Leserbrief

Eine Verwechslung

«Es scheiden sich die Geister», Ausgabe vom 26. August

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Die Idee, die Kontroverse um Thomas Zauggs Biografie von Bundesrat Philipp Etter wiederzugeben, ist gelungen. Von der Ausführung ist dieses Vorhaben jedoch missglückt. Im letzten, mich betreffenden Abschnitt, wird der Ton polemisch und die Argumentation unsachlich. Morosoli schreibt, mir dürfte «entgangen sein, dass die Reformen der Zuger Steuergesetze der damalige Finanzdirektor Otto Henggeler geprägt hat». Diese Aussage ist falsch. Im genannten WOZ-Beitrag schreibe ich: «Es ist bekannt, dass Zug nach dem Ersten Weltkrieg eine Pionierrolle bei der europaweiten Anlockung von Fluchtkapital und der fiskalischen Privilegierung von Holding- und Domizilgesellschaften spielte – mit Auswirkungen bis heute (Crypto und Glencore). Doch wie vertrugen sich die Zürcher Finanzplatzanwälte, die dieses Steuerparadies am Zugersee mitgestalteten, mit dem Milieukatholizismus, wie er durch Etter repräsentiert wurde? Zaugg charakterisiert Etter als «einen der prägendsten Politiker seines Kantons», verliert aber über diese Entwicklung kein einziges Wort. Er erwähnt zwar die Ettersche Kritik am «Zuzug von Gesellschaften», verwechselt aber Finanzholdings mit Industriebetrieben». Diese Aussage ist korrekt und sie hätte von Morosoli so wiedergegeben werden können. Ich war und bin immer der Ansicht, dass die Geschichtsschreibung von fundierter Forschung und fairen Debatten lebt. Deshalb bedauere ich es auch, dass Thomas Zaugg es bisher nicht für nötig befunden hat, sich zu dieser Verwechslung und zu dieser Geschichtsverdrängung zu äussern.

Jakob Tanner, Professor Universität Zürich, Zürich