Kanton Zug: Eine «Seegfrörni» feiert Jubiläum

Vor 90 Jahren war es in der Schweiz bitterkalt, sodass verschiedene Seen zufroren, darunter auch der Ägeri- und der Zugersee. Sogar mit verschiedenen Fahrzeugen wurde die Stabilität des Eises getestet.

Andrea Muff
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Der Zugersee fror im Februar 1929 vollständig zu. Zugerinnen und Zuger freuten sich über das Ereignis und posierten für ein Foto. (Bild: Staatsarchiv Zug (Sammlung Werner Spillmann))

Der Zugersee fror im Februar 1929 vollständig zu. Zugerinnen und Zuger freuten sich über das Ereignis und posierten für ein Foto. (Bild: Staatsarchiv Zug (Sammlung Werner Spillmann))

Diesen Monat, im Februar 2019, jährt sich eine «Seegfrörni»: Vor genau 90 Jahren – auch damals war es ein Donnerstag – fror der Zugersee in der Nacht auf den 15. Februar 1929 vollständig zu. «Er hat sich lang dagegen gewehrt und gedampft und geraucht wie ein Schlot. Aber die hartnäckige Kälte ist seiner doch Meister geworden», ist der Zeitung «Zuger Nachrichten» vom Freitag, 15. Februar 1929 zu entnehmen.

Zum Ägerisee schrieb die Zeitung bereits am 8. Februar, dass dieser seit einer Woche zugefroren sei. «Unter der seit einigen Tagen anhaltenden grimmigen Kälte, die letzten Sonntag mit 20 Grad unter Null diesen Winter ihren Höhepunkt erreicht hatte, ist der ganze Aegerisee seit einer Woche mit einer 15 bis 18 Zentimeter dicken kristallenen Eisdecke überdeckt».

«Dringende und ernste Warnung»

Der zugefrorene Zugersee wurde zum Paradies für «hunderte von Schlittschuhläufern». Der Weg von Zug über den See nach Buonas sei von einer «Prozession von Fussgängern besetzt» gewesen. Aber die «Seegfrörni» bedeutete auch Gefahren: Am Samstagabend sei der 58-jährige Baarer Adam Schmidt im Eis eingebrochen und ertrunken. «Dringende und ernste Warnung!», schrieb die Zeitung vom 18. Februar. Insbesondere in der Umgebung von Oberwil gebe es «sehr gefährliche Stellen». Am Sonntag, 17. Februar, seien deshalb «nicht weniger als fünf Personen eingesunken» – drei davon infolge eines Rettungsversuchs. Schlussendlich konnten aber gerettet werden.

Doch nicht nur Tragisches fand den Weg in die Zeitung. Der zugefrorene See hielt auch Unterhaltsames bereit. Am 22. Februar wurde berichtet, dass ein Leo Staub auf seinem Motorrad schon am Sonntag quer über den See von Zug nach Buonas gefahren sei. Nun am Mittwochmorgen tat es ihm Alois Keiser in seinem Ford nach: Er ist mit dem Auto «über den blanken Eisspiegel nach Buonas gefahren». Die «Zuger Nachrichten» hielten fest: «Die beiden Fahrten dürfen als eine dem Jahr 1929 vorenthaltene Kuriosität festgehalten werden.»

Und das natürliche Eisfeld wurde vor 90 Jahren gross gefeiert: Das «Eisfest» fand am 24. Februar statt. Mit einem sogenannten «Eiskarussel». Werner Spillmann – in «Die gute alte Zeit in Zug» – zufolge wurde eine Wagenachse senkrecht eingefroren. Ein grosses, hölzernes Wagenrad darüber gesteckt und daran eine lange Stange wie ein Uhrzeiger befestigt. Jedes Kind musste erst im Zentrum kräftig stossen, erst danach durfte es sich am Stangenende in sausender Fahrt mitziehen lassen.

Gemäss Recherchen von Werner Binzegger – in «Fünf Schüsse und tausend Schutzengel» – stellte sich erst Ende März Tauwetter ein.


Die «Zuger Nachrichten» aus der Zeit können im Staatsarchiv Zug auf Papier angesehen werden.