Baar: Eine Sperre kostet ihn ein Derby

Der Baarer Arijon Atashi (20) kommt im 3.-Liga-Derby gegen Steinhausen nicht zum Einsatz, nachdem er sich im letzten Spiel zu einer Unbeherrschtheit hinreissen liess. Wie denkt er jetzt darüber?

Martin Mühlebach
Drucken
Teilen
Arijon Atashi ist seit eineinhalb Jahren im FC Baar. Bild: Maria Schmid (Baar, 4. Oktober 2018)

Arijon Atashi ist seit eineinhalb Jahren im FC Baar.
Bild: Maria Schmid (Baar, 4. Oktober 2018)

Am vergangenen Wochenende spielte der SC Baar auswärts gegen den SK Root. Die Zuger gewannen die Partie mit 4:0 Toren und eroberten die Tabellenspitze in der Gruppe 1 der 3. Liga. Während seine Teamkollegen jubelnd in den Armen lagen, ärgerte sich Arijon Atashi über sein Verhalten in der Nachspielzeit.

Einige Tage später erklärt er: «Es lief bereits die 93. Spielminute, als mich ein Gegenspieler provozierte. Ich stiess ihn weg und kassierte prompt die rote Karte. Nun muss ich im Derby gegen Steinhausen zuschauen, auf das ich mich so sehr gefreut habe.» Atashi, der in seiner bisherigen Fussballerkarriere zuvor noch nie vom Platz gestellt worden war, versichert glaubhaft: «Es tut mir unendlich leid und weh, dass ich meine Emotionen nicht im Griff hatte.»

Weh tut es dem ehemaligen Junior des SC Schwyz und dem Team Zugerland auch, dass er als Spieler der U16 des SC Kriens den Sprung in die U17 nicht schaffte und danach auch in einem Probetraining beim FC Zürich durchfiel. «Mein Selbstbewusstsein war angekratzt», gesteht der 20-Jährige, der seit eineinhalb Jahren für den FC Baar spielt.

Ein Trainer, der an Atashi glaubt

Der Übertritt zum FC Baar kam nach einem Telefonanruf zustande. Atashi erzählt: «Antonio Bozzi, der jetzige Trainer des Baarer Fanionteams, unter dem ich im Team Zugerland spielte, bekundete sein Interesse, mich zu verpflichten – ich sagte sofort zu.» Er erinnere sich heute noch daran, wie ihn Bozzi im Spiel des Teams Zugerland gegen Schaffhausen 20 Minuten auf der Ersatzbank schmoren liess, ehe er ihn beim Stande von 0:2 als Flügelstürmer aufs Feld schickte. Atashi erzählt mit verklärtem Blick: «Ich war richtig geladen. Kurz vor der Halbzeitpause erzielte ich mit einem Weitschuss von der Mittellinie den Anschlusstreffer zum 1:2. Und in der 93. Minute traf ich erneut mit einem Distanzschuss zum 2:2.» Arijon Atashi bezeichnet Antonio Bozzi als ausgezeichneten Motivator, der authentisch auftrete und professionell arbeite. Er sei überzeugt, so Atashi, dass der FC Baar unter diesem Trainer den lang ersehnten Aufstieg in die 2. Liga regional schaffen werde.

Den Eltern Kummer bereitet

Der FC Baar hat sich in der Sommerpause gut und effektiv verstärkt. Mit Fatlum Sylejmani von Zug 94 ist ein treffsicherer Stürmer zu seinem Stammverein zurückgekehrt. Leonard Reci von Brunnen und Marco Zahler von Goldau sind weitere Verstärkungen für das Team. «Der grosse Konkurrenzkampf um einen Stammplatz innerhalb des 22-Mann-Kaders trägt dazu bei, dass im Training jeder Akteur sein Bestes gibt. Im Spiel hält sich jeder Spieler bedingungslos an die Anweisungen des Trainers», sagt Arijon Atashi.

Mit Anweisungen hatte er selbst es nicht immer so wie heute. Der in Schwyz geborene und noch immer dort wohnhafte Atashi sagt offen: «Ich war ein Problemkind. Meine Mutter Hyrije (46) und mein Vater Skender (52) mussten mich oft lange suchen, wenn ich während des Einkaufens einfach weglief. Noch schlimmer war, dass meine Mutter hin und wieder wegen mir in der Schule antraben musste, weil ich zu viel geschwatzt und den Unterricht gestört hatte.» Die Eltern hätten aber immer an das Gute in ihm geglaubt. Das habe sich gelohnt, denn heute sei er sehr diszipliniert, versichert der ehemalige Lausbub, der mit seinen Eltern in den Sommerferien oft Verwandte im Kosovo besucht. «Ich fühle mich dort genauso zu Hause wie in der Schweiz. Aber für immer dort leben möchte ich nicht.» Die im Kosovo herrschende Armut und die politische Unsicherheit böten den Menschen keine rosigen Zukunftsperspektiven.

Spannende Partie auf dem Lättich

Am Sonntag empfängt der Leader Baar den Tabellenfünften Steinhausen (14 Uhr, Lättich). Eine klare Sache? «Nein», sagt Arijon Atashi. «In einem Derby ist alles möglich, und Steinhausen ist ein kampfstarkes Team, das selbst nach einem Drei-Tore-Rückstand nicht aufsteckt.»