Annemie Lieder ist eine geduldige Beobachterin der Natur

Bei der Künstlerin Annemie Lieder steht diesmal die Natur im Fokus: Wie sie in subtilen Zeichnungen das Thema weiterentwickelt hat, ist derzeit in der Z-Galerie in Baar zu sehen.

Monika Wegmann
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Sieht in jedem Detail der Natur Schönes: Annemie Lieder (69) in der Z-Galerie.

Sieht in jedem Detail der Natur Schönes: Annemie Lieder (69) in der Z-Galerie.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 29. August 2020)

«Wussten Sie, dass die Federn der Krähen nicht einfach schwarz sind, sondern schillernde Farben aufweisen können?» Das ist Annemie Lieder bewusst geworden, als sie bei einem Aufenthalt im Spital Aarau im Park solche Federn gesammelt hat, um sie zu zeichnen. Es vergingen jedoch noch einige Monate, bis sie die Idee umsetzen konnte. Nun ist eine neue Serie der farbigen Federzeichnungen in der aktuellen Ausstellung der Z-Galerie in Baar zu sehen. Und auf den weissen Blättern wird die unglaubliche Farbenintensität und -vielfalt, welche die Künstlerin je nach Lichteinfall entdeckt hat, wunderschön hervorgehoben.

Die 69-jährige Künstlerin ist eine geduldige Beobachterin der Natur. Darum kann sie selbst an einem alten Ast etwas Schönes entdecken. Als sie 2019 einen Atelieraufenthalt in der Kartause Ittingen verbringt, nutzte sie die Zeit zum konzentrierten Schaffen. Auf weissen Blättern sind jetzt die von Flechten und Moosen bewachsenen Aststücke mit geübter Hand wirkungsvoll in Szene gesetzt. Es lohnt sich, die minutiös gezeichneten Motive genauer zu betrachten, um die fast blütenhaften Auswüchse in zarten Farbschattierungen auf den verwitterten Rinden oder Borken zu sehen. Im Gartenbereich der ehemaligen Klosteranlage sind ihr auch die Reben des «Wilden Weines» aufgefallen, die sie speziell arrangierte.

«Ich hatte immer Farbstifte und einen Spitzer dabei», sagte Annemie Lieder an der Vernissage. Nur mit fein gespitzten Farbstiften konnten die ästhetischen Arbeiten entstehen. Wichtig ist ihr, humorvoll zu erklären, wie sie auf solche knorrigen Fundstücke gestossen ist: «I ha immer glueget, glueget, glueget.»

Neu und alt gegenüber gestellt

Die starke Verbundenheit mit der Natur zeichnet Annemie Lieder, die mit ihrem Partner Beat Iten in Sins in einem alten Haus mit schönem Garten lebt, schon lange aus. Dies verdeutlichen einzelne obige, aber vor allem die Zeichnungen aus den 1990er-Jahren im Untergeschoss der Z-Galerie. Weil thematisch passend, wurden sie in Zusammenarbeit mit Galeristin Maria Ziegler den aktuellen Werken gegenübergestellt. Wie man sieht, hat Annemie Lieder schon früher natürliche Fundstücke ins Bild gerückt, oft mit mehreren Details wie Federn neben Schnecken, Wurzeln oder Gemüse kombiniert.

Hier sind auch textile Arbeiten und Objekte, die in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Kostümbildnerin für das Kinder- und Jugendtheater Zug stehen, präsentiert, welche ihre technische Vielseitigkeit dokumentieren. Gegenüber den neuen Arbeiten sind die älteren Bleistiftzeichnungen von aquarellierten Farbräumen umgeben. Der jetzige Verzicht auf einen farbigen Hintergrund mitsamt der konzentrierten Fokussierung auf das Objekt ist Entwicklung der Künstlerin in den letzten Jahren zuzuschreiben.

Die Geschichte des Kreislaufes der Natur

An der gut besuchten Vernissage würdigte Sadhyo Niederberger, Künstlerin und Kuratorin, mit feinfühligen Worten die neuen Arbeiten von Annemie Lieder, welche die Geschichte des Kreislaufes der Natur und der immerwährenden Weiterentwicklung erzählten. Als Kunstbeauftragte im Kantonsspital Aarau konnte sie deren Entstehung aus nächster Nähe verfolgen, da Annemie Lieder bis in den letzten Wochen immer wieder viele Tage dort verbrachte – und doch, sobald es ihre Kräfte zuliessen, wieder zu den Farbstiften griff. Darum war der Künstlerin die Freude über das Gelingen der Ausstellung – und dass sie dabei sein konnte – anzusehen.

Hinweis
Die Ausstellung «Neue Bilder» von Annemie Lieder läuft bis 4. Oktober in der Z-Galerie, Dorfstrasse 6a, Baar. Sie ist jeweils Mi-Fr, 15-18 Uhr, Sa/So 11-14 Uhr geöffnet.