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MännerZug: Eine Vision wird beerdigt

Seit 2009 hat sich «MännerZug» allen Problemen und Anliegen von Männern angenommen. Nachdem der Geldhahn zugedreht worden war, hat sich der Verein nun aufgelöst. Ein letztes Zeichen wird aber noch gesetzt.
Andreas Faessler
So hielt der Verein 2013 seine Vorstandssitzung am Zugersee. (Bild: Stefan Kaiser)

So hielt der Verein 2013 seine Vorstandssitzung am Zugersee. (Bild: Stefan Kaiser)

Eigentlich ist der Entscheid bereits an der Generalversammlung im Herbst 2017 gefallen: MännerZug wird aufgelöst. 2009 war der Verein gegründet worden mit der Mission, eine Anlaufstelle für Männer zu sein – für Fragen, Anliegen und Probleme jeglicher Art. Mit diversen Projekten und Aktionen wie unter anderem Strassenarbeit, Themenabenden oder dem Zuger Männertelefon wollte der Verein die Männer abholen.

Unterstützt wurde MännerZug von mehreren Seiten, mit Beiträgen vom Bund etwa, von Gemeinden oder auch von der Kirche. Auftraggeberin und somit Hauptsponsorin war die kantonale Kommission Allgemeine Weiterbildung (KAW), welche dem Verein einen jährlichen Sockelbeitrag zur Verfügung stellte.

Nicht sang- und klanglos verschwinden

Nachdem dieser finanzielle Beitrag im Zuge der Sparmassnahmen gekündigt worden war, hat sich der Verein einstimmig für die Auflösung entschieden. Am 1. Juni 2018 war Schluss. «Die Auflösung des Vereins war bereits letztes Jahr beschlossene Sache», sagt Nic Baschung, ehemaliger Vereinsvorsitzender. «Aber ganz so sang- und klanglos wollten wir nicht verschwinden.» Die letzten verbliebenen Monate wurden genutzt, um eine letzte Aktion zu planen. «Als Zeichen, dass es uns und unsere Arbeit für die Männer gegeben hat. Und vor allem auch als Dank an alle Mitwirkenden, Ratsuchenden und für das Vertrauen, das uns entgegengebracht worden ist», sagt Baschung. Dieser letzte Streich von MännerZug findet Freitag um 19 Uhr auf dem Landsgemeindeplatz in Zug in der Öffentlichkeit statt. Es ist das Kunstprojekt des Luzerner «Ideenartists» Franz Müller mit dem Namen «Finderlohn MännerZug – Eine Berührungsplastik in 100 Teilen». Entstanden ist diese Kunstaktion, nachdem Franz Müller den einstigen Vereinsvorstand bei seiner letzten «Tafelrunde» in den Vogesen während vier Tagen begleitet und beobachtet hat.

An dieser Tafelrunde stellten die Männer sich die Frage, ob sie jetzt etwas beenden, das gar nicht stattgefunden hat, weder in der Öffentlichkeit noch unter Männern. Ob sie hiermit eine Vision beerdigten, dass eine wachsende Anzahl Männer zum Thema «Mann sein» gemeinsam wachsen möge. Und ob Männerarbeit in Zug künftig also eine reine Privatsache sei. So sieht’s wohl aus, kam man an der Tafelrunde zum Schluss.

Die Macher und Problemlöser

Es schwingt ganz klar Enttäuschung, wenn nicht eine gewisse Wehmut, mit. Denn dass es Männerarbeit braucht, dass sie eine wichtige Aufgabe wahrnimmt, daran hat der ehemalige Vereinsvorstand nie gezweifelt. Aber die Aufgabe ist keine leichte, wie Nic Baschung weiss, wenn er auf die vergangenen neun Jahre Vereinsarbeit zurückschaut. «Männer sind sehr schwer zugänglich. Sie sind eher die Macher, die Problemlöser. Sie haben wenig Interesse daran, lange um eine Sache herum zu reden.» Dass aber auch Männer in gewissen Lebenssituationen mit sich hadern und Rat gebrauchen können, weiss Nic Baschung sehr wohl. «Themen wie eine angehende Vaterschaft, Eheprobleme, eine Scheidung oder andere schwierige Lebenssituationen beschäftigen einen Mann stark. Aber was will man machen, wenn es zwar viele Fragen hierzu gibt, sie aber nicht gestellt werden?» Ein nächstes Projekt zum Thema werdende Väter war bereits aufgegleist und pfannenfertig. Aber die Resonanz war bereits im Vorfeld so gering gewesen, dass dieses Projekt wohl gescheitert wäre.

Der Mann scheint es tendenziell lieber mit sich selber auszumachen. Natürlich treffe das nicht auf alle zu, relativiert Baschung. Aber dass das «Klischee» sich doch immer wieder bewahrheitet, habe sich halt gezeigt. «Es kommt hinzu, dass die Kreise, die sich für Männerangelegenheiten interessieren, grundsätzlich eine überschaubare Randgruppe darstellen.»

Und doch hat MännerZug immer wieder das Eis gebrochen. Etwa mit der «aufsuchenden Männerarbeit», bei welcher der Verein auf der Strasse aktiv das Gespräch mit Männern gesucht und nachgespürt hat, was sie beschäftigt und umtreibt. «Da waren wirklich gute Begegnungen dabei», weiss Nic Baschung. Auch das schweizweit erste «Männertelefon» war ein für die Wahrnehmung des Vereins förderliches Projekt sowie der eigens vom Verein umgesetzte Film «Schiiterhufe», der männerrelevante Fragen aufwirft und zur Reflexion anregt. Der knapp 27 Minuten dauernde Film ist auf Youtube verfügbar.

Der grosse Schlussknall

Nun ist die Episode der ersten und einzigen offiziellen Männerarbeit im Kanton Zug zu Ende gegangen – mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge. Den grossen Schlussknall gibt’s also am Freitagabend auf dem Landsgemeindeplatz. Franz Müller notiert verheissungsvoll: «Das Passierte wird so unter die Leute gebracht, 100 sich auf das Geschehen einlassende Menschen und der Wind tragen fort, was MännerZug ausmacht ... so wird das Gewesene als Kunstwerk davon wirken. Alles Weitere ist hinfällig und unerfindlich ... und wird hiermit sichtbar gemacht ... .»


Aktion von Franz Müller auf dem Landsgemeindeplatz Zug, Freitag, 6. Juli, 19 Uhr.

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