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Kesb-Beiständin: «Ich wollte etwas mit Menschen machen – eine sinnvolle Tätigkeit»

Seit anderthalb Jahren ist Rosmarie Trabattoni im Auftrag der Kesb im Kanton Zug als Privatbeiständin im Einsatz. Entscheidend sei für sie primär, was ihre Klientin wolle. Die Behörde verteidigt sie gegen Kritik.
Interview: Christopher Gilb
Rosmarie Trabattoni ist seit eineinhalb Jahren Privatbeiständin. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. August 2018))

Rosmarie Trabattoni ist seit eineinhalb Jahren Privatbeiständin. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. August 2018))

Seit ihrer Gründung 2013 steht sie immer wieder in der Kritik: Die Kindes- und Erwachsenenbehörde kurz Kesb. Allgemein wurde es zwar etwas ruhiger um die Behörde, doch unlängst hat der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander eine Initiative vorgestellt, mit der die Kesb faktisch entmachtet würde (siehe letzte Frage) und damit die Diskussion wieder entfacht. Doch wie geht es eigentlich Menschen, die im Auftrag der Kesb arbeiten? Rosmarie Trabattoni aus Meierskappel im Kanton Luzern beispielsweise. Die 45-Jährige ist eine von unzähligen privaten Beistandspersonen (siehe Kurzinterview), die unentgeltlich im Dienste der Behörde stehen. Für die dreifache Mutter eine sinnvolle Tätigkeit.

Rosmarie Trabattoni, wie kommt es, dass Sie fürs Mandatszentrum Zug der Kesb arbeiten?

Ich habe rund 20 Jahre auf der Bank und in der Verwaltung gearbeitet. Aber mich beruflich nur mit Geld und anderen eher abstrakten Dingen zu beschäftigen, hat mich am Schluss nicht mehr erfüllt. Ich habe mir gewünscht, etwas mit Menschen zu machen – eine sinnvolle Tätigkeit also.

Und da sind Sie auf die Kesb aufmerksam geworden?

Ich habe begonnen, an der Hochschule Luzern Soziale Arbeit zu studieren und habe mich beim Mandatszentrum Zug um eine private Beistandschaft beworben. Ich bin da relativ pragmatisch, denn schon bei einer frü­heren Tätigkeit bei der Amtsbeistandschaft im Kanton Schwyz war ich mit solchen Anforderungen betraut worden. Es ist also ein Bereich, in dem ich mich bereits auskannte. Zudem kann ich die Erfahrungen aus dem Studium gut einsetzen. Mein Ziel ist es, nach abgeschlossenem Studium dann auch als Sozialarbeiterin zu arbeiten.

Wie ging es nach Ihrer Be­werbung weiter, wird dann eine Art Vorbereitungskurs besucht?

Beim Mandatszentrum Zug gibt es immer wieder Weiterbildungsanlässe, und man kann sich mit den anderen privaten Beistandspersonen austauschen. Zudem kann man sich bei konkreten Fragen von den Fachpersonen Rat und Unterstützung holen. Für das vorgesehene Mandat wird im Vorfeld die Eignung geprüft. Bei mir wurde in einem weiteren Gespräch bei der Kesb, zusammen mit der Klientin zudem geprüft, ob die Zusammenarbeit möglich ist – ob wir «zueinander» passen.

Seit anderthalb Jahren führen Sie nun die Beistandschaft.

Ja, ich betreue eine Frau im mittleren Alter, die im Kanton Zug lebt und in einer geschützten Werkstatt arbeitet. Sie ist kognitiv eingeschränkt und braucht deshalb Unterstützung.

Dann hatte sie auch früher schon eine Beiständin?

Diese Aufgabe hatte bis anhin ihre Mutter übernommen, sie wollte dies aufgrund der Belastung aber abgeben.

Dann kamen Sie?

Ja, ich handle aber immer in enger Zusammenarbeit mit der Mutter, aber schon in erster Linie mit der Klientin. Wichtig ist mir, sie in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen, zu schauen, was sie möchte, es geht mir hauptsächlich darum, ihr ganz in ihrem Sinn zu helfen.

Wie viel Stunden wenden Sie pro Woche dafür auf?

Es gibt diverse administrative Sachen zu erledigen. Persönlich sehen wir uns aber alle drei Wochen für zirka zwei Stunden.

Haben Sie etwas verändert?

Ja, ich beabsichtige, etwas zu verändern. Es gibt verschiedene Arten von Mandaten, das bisherige Mandat umfasst alle Bereiche. Ich bin zur Erkenntnis gelangt, dass die Klientin gewisse Dinge auch selbstständig machen kann, wie zum Beispiel die Finanzen, weshalb ich mich für eine Anpassung einsetze.

Kein leichter Entscheid.

Das stimmt, ich habe das Thema dann auch noch im Rahmen einer Intervision (Red.: Gleichgestellte suchen gemeinsam nach Lösungen für ein konkretes Problem) an der Hochschule besprochen und bin so zur Einsicht gelangt, dass meine Einschätzung stimmig ist.

Wie reagieren eigentlich andere Menschen, wenn Sie von Ihrer Tätigkeit hören?

Viele verstehen nicht, was eine Beistandschaft ist, und ich muss ihnen den Unterschied zwischen Kesb und Amtsbeistandschaft erklären. Ich arbeite einfach im Auftrag der Kebs. Aber ja, es ist manchmal besser, nicht zu viel zu erzählen. Die Kesb wird teilweise als negativ wahrgenommen. Ich erlebe die Zusammenarbeit aber als gut und kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Was halten Sie von der Kesb-Initiative? Gemäss dieser sollen zwingend Familien­mitglieder das Vertretungsrecht erhalten.

Das finde ich nicht gut. Denn oft spielen familiäre Schwierigkeiten eine wichtige Rolle bei der Problematik der Klienten.

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