Eine lange Geschichte in der Zuger Schönegg hat ein Ende

Ein Haus im Gebiet Schönegg soll nicht unter Denkmalschutz gestellt werden. Das Verwaltungsgericht stellt sich damit auf die Seite der Eigentümerschaft. Für den Archäologischen Verein ist dies unverständlich.

Andrea Muff
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Das schlossähnliche Haus im Gebiet Schönegg in Zug soll nicht unter Schutz gestellt werden. (Bild: Stefan Kaiser, 8. März 2019)

Das schlossähnliche Haus im Gebiet Schönegg in Zug soll nicht unter Schutz gestellt werden. (Bild: Stefan Kaiser, 8. März 2019)

Seit über 100 Jahren steht das schlossähnliche Haus im Gebiet Schönegg auf einer Anhöhe bei der Talstation der Zugerbergbahn – an sogenannt bevorzugter Lage. Das Mehrfamilienhaus gehört Heiner Schwerzmann und ist bereits seit zwei Generationen in Familienbesitz. Im Dezember 2011 beantragte der Eigentümer die Entlassung des Hauses aus dem Inventar der schützenswerten Denkmäler. Die Geschichte endet vor dem Verwaltungsgericht – das vor kurzem ein Urteil gesprochen hat. Das Gebäude soll nicht unter Schutz gestellt werden. Dies im Sinne des Eigentümers, des Kantons und der Stadt Zug. Der Archäologische Verein Zug wollte dies verhindern und legte im Sommer 2017 Beschwerde gegen den regierungsrätlichen Beschluss, das Objekt aus dem Inventar der schützenswerten Denkmäler zu entlassen, ein.

Zu den Gründen für den Beschluss der Regierung im Juli 2017 ist dem Verwaltungsgerichtsurteil zu entnehmen, dass für das Haus zwar einen «sehr hohen» kulturellen wie auch «sehr hohen» heimatkundlichen Wert gegeben sei. Auch das öffentliche Interesse an der Erhaltung sei «sehr hoch, was aber für sich allein die Unterschutzstellung noch nicht rechtfertige.» Der Regierungsrat kommt zum Schluss: «Eine Unterschutzstellung würde für die Eigentümerschaft unzumutbare finanzielle Folgen nach sich ziehen und es fehle an einem vernünftigen Verhältnis zwischen dem Interesse der Unterschutzstellung und dem Interesse der Eigentümerschaft.»

Dies, nachdem eine Machbarkeitsstudie, die von der Stadt dem Amt für Denkmalpflege und Archäologie und dem Eigentümer in Auftrag gegeben wurde, die Möglichkeiten einer Sanierung prüfte. Ebenfalls abgelehnt wurde die Unterschutzstellung vom Zuger Stadtrat. Dieser «schätzte das Haus als wenig schützenswert ein und erachtete das öffentliche Interesse am Erhalt des Gebäudes als nicht ausreichend ausgewiesen», ist dem Verwaltungsgerichtsurteil über die Vorgeschichte zu entnehmen. Angezweifelt wird im Verlauf des Verfahrens auch die ursprüngliche Autorenschaft des Gebäudes. Der Archäologische Verein habe darüber keine anderen Informationen, sodass er weiterhin annehme, dass das Haus nach Plänen der Zuger Architekten Keiser & Bracher erstellt worden sei. Die Gegenseite bezweifelt dies. Der Regierungsrat bezeichnet die Architektur gar als Fehlleistung.

Finanzielle Argumente «höher gewichtet»

Andreas Bossard, Präsident des Archäologischen Vereins Zug, sagt zum Urteil: «Das Verwaltungsgericht ist nun der Argumentation der Regierung gefolgt und hat ebenfalls die finanziellen Argumente höher gewichtet. Das haben wir nicht erwartet und bedauern dies sehr.» Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. «Hätten wir genügend finanzielle Mittel, würden wir diesen Fall vor das Bundesgericht ziehen», erklärt Bossard und verweist auf zwei unabhängige Juristen, die die Erfolgschancen als hoch einschätzten. Für den Präsidenten des Vereins steht fest: «Der Denkmalschutz darf nicht an finanziellen Gründen scheitern.»

Für die Eigentümerfamilie geht indes eine «fast siebenjährige Leidensgeschichte» zu Ende, wie dem Urteil zu entnehmen ist. «Für meine Eltern – meine Mutter ist leider letztes Jahr verstorben – war die Zeit extrem belastend», sagt Christoph Schwerzmann. Er fühle sich jetzt nicht erleichtert, eher bestätigt in seinen Ansichten. Sein Vater Heiner Schwerzmann wohnt in besagtem Haus. Der Sohn erklärt: «Wir Jungen – das heisst mein Bruder und ich – wollen in erster Linie Planungssicherheit.»

Mit dem Urteil hätten sie diese nun. «Was wir aber schlussendlich vorhaben, dafür gibt es noch keine Pläne.» Von Abriss sei heute noch keine Rede, allerdings schliesst Schwerzmann diesen nicht aus. Er stellt vielmehr klar: «Der finanzielle Aufwand einer Sanierung nach Kriterien des Denkmalschutzes ist unverhältnismässig und das könnten wir uns nicht leisten.»