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Komplexer Fall vor dem Zuger Strafgericht: Eine Vergewaltigung im Ehebett

Vor Gericht relativierte eine Frau ihre Anschuldigungen. Hat sie Angst, dass ihre Kinder den Vater verlieren?
Christopher Gilb

Die Tatvorwürfe gegen den Südosteuropäer in der Anklageschrift wirken schwer: Mehrfach soll er seine aus der gleichen Region stammende Frau mit der offenen Hand und einmal mit der Faust geschlagen haben. Einmal soll er sie gar gewürgt und dann im Frühjahr 2018, als schlimmstes Vergehen, vergewaltigt haben. Nur wegen Letzterem stand er am Dienstag in Zug vor Gericht. Mehrere Monate nach Beginn der Ermittlungen hatte die Frau per Brief gebeten, das Verfahren einstellen zu lassen. Bis auf den Vorwurf der Vergewaltigung wurden folgend alle Anklagevorwürfe fallen gelassen.

Das mutmassliche Opfer schrieb dann noch einen zweiten Brief. In dem sie bat, auch den Tatvorwurf der Vergewaltigung fallen zu lassen. Ihr Mann solle nicht für etwas bestraft werden, was er nicht getan habe. Doch das Gericht folgte dem nicht. Folgend stark verkürzt die Befragung der Frau vor Gericht:

«Wer hat den Brief geschrieben?», fragt die Richterin. «Muss ich das sagen?», entgegnet das mutmassliche Opfer in gebrochenem Deutsch. «Sie können von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen», belehrt sie die Richterin. «Aber erzählen Sie mir doch, was an diesem Abend genau passiert ist.» «Ich habe mich erst gewehrt, aber dann habe ich mit ihm geschlafen.» «Wie gewehrt?» «Vielleicht gesagt, dass ich müde bin.» «Bei der Polizei haben Sie den Tathergang aber sehr ausführlich geschildert», hakt die Richterin nach. «Für mich war das keine Vergewaltigung.» Sie sei damals stark unter Druck gestanden, hervorgerufen von ihrer Anwältin beispielsweise, die gesagt habe, sie könne die Vorwürfe nicht zurückziehen. «Aber auch Nachbarn haben ausgesagt», fährt die Richterin fort, «dass Sie ihnen gesagt hätten, dass Ihr Mann sie sexuell bedrängt habe.» Ja, auch die hätten sie unter Druck gesetzt.

Der drohende Landesverweis

Ganz am Anfang der Verhandlung hatte die mittlerweile vom Ehemann getrennt lebende Frau erzählt, wie schwer sie es mit der Betreuung für die schulpflichtigen Kinder habe. Sie arbeitet Teilzeit und die Kinderbetreuung wurde ihr gekündigt. Zudem hat sie nahezu kein soziales Umfeld in der Schweiz. An einigen Wochentagen kümmert sich jetzt ihr Mann um die Kinder. Sie und er würden sich besser als früher verstehen, er verstehe sich jetzt auch besser mit den Kindern, unternehme mit ihnen Sachen, also anders als früher. So fragt die Richterin am Ende der Befragung: «Wollen Sie ihren Mann etwa schützen, dass die Kinder ihren Vater nicht verlieren?»

Einerseits antwortet sie zwar, das stimme nicht, aber andererseits, dass sie nicht wisse, was mit den Kindern ohne Vater passiere. Denn der Staatsanwalt, der fordert für den Mann eine Freiheitsstrafe von 26 Monaten und einen Landesverweis von zehn Jahren. Und er findet hier raus, wer die Briefe geschrieben hat. «War es der Anwalt Ihres Mannes?» Sie bejaht, aber er habe nur geholfen, dazu gedrängt worden sei sie nicht. Für den Staatsanwalt steht fest, dass der Mann die Tat begangen hat. «Sie will ihr Leben schützen.» Deshalb habe sie den Brief verschickt.

Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Der Angeklagte selbst macht bei seiner Befragung einen gelassenen Eindruck. Er bestreitet sogar, prinzipiell mit seiner Frau Sex am besagten Abend gehabt zu haben. Die Familie sieht er auf einem guten Weg. Gerade hätten sie mit den Kindern von ihm organisierte Ferien in der Heimat gemacht. Sein Anwalt fordert für ihn einen Freispruch. Denn die Aussagen der Frau, die zu den späteren Ermittlungen führten, seien klar in einer Drucksituation entstanden. Ihre einstige Opferanwältin etwa habe Druck gemacht, dass ohne häusliche Gewalt nicht die nötigen Sanktionen gegen den Mann ergriffen werden könnten, die Nachbarn hätten ihr gesagt, sie solle sich von ihm lösen, da sie besseres verdient habe. «Das war ein abgekartetes Spiel.»

Zudem würden die Aussagen des Opfers Widersprüche beinhalten. So habe sie zur Vergewaltigung einmal gesagt, sie habe ihre Hose runtergezogen, und einmal, der Mann habe das getan. Auch, führt er an, gelte doch weiterhin im Zweifel für den Angeklagten. Dann kommt er noch auf sich selbst und die besagten Briefe zu sprechen. Und verwehrt sich gegen die Annahme, er habe seinen Mandanten so rausboxen wollen. «Das ist nicht mein Stil.» Die Frau habe niemanden gehabt, der ihr diese aufsetzt und er habe auf ihre Anfrage hin nur geholfen, mehr nicht. Das Urteil wurde noch nicht gefällt und soll schriftlich eröffnet werden.

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