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Eine Hünenberger Familie befindet sich auf Abenteuerkurs

Die vierköpfige Familie Zäch lebt seit einem halben Jahr auf einem Boot und segelt über das Mittelmeer.

Rahel Hug
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Atl, Oliver, Liset und Lou Zäch (von links) auf ihrem Boot «Hardrock».
14 Bilder
Die Platzverhältnisse sind eng: Blick in eine Kabine.
Es gibt nur ein Ziel: Der Sonne entgegen.
Unterwegs entdeckt die Familie traumhafte Strände.
Zu Besuch beim Denkmal des Pythagoras im Hafen von Pythagorion (Griechenland).
Abendstimmung auf den Kykladen.
Ein Quartett, das zusammenhält: Liset, Lou, Atl und Oliver Zäch (von links).
Ruhige See.
Katzenwäsche am Hafen.
Immer wieder ist die Familie auch an Land anzutreffen.
Die Kinder lieben es, draussen zu basteln und zu werken.
Mit dem Beiboot gehts ans Ufer.
Die Zächs unterrichten ihre Kinder Atl (links) und Lou an Bord.
Mutter Liset ist die Lehrerin.

Atl, Oliver, Liset und Lou Zäch (von links) auf ihrem Boot «Hardrock».

Bild: PD

Ein Leben auf 25 Quadratmetern, umgeben von Wellen, Wind und Wetter: Die vierköpfige Familie Zäch hat das Abenteuer gewagt und im Sommer 2019 ihre 5-Zimmer-Wohnung in Hünenberg zu Gunsten eines alten Segelboots aufgegeben. Auf ihrer Website, auf Facebook und Instagram dokumentieren Oliver (40) und Liset (37) Zäch und die beiden Kinder Atl (9) und Lou (5) ihre Reise mit Videos, Fotos und Berichten.

Seit Mitte Dezember sind sie in Roccella Ionica in Kalabrien. «Aufgrund der Winterstürme im Mittelmeer bleiben wir mit dem Boot bis im Februar/März, je nach Wetter, im Hafen», berichtet Oliver Zäch unserer Zeitung per E-Mail. Über die Festtage und den Jahreswechsel weilt die Familie in Mexiko bei Verwandten – Liset Zäch ist gebürtige Mexikanerin.

Zeit als Familie verbringen, gemeinsam ein Abenteuer erleben, Erinnerungen schaffen, als Team etwas leisten. So beschreibt Oliver Zäch, der zuletzt als Leiter der Schulsozialarbeit Region Sins tätig war, die Motivation, zu diesem besonderen Segeltörn aufzubrechen. Nachdem das passende Boot – eine Beneteau Oceanis 500 mit Baujahr 1991, gut 15 Meter lang und mit vier Kabinen ausgestattet – gefunden, fit gemacht und geprobt war, ging es im Juli los: Mit sechs Taschen, gesamthaft 180 Kilogramm Gepäck, flog die Familie nach Dalaman in der Türkei. Vom Küstenort Marmaris segelte das Quartett los, über die Inseln im Ägäischen Meer durch den Golf von Korinth, das Ionische Meer bis nach Italien.

Das Leben auf der «Hardrock», wie das Segelboot der Zächs heisst, bringt viele Herausforderungen mit sich. «Als Familie auf so engem Raum zusammenzuleben braucht viel Gelassenheit», so Oliver Zäch. Sich kleine «Inseln» der Privatsphäre zu schaffen helfe dabei. Ausserdem gelte es, die Eigenheiten jedes Familienmitgliedes zu akzeptieren, und es brauche Humor und die Gabe, beide Augen zudrücken zu können.

Auf eine offene Gemeinschaft getroffen

Die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem. «Die Begegnung mit der Natur ist einmalig», erzählt Zäch und spricht das Zusammenspiel der Elemente und die Kraft von Wind, Wellen und der Sonne an. Dazu kommen die Begegnungen mit Tieren: Seehunde, Delfine, Schildkröten, Vögel. «Faszinierend für uns waren auch die kulturellen Schauplätze in Griechenland oder in der Türkei. Geschichte hautnah zu erleben macht Spass, insbesondere auch den Kindern.» Im vergangenen halben Jahr haben die Zächs viele neue Menschen kennen gelernt. Die Langzeitsegler seien eine grosse, mit wenigen Ausnahmen sehr offene Gemeinschaft. «Man hilft sich gegenseitig, tauscht Werkzeug aus, die Kinder spielen zusammen, man wird sehr offen und kontaktfreudig.» Natürlich gebe es Herausforderungen beim Segeln. Etwa die Suche nach sicheren Ankerplätzen für die Nacht oder rasche Wetterwechsel.

Oliver und Liset Zäch unterrichten ihren Nachwuchs unterwegs. Sie versuchen jeden Tag, zwei Stunden Schule zu machen. Dafür haben sie die Unterrichtsbücher in Deutsch, Englisch und Mathematik mitgenommen und greifen auch auf Online-Plattformen zurück. «Oft greifen wir auch Themen aus dem Alltag auf, beispielsweise Rechnungen bezüglich des verbleibenden Trinkwassers an Bord. Als wir in Mykonos einen Seehund ganz nah am Boot hatten, war das nächste Thema auch schon gesetzt.» Daneben wird gebastelt und gemalt.

Als nächste Etappe, wenn die Winterstürme vorbei sind, möchte die Familie Sizilien, die liparischen Inseln und Sardinien in Angriff nehmen. Später dann die Balearen und Spanien. Ziel sei es, im November bis zu den Kanaren zu segeln, erklärt Oliver Zäch. Der langfristige Traum ist es, mit dem Boot die Karibik zu erreichen. «Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg», so Zäch.

«So lange es geht, machen wir weiter»

Wie lange die Familie auf dem Segelboot weiterreisen wird, steht nicht fest. «Wir haben keinen genauen Plan», erklärt der Vater. «Abgemacht ist, dass es allen Spass machen soll. Dann sind noch die Aspekte Boot und Finanzen. So lange es geht, machen wir weiter.» Und wie steht es um das Heimweh? In einem Beitrag, der auf ihrer Website aufgeschaltet ist, fasst die Familie zusammen: «Wir vermissen Freunde, Kollegen und Familie. Wir vermissen unsere Fahrräder, Skis und Snowboards. Manchmal vermissen wir unser Bett, eine warme Dusche oder die Waschmaschine. Aber: Wir haben gelernt, dass wir nicht viel brauchen – seien es Dinge oder Platz – um zufrieden zu sein. Weniger ist manchmal wirklich Meer.»