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Eine Frauenjacke und schlaflose Nächte: Jörg Portmann nimmt als Trainers des SC Cham Abschied

Jörg Portmann ist ein bodenständiger, sympathischer Trainer ohne Starallüren. Der 42-Jährige wird auf und neben dem Platz beim SC Cham sehr geschätzt. Am Samstag steht er zum letzten Mal auf dem Eizmoos an der Seitenlinie: Weggefährten erinnern sich.
Michael Wyss
September 2012 auf dem Eizmoos: Amtsantritt von Jörg Portmann. (Bild: Stefan Kaiser)September 2012 auf dem Eizmoos: Amtsantritt von Jörg Portmann. (Bild: Stefan Kaiser)
... und eine fordernde Trainer-Persönlichkeit. (Bild: Roger Zbinden, Cham, 8. April 2017)... und eine fordernde Trainer-Persönlichkeit. (Bild: Roger Zbinden, Cham, 8. April 2017)
Zweimal Jörg Portmann: Zufrieden beim vorletzten Heimspiel ... (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Mai 2019)Zweimal Jörg Portmann: Zufrieden beim vorletzten Heimspiel ... (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 11. Mai 2019)
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Eine Frauenjacke und schlaflose Nächte

Seit September 2012 amtet Jörg «Udo» Portmann auf dem Chamer Eizmoos als Cheftrainer der ersten Mannschaft. Der 42-Jährige führte das Team von der 1. Liga in die Promotion League, wo sich die Mannschaft etablierte. Am Samstag (16.00 Uhr, Sportanlage Eizmoos), beim letzten Heimspiel und Saisonabschluss gegen den FC Zürich U21, endet nun eine äusserst erfolgreiche Ära des Hellbühlers. Portmann hat seinen Rücktritt erklärt. In der neuen Saison übernimmt Ex-Profi Roland Schwegler (37) den Trainerposten beim SC Cham.

Aktuelle wie auch ehemalige Spieler und Funktionäre blicken auf die gemeinsame Zeit zurück. Geblieben sind schöne Erinnerungen und Episoden, die zum Schmunzeln anregen.

«Cool bliibe, Jungs»

Esat Balaj (Spieler): «Nach dem Aufstieg in die Promotion League hatten wir das erste Spiel gegen YF Juventus Zürich. Um uns vor der Partie die grosse Nervosität zu nehmen, zitierte Jörg meinen Spruch der Trainingswoche: ‹Cool bliibe Jungs›. Wir gingen auf das Feld und besiegten die Zürcher. Er wusste über die Jahre genau, wie er sich gegenüber den Spielern zu verhalten hatte. Er war von der Persönlichkeit her einer meiner besten Trainer.»

Marcel Werder (Sportchef): «Es war ziemlich am Anfang seiner Trainertätigkeit in Cham. Da wir uns schon von früher sehr gut kannten, gingen wir nach einem wichtigen Heimsieg gegen Mendrisio noch in den Ausgang nach Zug. Irgendwie fanden wir nichts Passendes und landeten dann per Zufall an einer geschlossenen Geburtstagsparty im Zytturm Zug. Wir mischten uns unter das Volk und niemand bemerkte etwas. So gab es dann halt den einen oder anderen Drink und es wurde auch etwas später. Und ja, wie es kommen musste, nahm Udo anstatt seine Jacke, diejenige einer weiblichen Person mit nach Hause. Am nächsten Morgen musste er sich dann bei seiner Frau erklären. Es verlief, wie ich hörte, alles reibungslos. Die Jacken wurden dann auch wieder getauscht.»

Marco Peterhans (Torhüter): «Ich kenne Jörg seit dieser Saison. Die Knallerstory kann ich deshalb nicht liefern. Aber ich habe ihn als aufgestellte Persönlichkeit kennen lernen dürfen. Er hatte immer einen guten Spruch auf Lager, ist ein Schaffer und legt grossen Wert auf das kleinste Detail.»

Die Begegnung mit den Russen

André Dommann (Berichterstatter): «Jörg hat immer Interesse an der Arbeit der Junioren gezeigt und war auch immer aktiv mit ihnen am Sponsorenlauf unterwegs. Erfolgreiche und fleissige Juniorenteams hat er zum Training des Fanionteams eingeladen oder verdiente Junioren gar zur Spielvorbereitung mitgenommen. Er hatte stets offene Ohren und ist allen Mitgliedern freundlich, offen und auf Augenhöhe be­gegnet.»

Moreno Merenda (Spieler): «Es gibt viele Momente, die ich mit Udo erlebte. Ich habe ihn mit 17 Jahren in Luzern bei der U21 kennen gelernt. Wir hatten es gut miteinander. Leider verloren wir uns dann aus den Augen. Wir gingen unsere sportlichen Wege, bis zu diesem Zeitpunkt, wo er Trainer in Cham wurde. Wir begegneten uns in der Kabine und freuten uns sehr. So hat sich der Kreis wieder geschlossen und es war super, unter ihm zu spielen und einen alten Freund zu treffen. Ich profitierte später auch von Udos Erfahrungen, als ich in Cham noch Assistenztrainer wurde. Eine lustige Episode war, als ich ihn fragte: ‹Udo, gibt es jemanden, der dir Jörg sagt?› Seine Antwort: ‹Klar meine Kinder. Ach Blödsinn, die sagen ja Papi zu mir.›

Adrian Krahn (Präsident): «Ich habe Udo sehr geschätzt. Eine grossartige Person. Er hat viel für den SC Cham getan mit seiner ruhigen und bestimmten Art und Weise.»

Marco Trangoni (Torhütertrainer): «Bis vor zwei, drei Jahren wurde in den Trainingslagern im Staff fleissig gejasst. Es ergab sich halt, dass immer etwa die gleichen Partner aufeinandertrafen. Es war meistens so, dass ich und Udo gegen Marcel Werder und unseren damaligen Medienchef Frank Kleiner spielten. Es waren extrem lustige und gesellige Stunden. Einmal, auf dem Weg ins Hotelzimmer, hatten Udo, Masseurin Zoé Glauser und ich, als wir auf den Lift warteten, bemerkt, dass die Schutzfolie beim Etagenbuchstaben noch aufgeklebt ist. So haben wir angefangen, die Folie wegzukratzen. Dann kamen ein paar russische Funktionäre hinzu, beobachteten uns und begannen mit uns russisch zu sprechen. Zu später Stunde hatten wir natürlich alles verstanden und antworteten auf Schweizerdeutsch. Alle lachten. Noch heute müssen wir immer wieder grinsen, wenn wir zusammen auf einen Lift warten.»

Das «Stängeli» in Grenchen

Sebastian Henzen (Spieler): «Mir ist das Spiel in Grenchen immer noch in bester Erinnerung. Die Solothurner waren auf dem letzten Tabellenplatz und das Ziel war natürlich ein hoher Sieg. Udo sagte in einem Abschlusstraining, dass wir nach Grenchen fahren, um zweistellig zu gewinnen. Unser Gegner verstand die Welt nicht mehr, als wir nach jedem Treffer den Ball sofort aus dem Netz holten, damit schnell weitergespielt wird. Und siehe da, wir siegten 10:0. Eine unglaubliche Story war das. Das vergesse ich nie.»

Cyril Haas (Blegi-Kurve-Fan): «Udo ist seit der Gründung der Blegi-Kurve immer offen und nett zu uns Fans. Wir schätzen, wenn er nach den Spielen jeweils zu uns kommt und sich für den Support bedankt. Er hat grossen Verdienst daran, dass wir heute in der Promotion League spielen. Man hat ihn einfach gerne. Und zudem konnte man fast bei jedem Spiel eine Wette abschliessen, dass Udo die erste Auswechslung, sofern es zuvor keine Verletzten gab, in der 64. Minute vornimmt. Wir hatten ihn einmal an einem Geburtstag bei einem Auswärtsspiel mit einem Plakat und T-Shirt mit der Aufschrift «Super Man» überrascht.»

Roman Herger (Spieler): «Es war wirklich eine super Zeit mit Udo. Menschlich ist er ein toller Typ und dazu sehr fussballkompetent. Ich glaube, dass seine Frau froh sein wird, dass er vor den Spielen nun keine schlaflosen Nächte mehr hat.»

Übrigens, sein Übername «Udo» stammt aus der Schulzeit. Früher nannte ihn ein Schulkollege Jürgen – wegen des früheren Fussballers und Blondschopfs Jürgen Klinsmann. Etwas später war «Udo» geboren – wegen des Liedes «17 Jahr, blondes Haar» des im Dezember 2014 verstorbenen Komponisten und Sängers Udo Jürgens (80).

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