Leserbrief

Eine weitere Kanti ist nicht im Sinne des dualen Bildungssystems

Zur gemeindlichen Abstimmung vom 10. Februar

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Der Gemeinderat Cham will uns mit einem Beitrag von 20 Millionen Franken den Kantonsschulstandort auf dem Landwirtschaftsland im Allmendhof «versüssen», aber zu Lasten der Gemeindekasse. Dieses Vorgehen grenzt an eine politische Zwängerei.

Ich mache einen billigeren Vorschlag für den Bereich Bildung: Es sei ins Budget 2020 ein Betrag von 30 000 Franken für eine Ludothek Cham einzustellen.

Cham ist die grösste, sogenannt attraktive Gemeinde im Kanton Zug, welche trotz mehrerer Vorstösse immer noch keine Ludothek hat.

Anstatt am Siedlungsrand auf der grünen Wiese einen «Kanti-Palast» zu bauen, gäbe es billigere Varianten. Wie hat doch der Stadtrat Zug vor einigen Jahren jämmerlich geklagt, als die Informatik-Fachhochschule anstatt in Zug in Rotkreuz angesiedelt wurde. Als «Trösterli» könnte auf dem bestehenden Areal ein Kantonsschulausbau geplant und mit verdichteter Bauweise viel billiger gebaut werden.

Es ist ein unverantwortlicher Luxus im kleinen Kanton Zug drei Kantonsschulstandorte aufzubauen: Das können wir uns nicht mehr leisten.

Offenbar soll das private Interesse (Gewinnabschöpfung) vor dem nachhaltigen öffentlichen Interesse stehen.

Nun muss das Chamer Stimmvolk zum Rechten sehen und am 10. Februar 2019 sowohl zur Einzonung als auch zum Standortbeitrag von 20 Millionen Franken ein wuchtiges Nein in die Urne legen.

Hermann Kiener, Cham


Am 10. Februar werden Sie, liebe Chamer Stimmbürger, nicht nur über die abstrakte, eidgenössische Zersiedelungsinitiative abstimmen, sondern auch über eine konkrete Zer-siedelung, nämlich die Einzonung einer grünen Lunge für die Kantonsschule Ennetsee. Damit der Kantonsrat dem Kauf von 3,6 Hektaren landwirtschaftliches Land für 40 Millionen Franken zustimmen wird, bat der Regierungsrat die Gemeinde Cham, sich mit einem Standortbeitrag von 19,7 Millionen am Kauf zu beteiligen.

Wenn Sie vermuten, dass die Befürworter eines doppelten Neins (gegen Einzonung und Standortbeitrag) Gegner einer fortschrittlichen Bildungspolitik sind, liegen Sie falsch. Zum heutigen Zeitpunkt ist nicht klar, ob der Kanton in zehn Jahren eine vierte Kantonsschule bauen muss. Denn trotz steigender Bevölkerungszahlen wäre bei konsequenter Umsetzung des dualen Bildungssystems eine vierte Kanti gar nicht nötig. Zudem ist der Standort Allmendhof eine politische Zwängerei und nicht Resultat einer seriösen Abklärung. Das heisst: Diese Einzonung ist nicht dringlich und widerspricht dem eidgenössischen Raumplanungsgesetz.

Aktuell betreiben wir Langzeitgymnasien in Zug und Menzingen und ein einziges Kurzzeitgymnasium in Menzingen. In Cham wird ein weiteres Langzeitgymi geplant. 84 Klassenzüge im Langzeitgymi und 12 im Kurzzeitgymi sind nicht im Sinne des dualen Bildungssystems. Praktisch begabte Schüler (und ihre Eltern) sollten sich erst nach der Sekundarschule für eine Lehre oder für das Kurzzeitgymnasium entscheiden. Diese Strategie würde den Ausbau der Sekundarschulen bedingen, und als Folge davon die Pendlerströme nachhaltig reduzieren. Für «Kopfkinder» bleibt das Langzeitgymnasium weiterhin erste Wahl.

Wenn wir zweimal Nein stimmen, bleibt der Allmendhof Teil der grünen Lunge und der Kanton kann diesen oder ein geeigneteres Areal auch noch in 15 Jahren kaufen. Die eingesparten 19,7 Millionen brauchen wir für dringend notwendige Renovationen und Erweiterungen der Chamer Schulen.

Claudio Meisser, Kritisches Forum (KriFo) und Mehr Wert Cham (MWC), Cham