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Zuger Sagen: Eine unerlöste Seele büsst für ihren Meineid

Die Sage über den Bannhölzler erzählt von einem Streit um Ländereien, von einem falschen Eid und einem Gespenst, das auf einem Schimmel reitet.
Rahel Hug

An kalten und verhangenen Tagen, wenn die Nebelschwaden tief in den Bäumen auf dem Walchwilerberg hängen, fällt es gar nicht so schwer, sich die Figur des Bannhölzlers vorzustellen. Diese entspringt einer Geschichte, die einen richtig erschauern lässt. Der Bannhölzler ist ein Gespenst, das auf einem weissen Pferd, eingehüllt in einen weiten Mantel und bedeckt mit einem breitkrempigen Hut, durch den Wald reitet. Wegen eines falschen Eides habe der Bannhölzler keine Grabesruhe gefunden, heisst es. Der Legende nach sind auf seinem Hut Kamm und Löffel – die Symbole des Meineids – aufgesteckt.

Dem falschen Eid liegt ein Streit um Ländereien im hinteren Geissboden zugrunde. Walchwil war im Besitz einer Allmend auf dem Walchwilerberg. Da die Gemeinde noch sehr klein war, wurde die Allmend nicht voll ausgenützt. Anstösser aus Zug baten um die Erlaubnis, Vieh auf die Walchwilerallmend zu treiben. Schliesslich gab es Krach um das Gebiet, die Parteien gingen mehrere Male vor Gericht. Ein schlauer Zuger Bannwart verleitete die Zuger zu einem erneuten Prozess. Er trat vor Gericht als Zeuge auf. Als Ort der Verhandlung wurde die strittige Allmend festgelegt. Bevor der Zuger Zeuge auf den Platz ritt, nahm er in seine Stiefel Erde vom Zuger Boden, und legte einen Kamm und einen Schöpflöffel unter seinen Hut. Mit erhobenem Schwurfinger erklärte er: «So wahr ich den Schöpfer und den Richter ob mir habe, so gewiss stehe ich auf Zuger Grund und Boden.»

So verloren die Walchwiler ihre Allmend. Doch der Meineid sollte nicht ungesühnt bleiben. Auf dem Heimweg verunglückte der falsche Zeuge – es hiess, der Teufel habe ihm den Hals umgedreht. Seitdem war er gezwungen, durch die Gegend zu reiten und als unerlöste Seele sein Unwesen zu treiben.

So manch unheimliche Geschichte wurde über den Bannhölzler erzählt. Mensch und Vieh habe er Schaden zugefügt, heisst es, und so manchen erschreckt und in den Tod getrieben. Einmal, so erzählt es die Sage, haben junge Leute beim Kegelspiel auf der Allmend mutwillig den Bannhölzler herbeigerufen. Dieser ist auf seinem Schimmel blitzschnell erschienen, sodass die Kegelspieler sich nur mit Not auf die Zuger Grenze retten konnten, wobei sich die Locken eines Mädchens im Hag verfingen. Der Bannhölzler hat daraufhin eine Kegelkugel gepackt und mit voller Wucht durch die Mauer eines nahestehenden Bauernhauses geschleudert. Die Öffnung sei noch nach Jahrzehnten sichtbar gewesen.

Schliesslich ist es einem Geisterbanner gelungen, das Gespenst in die Bannhölzlerfluh im Rossberg zu verbannen. Nachdem nun das Gespenst nicht mehr auf der Walchwiler Allmend hauste, sei es umso gefährlicher geworden, den Rossberg zu besteigen – soll doch der gebannte Geist viele Bergsteiger über die Felsen gestürzt haben.

Hinweis
In der Serie «Zuger Sagen» stellen wir verschiedene Geschichten aus dem Kanton vor. Quellen: Zuger Sagen. Sage, Legände und Gschichte usem Kanton Zug, Maria Greco und Brigitt Andermatt. Zuger Sagen und Legenden, nacherzählt von Hans Koch. Walchwil – eine Gemeindegeschichte, Albert Müller.

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