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In Walchwil wird eine Mauer ganz ohne Zement gebaut

15 angehende Maurer haben in Walchwil ein Projekt umgesetzt, bei dem sie einiges über ihren Beruf dazulernten.
Vanessa Varisco
Die angehenden Maurer arbeiten während fünf Tagen am Walchwilerberg. Bild: PD

Die angehenden Maurer arbeiten während fünf Tagen am Walchwilerberg. Bild: PD

100 Jahre oder mehr – so lange wird die Trockensteinmauer, an welcher rund 15 angehende Maurer des gewerblich-industriellen Bildungszentrums Zug (GIBZ) fünf Tage lang arbeiten, bestehen bleiben. Sie werden von ihren Lehrfirmen für dieses Projekt freigestellt und beziehen weiterhin ihr Lehrlingssalär.

Auf der Baustelle beim Unterutenberg in Walchwil herrscht am Donnerstagmorgen, 19. September, deshalb noch geschäftiges Treiben, denn bereits am Freitag sollen die Arbeiten weitgehend abgeschlossen werden. Einiges läuft hier anders als im sonstigen Berufsalltag. Hier ist kein Stein wie der andere. Hier werden keine gleichgeformten, gleichlangen und gleichhohen Ziegelsteine aufeinandergeschichtet. Jeder Brocken Quarzsandstein muss mit wachem Auge von Hand ausgewählt werden, bevor er an seinen Platz gehoben wird.

Geschickt aufeinander geschichtet

Ausserdem wird kein Mörtel verwendet. Die Mauer steht, weil die Steine mit ihrem grossen Eigengewicht geschickt aufgeschichtet werden. Die angehenden Maurer diskutieren miteinander. Einer steht vor der Mauer, während der andere den Stein platziert. Er schüttelt den Kopf mit den Worten: «Da muss noch ein Stück weggemeisselt werden.» Also spitzt er ein Stück des Steins weg und setzt ihn wieder in die Mauer. Ein erneuter prüfender Blick, dann ein Kopfnicken: So passt es.

«Die Arbeit hier wirkt entschleunigend», erklärt Morino Kneringer aus Unterägeri. Während es auf der Baustelle sonst auch einmal schnell gehen müsse, könne man sich hier Zeit nehmen. «Ich habe im Trockenmauern eine Leidenschaft entdeckt», verrät Kneringer, welcher bereits zum zweiten Mal eine solche Woche bestreitet. Insgesamt wurden solche Wochen, in denen die Lehrlinge einen Einblick in die alte Handwerkskunst gewinnen können, nämlich schon sechs Mal durchgeführt. Dieses Jahr zum ersten Mal im Heimatkanton.

«Die Mauerabteilung des GIBZ versucht mit diesem Projekt die Themenbereiche Nachhaltigkeit, Natur und Berufskunde zu vereinen», erklärt Pascal Kun, Bereichsverantwortlicher Maurer/Maurerinnen EFZ. Aufgrund des Doppelspurausbaus der SBB habe sich ein Standort im Walchwil angeboten, wie Stefan Rey, Projektleiter Artenschutz/Datenbanken weiss. Denn es sollten neue Lebensräume geschaffen werden, insbesondere auch für die stark bedrohte Schlingnatter.

Biodiversität soll gefördert werden

Nicht nur die völlig harmlose Schlange, sondern auch viele andere Tiere und Pflanzen profitieren von diesen Lebensräumen. Das GIBZ stiess deshalb beim Kanton auf offene Ohren, als es den Wunsch äusserte eine Trockenmauerwoche in Zug durchzuführen. Die Trockenmauer biete für alle Vorteile, so Rey. Einerseits werde die alte Mauer so saniert, andererseits würden Lebensräume gefördert. Ausserdem könnten Lehrlinge eine jahrtausendalte Handwerkskunst am Leben erhalten.

30 der 50 Quadratmeter Mauer erstellen die angehenden Maurer, die anderen 20 wurden bereits im Vorhinein von Freiwilligen anlässlich einer Ferienarbeitswoche der Stiftung Umwelteinsatz Schweiz erstellt. Eindrücklich: Pro Quadratmeter Mauer wird rund eine Tonne Stein verwendet. Ein Kraftakt, die einzelnen Steine an ihre Position zu hieven also, oder? «Nicht wirklich», räumt Erich Iten aus Unterägeri ein, welcher im zweiten Lehrjahr ist: «Die körperliche Arbeit bin ich aus dem Alltag gewohnt.» Maschinen gibt es hier kaum – höchstens ein Bagger wird ab und an zum Beispiel für Erdarbeiten eingesetzt. Trockenmauerspezialist Kari Gerber, welcher die Lehrlinge an die besondere Arbeit heranführt, präzisiert: «90 Prozent der Arbeiten werden von Hand erledigt.» Darin sieht er auch eine Besonderheit dieser Jahrtausende alten Handwerkskunst.

«Es ist einfach alles total neu und gewährt einen anderen Blick auf unseren Beruf», findet Fabian Halder aus Steinhausen. Dann nimmt er einen Stein und platziert ihn sorgfältig auf der Mauer – wo er mindestens 100 Jahre bleiben soll.

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