlich und heimelig hat sie es sich auch im Häuschen eingerichtet. Die dicht beieinanderliegenden Fenster lassen viel Tageslicht ins Innere. Die weiss gestrichenen Wände und Decken nehmen die Enge. Das war nicht immer so. Camenzind erzählt, dass früher eine Familie mit fünf Kindern hier wohnte. «Unvorstellbar aber auch das hat wohl funktioniert.» Camenzind musste kürzlich ebenfalls umräumen. Sie ist Grossmutter geworden und auch ihre kleine Enkeltochter soll im kleinen Heim Platz haben.