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Eine Reise in die Vergangenheit: Hünenberger begeben sich auf die Spuren der Bourbakiarmee

Der Verein Partnerschaft Hünenberg ZG – Marly FR begab sich im Jura auf die Spuren der Bourbaki-Armee und fand Absinth.

Für die Gemeinde Hünenberg: Guido Wetli
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Die Reisegruppe besichtigte unter anderem die Grenze in Les Verrières (links) und degustierte Absinth in Môtiers.

Die Reisegruppe besichtigte unter anderem die Grenze in Les Verrières (links) und degustierte Absinth in Môtiers.

Bild: PD

Wie im Vorjahr führte die diesjährige Reise des Vereins Partnerschaft Hünenberg ZG – Marly FR in den Jura, diesmal ins Val-de-Travers. Für die 50 Vereinsmitglieder und Gäste hatte Programmchef Joseph Schuler ein spannendes, geschichtsträchtiges Thema ausgesucht, nämlich die Internierung von zirka 88000 Angehörigen der Bourbaki-Armee in der Schweiz während des Deutsch-Französischen Krieges 1871.

Innert drei Tagen hatten Anfang Februar 1871 die Soldaten von General Bourbaki ausgehungert und krank die Schweizer Grenze zwischen Vallée de Joux, Vallorbe, Sainte-Croix und Les Verrières im waadtländischen und neuenburgischen Jura überschritten. In der Folge waren die Soldaten auf rund 200 Gemeinden verteilt worden, wo sie sechs Wochen lang von der Zivilbevölkerung betreut wurden, bevor sie wieder nach Frankreich zurückkehren konnten.

Einen ersten Eindruck erhielt man in Luzern

In der Stadt Zug waren 638 Männer interniert worden. Die Reise in die Vergangenheit führte nach Les Verrières, einem der Hauptschauplätze, direkt an der Grenze zu Frankreich. Bereits während der langen Anreise wurden die Reiseteilnehmenden von Patrick Deicher, Präsident der Stiftung Bourbaki Panorama und Historiker, über die Ereignisse im Jahr 1871 aufgeklärt. Die meisten hatten sich schon vorgängig bei einem Besuch des Bourbaki-­Panoramas in Luzern einen ersten Eindruck verschafft.

Auf einer rund eineinhalbstündigen Führung durch das Gelände brachte Patrick Deicher den Teilnehmenden die Geschehnisse Anfang Februar 1871 anschaulich näher. Hier hatten rund 33000 Soldaten die Grenze auf der heute noch vorhandenen Strasse überschritten.

Bei dem Spaziergang konnten die Reiseteilnehmenden gut feststellen, dass viele Gebäude, die auf dem grossen Rundbild im Bourbaki-Panorama von Maler Edouard Castres 1881 festgehalten worden waren, heute noch vorhanden sind. Nach dem Mittagessen folgte der zweite Höhepunkt, nämlich der Besuch des Maison de l’ Absinthe in Môtiers.

In Môtiers wurde Absinth degustiert

Das Museum ist – nach der Fusion mehrerer Gemeinden – im frei gewordenen ehemaligen Gemeindehaus von Môtiers untergebracht. Auch mit diesem Besuch war ein geschichtliches Ereignis verbunden: 1910 war die Produktion des hochprozentigen Absinths in der Schweiz nach einer Volksabstimmung verboten worden.

Auslöser war eine unfass­bare Tat im Jahr 1905, als ein Mann nach exzessivem Absinth-Genuss seine Frau und seine beiden Kinder umgebracht hatte. Erst 1999 fiel dieses Verbot und seit 2005 darf der Absinth in der Schweiz wieder legal hergestellt werden. Eine Degustation dieser auch als «Fée verte» bekannten Alkoholspezialität durfte natürlich nicht fehlen.

Nach einem oder zwei Gläschen fielen einige der Mitreisenden auf der Rückfahrt in einen seligen Schlaf. Bereits jetzt darf man gespannt sein, wo die nächste Reise hinführen wird – sicher ist nur, dass es die Romandie sein wird.