Eine Kantonsschule schreibt Geschichte

Die Kantonsschule Menzingen KSM öffnete am Samstag ihre Tore. Im Rahmen dessen wurde ein Buch präsentiert, das anschaulich Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Seminars Bernarda gibt.

Nadine Wyss
Merken
Drucken
Teilen
Der Historiker Carl Bossard führt den Gästen bei der Buchpräsentation vor, wie Schwester Bernarda Heimgartner 1844 nach Menzingen kam und gemeinsam mit Pater Theodosius Florentini das Institut gründete. (Bild: Maria Schmid, 22. September 2018)

Der Historiker Carl Bossard führt den Gästen bei der Buchpräsentation vor, wie Schwester Bernarda Heimgartner 1844 nach Menzingen kam und gemeinsam mit Pater Theodosius Florentini das Institut gründete. (Bild: Maria Schmid, 22. September 2018)


«Dieser Ausblick ist gigantisch.» Dieser Satz war von Besuchern beim Rundgang immer wieder zu hören. Die grossen Fenster laden buchstäblich dazu ein, immer wieder einen Blick auf die Umgebung zu werfen. Die privilegierte Lage des Campus macht es in seiner Anordnung möglich, die verschiedenen Blickrichtungen in einem grossen Ganzen zu vereinigen. Während sich den Schülern auf West- und Nordseite Horizonte eröffnen, ist es auf der Süd- und Ostseite die pittoreske Ansicht des Dorfes Menzingen mit seiner Moränenlandschaft, die eine Verbundenheit mit der Heimat spüren lässt.

Nicht Ausblicke sondern Einblicke gewährt das neue Buch «Zeitzeichen. Bilden und Bauen auf der Höhe der Zeit». Unter dem Aspekt «Halten wir den denkwürdigen Moment des Umbaus fest», begründete Rektor Markus Lüdin dessen Daseinsberechtigung. Anlässlich der Vernissage vom Samstag mit geladenen Gästen aus Politik und Bildung erläuterte der Historiker Carl Bossard das erste Kapitel «Bildungsgeschichte». Er tauchte ab in eine Zeit, als der Alltag noch keine Bildung verlangte und der Viehhirte mehr Lohn als der Schullehrer erhielt. Er erzählte, wie Schwester Bernarda im Jahre 1844 nach Menzingen kam und berichtete, wie es damals weder Schultafel noch Tinte gab.

Die Metamorphose ist gelungen

Die bauliche Sichtweise des zweiten Kapitels «Architektur» erläuterte Architekt Samuel Bünzli bei seinem Referat und dem anschliessenden Rundgang. Seine Reise begann mit dem Wettbewerb im 2011 und endete mit der Fertigstellung der KSM im 2018. Er verwies auf die vorgefundene Qualität der in die Jahre gekommenen Bausubstanz. Zusammen mit dem Denkmalschutz wurde entschieden, was erhalten werden konnte und was weichen musste. «Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, die Anlage in ihrem Charakter zu erhalten, ihr aber neuen Glanz zu verleihen.» Eine im Zeitraffer gezeigte Dokumentation über den Umbau und eine aktuelle Drohnenaufnahme machten die Wandlung sichtbar.

Ein Gymnasium «neu gedacht»

Das dritte Kapitel «Pädagogik» präsentierte der Gründungsrektor Markus Lüdin. Er hatte die einmalige Gelegenheit «ein Gymnasium neu zu denken», wie er es nannte. «So ein Privileg bekommt man nur einmal im Leben, wenn überhaupt.» Als er im Februar 2001 sein Amt antrat, waren weder Budget, Personal noch Leitbild vorhanden. Nun im Jahre 2018 kann der Rektor rückblickend sagen: «Es war ein grosser Effort, aber er hat sich gelohnt.» Ein Dankeschön gab es nicht nur vom Rektor an die Adresse der Beteiligten, sondern auch von den Schülerinnen und Schülern, die mit Intermezzi und Gesangseinlagen die Zeit zwischen den Referaten überbrückten. Sie werden die Kantonsschule nun mitprägen und selber Teil der Geschichte sein.