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Leserbrief

Eine Kantonsschule auf dem Pavatex-Areal diskutieren

Zur Abstimmung vom 10. Februar in der Gemeinde Cham über die Teiländerung Zonenplan und Bauordnung neue Kantonsschule Allmendhof / Röhrliberg sowie Standortbeitrag

Die Chamer Bevölkerung stimmt am 10. Februar über die Einzonung des Allmendhofes und einen 20 Millionen-Beitrag für die Kanti Ennetsee ab. Ich bin aus grundsätzlichen Überlegungen gegen die weitere Einzonung von Landwirtschaftsland, insbesondere wenn es andere Möglichkeiten gibt. Per Ende März stellt die Firma Pavatex AG an der Knonauerstrasse bekanntlich ihre Produktion ein und schliesst endgültig die Tore. Gemäss Zonenplan liegt das Grundstück in der Wohn- und Arbeitszone 5 (WA 5) und ist bebauungsplanpflichtig. Das eröffnet für die Diskussion rund um die Kanti Ennetsee neue Perspektiven. Mit einer Motion im Kantonsrat habe ich mich im Jahr 2012 dafür eingesetzt, dass die Kanti Ennetsee nicht auf dem Allmendhof, sondern auf dem Papieri-Areal realisiert wird. Eines der Argumente gegen diesen Standort war damals, es würden wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zur Pavatex AG Qualitätseinschränkungen durch Geruchsimmissionen befürchtet. Der Preis pro Quadratmeter beim Allmendhof von 400 Franken sei zudem viel günstiger als auf dem Papieri-Areal. Heute ist bekannt, dass der Quadratmeterpreis auf dem Allmendhof ca. 1100 Franken beträgt.

Anstatt die 40 Millionen in eine Umzonung für eine Kanti Ennetsee zu verlochen, deren Notwendigkeit nicht ausgewiesen ist, und wenn doch, dann erst in 10 Jahren, fordere ich den Kanton, die Gemeinde und den Grundstückbesitzer auf, Schritte in die Wege zu leiten, damit die Kanti auf dem frei werdenden Grundstück der Pavatex AG gebaut werden kann, und zwar durch eine Umzonung des Areals in eine Zone ÖIB für Bauten und Anlagen. So wird kein zusätzliches Landwirtschaftsland benötigt und das Grundstück ist zudem bestens erschlossen. Nur schon weil sich neue Perspektiven eröffnet haben, werde ich am 10. Februar ein Nein in die Urne legen.

Markus Jans, alt Kantonsrat SP, Cham


Ungeheuerlich, wie der Chamer Gemeinderat mit einem Buebetrickli krampfhaft versucht, uns den Grundstücksdeal für eine Kanti Ennetsee schmackhaft zu machen. Erstens: Er will dem Verkäufer die entstehenden Grundstückgewinnsteuern grösstenteils erlassen, und nennt das beschönigend «Standortbeitrag». Dabei sind das 20 Millionen Franken, auf welche die Gemeinde verzichten soll. Das kommt aufs Gleiche heraus, wie wenn jeder Chamer Kopf – vom Baby bis zur Seniorin – dem Verkäufer etwa 1200 Franken schenken würde! Wo ist da die Vernunft? Wer durch Grundstückhandel Gewinn erzielt, wird nach geltendem Gesetz voll steuerpflichtig. Warum soll es da Ausnahmen geben? Sind nicht alle vor dem Gesetze gleich? Offenbar sieht der Gemeinderat die Kanti als Prestige-Projekt (wozu eigentlich?), sonst würde er nicht derart dafür weibeln. Und in den ominösen Vorvertrag mit dem Kanton haben wir Steuerzahlenden ja keine Einsicht. Zweitens: Mit dem Standort Allmendhof/Röhrliberg würde wertvolles Ackerland geopfert und wäre für immer verloren. Die Schweiz importiert gegenwärtig über 50 Prozent der Lebensmittel sowie sehr viel Futtermittel vom Ausland – und die Bevölkerung wächst jährlich. Wollen wir die Abhängigkeit unserer Ernährungssicherheit vom Ausland wirklich stetig vergrössern? In Cham gibt es grosse Industrie-Brachen, wo kein fruchtbarer Boden mehr ist: das Papieri-Areal und bald neu das Pavatex-Gelände. Warum erwägt man nicht diese Areale für einen Kanti-Neubau? Beide Areale sind zentral und erschlossen, und kein Quadratmeter Ackerfläche müsste geopfert werden. Deshalb: Nein zur Änderung Zonenplan, Nein zum Standortbeitrag und damit Nein zu weiterem Landverschleiss.

Ueli Krasser, Hagendorn


Die geplante Einzonung eines dritten Kantistandortes in Cham würde die Chance bieten, grundsätzlich über unsere Bildungslandschaft zu diskutieren. Dabei sollte es nicht nur um die Frage gehen, ob der Kanton Zug ein weiteres Gymnasium braucht, sondern ob Langzeitgymnasium oder Kurzzeitgymnasium den Anforderungen einer effizienten Berufs- und Studienlaufbahn besser gerecht werden. Der Kantonsrat hat diese Frage vor sieben Jahren mit der Motion Walker (CVP)/Lehner (FDP) letztmals diskutiert. Die Regierung verzichtete damals auf eine vertiefte Auseinandersetzung und begnügte sich mit dem Hinweis, das bisherige System, hauptsächlich auf das Langzeitgymnasium zu setzen, habe sich bewährt. Ein sehr schwaches Argument. Mit dem Übertritt ins Langzeitgymnasium müssen 12-Jährige (oder ihre Eltern) die Weichen für die Berufswahl stellen. Die Diskussion, ob heute der Richtungsentscheid nicht zu früh getroffen werden muss, fand gar nicht statt. Ein Nein zum Einzonungsentscheid in Cham bietet uns die Chance einen Marschhalt einzulegen und die Diskussion neu anzustossen.

Nach dem Bau einer Kanti Ennetsee hätte man im Kanton Zug 84 Klassen im Langzeitgymnasium und nur 12 Klassen im Kurzzeitgymnasium. Wer kann diese Planung nachvollziehen? Alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat es so formuliert: «Ich hätte lieber etwas weniger, dafür bessere Maturanden.» Damit unterstützt er die Haltung der schweizerischen Wirtschaft, die seit Jahren vor allem den Mangel an qualifizierten MINT-Spezialisten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) bemängelt. Diese Ausbildungen werden auch von der dualen Berufsbildung, der Lehre, sehr gut abgedeckt. Berufslehre, Berufsmatura und Fachhochschule sind ideale Voraussetzungen für die MINT Berufe. Die Innovationsfähigkeit der Schweiz führt Rudolf Strahm genau auf diesen Umstand zurück, «weil es beruflichen Fachkräften gelingt, technologische Entwicklungen rasch und effizient umzusetzen».

Wir müssen diskutieren, wie viele Maturandinnen und Maturanden auf welchem Weg zur gymnasialen Matura geführt werden sollen. Mit einem zweifachen Nein zur Einzonung und zum Standortbeitrag vergeben wir uns nichts. Im Gegenteil: Wir müssen jene Bildungswege verstärken, welche die Chancen der kommenden Generationen und die Anforderungen der Wirtschaft besser erfüllen.

Esther Haas, Kantonsrätin ALG, Berufsfachschullehrerin, Cham


2013 hat der Kantonsrat das Areal des Allmendhofes in Cham als vierten Mittelschulstandort im Richtplan festgesetzt. Nach einer Machbarkeitsstudie des Kantons von 2015 wäre darauf Schulraum mit 30 Klassen und die Ausbaumöglichkeit auf 40 Klassen möglich. Die Kosten für die Schule sind auf 140 Millionen Franken (bei Landkosten von 20 Millionen) geschätzt. Zur Abstimmung über die Zonenplanänderung zitiere ich diese Machbarkeitsstudie über das geplante Vorgehen: «Die Zonenplanänderung mit Bebauungspflicht ist der Bevölkerung der Gemeinde Cham zum Beschluss vorzulegen. Dabei sollten die Stimmberechtigten auch Kenntnis haben, wie sich das Vorhaben dereinst präsentieren wird, dies um dem Souverän nicht sprichwörtlich eine Katze im Sack verkaufen zu müssen.»

Vor einer Abstimmung in Cham war ein Projektwettbewerb vorgesehen – ein Terminplan ist in der Studie enthalten. Der Kantonsrat hat dafür noch nicht einmal den Projektkredit gesprochen. Hat der Kanton das geplante Vorgehen einfach versäumt, darauf wegen Sparübungen verzichtet, oder sind es Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Raumplanungsgesetz? So oder so müssen wir Chamer nun nach Aussage in der Machbarkeitsstudie die Katze im Sack kaufen!

Eine zweite Katze war schon vorher im Sack. Im Kaufrechtsvertrag von 2012 ist offen, ob der Verkaufspreis 20 oder fast 40 Millionen Franken beträgt. Da war der Bauer wohl schlauer als der Regierungsrat!

Ich bin ehrlich, mit oder ohne Katzen im Sack, möchte ich die grüne Landwirtschaftslunge erhalten. Lieb sind mir auf der Wiese die weidenden Schafe, das Gezwitscher der Vögel und auch die Katzen, die versuchen Mäuse zu fangen. Nach der Umzonung des Areals der Papierfabrik ist die vorgesehene Einzonung nicht zeitgemäss und auch nicht notwendig. Daher 2x Nein zu den Abstimmungen vom 10. Februar!

Hans Bollier, Cham


Im Zusammenhang mit dem Kauf des Landes für die Kanti Ennetsee auf dem Allmendhof in Cham werden uns Zahlen für den Kauf des Landes vorgelegt, die jegliches Mass sprengen und als staatliche Förderung der Bodenspekulation bezeichnet werden müssen. So wurde im Jahre 2012 gemäss einem geheim gehaltenen Kaufrechtsvertrag mit dem Eigentümer ein Quadratmeterpreis von ca. 550 Franken vereinbart, obwohl der Kanton Zug für landwirtschaftliches Land, welches für Infrastrukturaufgaben benötigt wird, bisher maximal 80 Franken bezahlte. Dies ist im Vergleich zu anderen Kantonen bereits ein sehr hoher Betrag, werden doch für Landwirtschaftsland normalerweise Preise zwischen 10 und 25 Franken pro Quadratmeter bezahlt. Dem Eigentümer wurde im Kaufrechtsvertrag wahrscheinlich ein Netto-Verkaufserlös nach Abzug der Grundstückgewinnsteuern von 16 Millionen garantiert. Da der Verkäufer seinen Landwirtschaftsbetrieb in der Zwischenzeit aufgegeben hat, wird die Grundstückgewinnsteuer nun bei einem Verkauf von 20 auf 60 Prozent erhöht, was zusammen mit dem garantierten Netto-Verkaufserlös von 16 Millionen neu einen Verkaufspreis von fast 40 Millionen Franken ergibt, d.h. pro Quadratmeter Landwirtschaftsland werden rund 1100 Franken bezahlt.

Der Landverkäufer hat als Landwirt vermutlich sein Leben lang immer schön Subventionen bezogen. Nun soll er neben dem Netto-Verkaufserlös von 16 Millionen noch ein weiteres Geschenk erhalten, indem dessen Parzelle Nr. 1745 mit immerhin ca. 1900 Quadratmetern wohl bald in Bauland umgezont wird. Dadurch wird er zusammen mit dem Verkaufserlös aus dem Land für die Kanti mit einem Schlag um mindestens 18 Millionen reicher, und zwar mit der wohlwollenden Unterstützung von Politikern, die sonst bei den Sozialausgaben eher nach unten drücken als grosszügig sind. Wer möchte nicht auch auf einen Schlag um so viel Geld reicher werden, und wie vielen Lebenseinkommen von durchschnittlichen Arbeitnehmern entsprechen die 18 Millionen wohl? Weil ich diese ungesunde staatliche Förderung der Bodenspekulation, aber auch das Bauen auf der grünen Wiese und die rechtlich fragwürdige Lösung mit der Grundstückgewinnsteuer nicht unterstütze, werde ich am 10. Februar zweimal Nein bei beiden Vorlagen zur Kanti Ennetsee stimmen.

Alex Briner, Cham

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