Eine Kindergärtnerin aus Zug hat einen Spick für die Lehrer geschrieben

Sibylle Raimann zeigt in ihrem Buch auf, wie die Lernkompetenzen junger Kinder gefördert werden können. Dieses könne auch beim Heimunterricht helfen.

Vanessa Varisco
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Sibylle Raimann mit ihrem neuen Buch «Mit Kindern im Dialog».

Sibylle Raimann mit ihrem neuen Buch «Mit Kindern im Dialog».

Bild: Matthias Jurt (Zug, 30. März 2020)

Erfahrung im Bereich Unterrichtsentwicklung und Erwachsenenbildung hat die Zugerin Sibylle Raimann eine Menge. Seit über 25 Jahren bietet sie Weiterbildungskurse als Dozentin für Unterrichtsentwicklung unter anderem rund um das Thema Kompetenzförderung junger Kinder an. Dank ihres Teilzeitpensums als Kindergärtnerin in Hünenberg bleibt sie der Praxis verbunden.

Kürzlich hat sie das Buch «Mit Kindern im Dialog» veröffentlicht. Dieses soll Unterrichtenden einerseits aufzeigen, wie sie mit Kindern auf eine ein­fache Weise über das Lernen sprechen können. Andererseits sollen sich die Kinder dabei bewusst werden, über welche Kompetenzen sie bereits verfügen und an welchen sie weiter arbeiten können.

Aufgeteilt ist das Buch in einen theoretischen und einen praktischen Teil, in welchem Lehrpersonen anhand anschaulicher Beispiele erfahren, wie Kompetenzförderung aussieht. Ausserdem gehören zum Buch auch sogenannte Kompetenzkarten. Raimann erklärt: «Jene sollen der Lehrperson als Spick dienen.» Das heisst beispielsweise: Für die Kompetenz Selbstständigkeit ist auf einer Seite ein symbolisches Bild fürs Schuhebinden zu sehen, auf der anderen Seite sind die Kompetenzen gemäss Lehrplan 21 aufgeführt, an denen das Kind arbeitet.

Raimann sagt: «Auf die Idee für diese Karten bin ich gekommen, da ich selber nach einer Möglichkeit gesucht habe, wie ich beim Dozieren Hilfestellungen einbauen kann.»

Es ist nicht das erste Buch, das die Zugerin schrieb. Bereits vor 15 Jahren gab sie eines heraus, welches sich ebenfalls der Kompetenzförderung widmete. Was hat sie dazu bewogen, erneut zu schreiben? «Vor allem die Anfragen von Lehrpersonen. Viele Unterrichtende – und auch PH-Studenten – haben nach einem Nachschlagewerk gesucht», erinnert sie sich. Beim Schreiben profitierte sie von ihrem Erfahrungsschatz. Die Fülle an Erfahrungen sei aber auch schwierig gewesen, vor allem bei der Entscheidung, was alles ins Buch kommt. «Viele Situationen, die ich im Buch beschreibe, habe ich selber erlebt. Was tut man beispielsweise, wenn ein Kind Mühe hat, überhaupt mit dem Lernen anzufangen?»

Um solche Fragen zu klären und diese Erkenntnisse dann schriftlich festzuhalten, half ihr vor allem eines: «Ich rede mit den Kindern offen darüber», führt die Kindergärtnerin aus und ergänzt: «Es ist durchaus möglich, mit Kindern über das Lernen zu spre­chen. Darüber, was sie schon können und wo sie noch Schwierigkeiten haben.» Daher auch der Titel «Mit Kindern im Dialog».

Fragt man Sibylle Raimann danach, was der wichtigste Aspekt bei der Kompetenzförderung sei, kommt die Antwort postwendend: «Die Verknüpfung der Fachbereiche mit den überfachlichen Kompetenzen.» Ihrer Erfahrung nach kommt das in vielen Fällen – zu Hause wie im Unterricht – zu kurz, weil man sich auf einzelne Fächer konzentriert. Doch der neue Lehrplan 21, der viele Lehrpersonen vor neue Herausforderungen stellte, fordere und fördere diese überfachlichen Kompetenzen. Raimann erklärt, was das konkret heisst: «Es bedeutet, dass ein Kind in unterschiedlichen Situationen lernen und Brücken schla­gen kann zwischen verschiedenen Fähigkeiten.»

Keine Vernissage, aber eine besondere Aktion

Das zeige sich beispielhaft in der aktuellen Coronasituation und dem damit verbundenen Fernunterricht. Dass die Kinder zu Hause in einem ungewohnten Umfeld lernen, birgt neue Herausforderungen. «Denn nur weil ein Kind in der Schule etwas kann, heisst es nicht, dass es die erworbene Fähigkeit ausserhalb dieses Rahmens anwenden kann. Aber genau darum geht es und das soll für die Lebensbewältigung gefördert werden», ist die Kindergärtnerin überzeugt.

Die Vernissage für ihr Buch fällt der Pandemie wegen aus. Erste positive Rückmeldungen hat sie aber bereits erhalten. Und ihr Buch macht schon die Runde – buchstäblich: In Hünen­berg Dorf und in Unterhünenberg wird jeweils ein Buch von Briefkasten zu Briefkasten weitergereicht, damit Interessierte einen Blick hineinwerfen können.

Das Buch kann hier bestellt werden.