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Eine Frau soll nach Bern: Unbekannte fordern in Guerilla-Aktion die erste Zuger Parlamentarierin

In einer Guerilla-Aktion verklebten Unbekannte im Kanton Zug 54 Wahlplakate von Zuger Ständerats- und Nationalratskandidaten. Der Grund machen sie anonym in einer Mitteilung deutlich: Die Zuger Bevölkerung soll endlich eine Frau nach Bern wählen.
Pascal Studer
Auch das Gesicht vom Zuger Ständerat Peter Hegglin wurde verklebt. (Bild: PD)

Auch das Gesicht vom Zuger Ständerat Peter Hegglin wurde verklebt. (Bild: PD)

In der Nacht auf Sonntag kam es in Zug zu einer Guerilla-Aktion: 54 Wahlplakate von ausschliesslich männlichen Kandidaten wurden mit violetten Aufklebern versehen. «Wenn schickemer en FRAU* nach Bern?!» stand auf den viereckigen Aufklebern, welche jeweils auf den Gesichtern der männlichen Kandidaten platziert waren.

Es handelt sich dabei um einen symbolischen Akt: Bisher wurden 54 Zuger Politiker nach Bern gewählt. Dieselbe Anzahl Gesichter wurde vergangene Nacht mit den violetten Aufklebern, die farblich an den Frauenstreik erinnern, verdeckt. Die Unbekannten fordern in einer Mitteilung, dass nun endlich eine Frau nach Bern gewählt werden soll:

«Zug hat noch nie eine Frau* als Vertretung nach Bern ins Bundeshaus geschickt. Trotzdem wimmelt es dieses Jahr wieder nur so von Wahlplakaten mit Männern drauf. Wir erinnern die Bevölkerung und die männlichen Kandidierenden daran, dass es an der Zeit ist, eine Frau* nach Bern zu wählen.»

Genug Kandidatinnen für die eidgenössischen Wahlen

Auch zurzeit ist die Zuger Vertretung in Bern ausschliesslich männlich: die Ständeräte heissen Joachim Eder (FDP) und Peter Hegglin (CVP). Eder verzichtet auf eine weitere Kandidatur, Hegglin war derweil möglicher Nachfolger von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard im letzten Herbst. Im Nationalrat sitzen für Zug Thomas Aeschi (SVP), Bruno Pezzatti (FDP) sowie CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister. Pezzatti verzichtet auf eine erneute Kandidatur.

Der häufige Vorwurf, Frauen interessierten sich weniger für Politik und seien deshalb darin untervertreten, lässt sich zumindest anhand der diesjährigen Kandidaturen für die eidgenössischen Wahlen widerlegen. Das Verhältnis für die Nationalratswahl im Kanton Zug zwischen männlichen (38) und weiblichen Kandidaten (37) fällt ziemlich ausgeglichen aus. Von den insgesamt sieben Kandidierenden für den Ständerat sind drei Frauen: Tabea Zimmermann Gibson von der Alternative - die Grünen, Barbara Gysel von der SP und die parteilose Andrea Sidler Weiss. Die weiteren Kandidaten sind der bisherige Peter Hegglin (CVP), Heinz Tännler (SVP), Matthias Michel (FDP) sowie Stefan Thöni (Parat).

Auch auf kantonaler Stufe untervertreten

Nicht inexistent, aber doch stark untervertreten sind die Zuger Frauen auch in der kantonalen Politik. In der siebenköpfigen Zuger Kantonsregierung sitzt mit Silvia Thalmann (CVP) beispielsweise nur eine Frau, Vorsteher der Exekutive ist Stephan Schleiss (SVP).

Leicht anders sieht das Bild in der Legislative aus: Gemäss der Fachstelle für Statistik des Kantons Zug sind rund 30 Prozent der Kantonsratsmitglieder weiblich. Konsultiert man aber auch hier die Zahlen der letzten vier Gesamterneuerungswahlen von 2006 bis 2018, lässt sich hier die weibliche Untervertretung etwas klarer einordnen. Es waren nämlich in allen Wahlen deutlich weniger Frauen überhaupt wählbar, der Anteil an kandidierenden Frauen variierte jeweils zwischen 24,4 und 34,8 Prozent. Im Vergleich zu den tatsächlich gewählten Politikerinnen gibt es in den verschiedenen Wahljahren zudem praktisch keine Abweichung. Dies macht die männliche Übervertretung zumindest statistisch erklärbar.

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