Kolumne
Eine wahre Horrorfahrt

Reporter Christopher Gilb wirft einen «Seitenblick» aufs Liftfahren.

Christopher Gilb
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Christopher Gilb

Christopher Gilb

Lift fahren bereitet mir wahrlich kein Vergnügen. Ich mache es, aber eigentlich nur, wenns sein muss. Oder mehr als vier Stockwerke zwischen mir und meinem Ziel liegen.

Mit am Schlimmsten sind diese gläsernen Lifte, bei denen man immer so wunderschön sieht, wie tief und vor allem, worauf man fallen könnte. Wie wär’s mit einem Stacheldraht? Ich versuche dann immer konsequent nach oben zu schauen in der Hoffnung, dass sich die Distanz zum Ziel zügig verringert. Manchmal gelingt mir das, meistens nicht. Irgendwie hat der Mensch eine gewisse Begabung dafür, sich dem auszusetzen, was ihm eigentlich nur unnötig Angst bereitet.

Meine fürchterlichste Lift­erfahrung hatte ich letztens im Urlaub. Ein zehnstöckiges altes Hochhaus. Und unser Apartment lag wo? Richtig, im neunten Stock. Der Lift – wie soll man ihn beschreiben – am besten, indem man sagt, wie es ist: Bei uns wäre er wohl schon vor zehn Jahren nicht mehr als funktionstüchtig angesehen worden. Das Problem begann schon bei den Türen. Drückte man den Knopf, dass sie sich öffnen, hatte man höchstens fünf Sekunden Zeit reinzuspringen, da sie einem sonst von beiden Seiten gegen den Kopf geschlagen wären. Ein Bewegungssensor: Fehlanzeige. Und die Türen schlossen mit Höchstgeschwindigkeit.

Das aber war bei weitem nicht das Angsteinflössendste. Denn um den Lift zu betreten, musste man einen grossen Schritt machen. Der Lift hing nur noch irgendwie im Schacht, aber nicht mehr so gerade, dass er bündig zum Einstieg gewesen wäre. Dann drückte man den Knopf und es ratterte los. Eher es krächzte los, denn es wirkte, als würden die Kabel ständig gegen eine Wand reiben. Der Lift war zwar nicht gläsern, aber da der Schacht grösser als der Lift war, hatte man eine wundervolle Aussicht, in den unter einem liegenden Schacht. Oben angekommen musste man dann einen ebenfalls grossen Schritt machen, denn der Lift hielt etwas unter dem neunten Stockwerk.

Doch nicht nur die Technik war ein Problem, auch der Geruch. Scheinbar nutzte jede Nacht jemand aufs Neue den Lift, um sich zu erleichtern. Ich benutzte ihn so wenig wie nötig und vor allem ohne Gepäck und jeweils nur alleine. Bei mehr Gewicht hätte er wohl aufgegeben. Und so etwas wie einen Notschalter, das gab es nicht. Und hätte es ihn gegeben, hätte er wohl nicht funktioniert. Es war wahrhaftig eine Horrorfahrt.