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Eine Zeitreise in die Geschichte von Risch

Der Ortshistoriker Richard Hediger hat wieder einmal zu Risch geforscht. Dabei stiess er auf Rätselhaftes, Amüsantes und Spannendes.
Christian Tschümperlin

Wenn die Veranstalter von Richard Hedigers Vortrag etwas unterschätzt haben, dann war es der grosse Publikumsandrang: In letzter Minute mussten Stühle hergeschafft und Sitzgelegenheiten in den Gängen und bis in die bibliothekaren Räume der Gemeinde- und Schulbibliothek Rotkreuz hinein platziert werden. Wieder einmal hat der Ortshistoriker geforscht und lebendige Episoden über Risch ausgegraben. Sein neuestes Manuskript aus der Reihe «Wie es fast niemand mehr kennt» handelt schwerpunktmässig von Rotkreuz und deckt eine Zeitspanne von mehreren Jahrhunderten ab.

Seinem Referat vom Mittwochabend gab der profunde Kenner der Ortsgeschichte den Titel «Risch in Rätseln – ein europäischer Streifzug durch die Geschichte von Risch». Den europäischen Bezug habe er herstellen wollen, weil ein weitverbreitetes Vorurteil besage, früher sei man kleinkariert gewesen. Wie liesse sich das erwähnte Vorurteil besser entkräften als mit der ersten schriftlichen Nennung von Risch: Diese machte Hediger nämlich in Rom aus. Genauer: In einem Dokument, in dem Papst Hadrian IV im Jahre 1159 die Kirche von Risch erwähnte.

Flucht aus den Städten

Eine Volkszählung im 13. Jahrhundert hielt für Risch 260 Einwohner fest. «Städte wie Zürich schrumpften damals und die Landbevölkerung wuchs kontinuierlich, weil die Bevölkerung aufs Land flüchtete, wegen der prekären Situation in den Städten», konstatierte Hediger. Aber auch auf dem Land war nicht immer genug Essen für alle da. Während vier Jahrhunderten zogen zwei Millionen Schweizer in den fremden Kriegsdienst, um für ihr Einkommen aufzukommen. Gerade Offiziere kamen dabei häufig zu Reichtum.

Ein gewisser Josef von Hertenstein (1735-1787), Luzerner und Kollator der Pfarrei Risch, ging beispielsweise in die Geschichte ein, weil er seiner Frau eine Halskette im Wert von 15000 Gulden kaufte. Das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug damals 30 Gulden. Besonders beliebt unter den Söldnern war die Schweizer Garde in Rom. Papst Julius II gewährte seinen Gardisten viele Privilegien wie etwa die vergütete Reise von Rom und zurück oder – «auch dies ist wichtig», so Hediger – die zollfreie Einfuhr von Wein.

Helvetia wird aus der Taufe gehoben

Auf der Suche nach dem Namensgeber eines «Jesuiterhofes», der seit 1929 zum Freudenberg gehört, stiess Hediger auf einen Johann Kaspar Weissenbach (1563-1639). Sein Sohn Franz Weissenbach, der einzige Jesuit mit Bezug zum Hof auf den er stiess, starb zwar 1648 auf dem Weg nach Indien in Sevilla. Interessant ist aber: Dessen Neffe, ebenfalls ein Johann Kaspar Weissenbach, schuf als Dramaturg für ein vom Jesuitentheater beeinflusstes Theaterstück die Figur der Helvetia, als neue Identifikationsfigur in Zeiten der konfessionellen Entzweiung.

Auch der Zweite Weltkrieg ging an Risch nicht spurlos vorüber. Am 13. Februar 1933 stürzte in Risch ein zweisitziges Flugzeug der Fliegerhorst Gruppe Aachen ab. Der jüdische Pilot Hans Stern überlebte zwar den Absturz, wurde aber bald verhaftet und nach Auschwitz, dann nach Dachau gebracht. Auf sein Schicksal wurde Hediger zufällig durch einen Brief im Internet aufmerksam.

Seinen Vortrag mit zahlreichen weiteren Episoden schloss der 74-jährige Historiker mit einer humorvollen Dankeskarte des verstorbenen Zuger Kantonsrates Willi Wismer, der ihm schrieb: «Wir wünschen Dir nie den Schnuppen, damit Du deine Nase noch lange in alte Geschichten stecken kannst.»

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