Eine Zuger Familie wandert für drei Jahre aus

«Jetzt oder nie», hat Familie Küttel gedacht. In Sambia wird sie sich für ein Hilfsprojekt engagieren.

Laura Sibold
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Die Vorfreude ist schon gross: Graziella und Lukas Küttel wandern mit Lenia, Juna und Ava aus. (Bild: Maria Schmid, Zug, 24. Juli 2019)

Die Vorfreude ist schon gross: Graziella und Lukas Küttel wandern mit Lenia, Juna und Ava aus. (Bild: Maria Schmid, Zug, 24. Juli 2019)

Bald geht für die Familie Küttel ein grosses Abenteuer los. Schon vor Wochen haben die Küttels ihre Wohnung in der Stadt Zug für drei Jahre untervermietet und gepackt – in Kürze fliegen sie nach Sambia im südlichen Afrika. In der Hauptstadt Lusaka wird Graziella Küttel für ein Entwicklungsprojekt arbeiten, das sozial benachteiligte Jugendliche stärken will.

Die 35-jährige Betriebsökonomin erfüllt sich einen Lebenstraum, wie sie sagt: «Schon lange wollte ich mich im Ausland engagieren. Bisher hat es aus beruflichen und familiären Gründen nicht gepasst.» Irgendwann hätten sie und ihr Mann sich die Sinnfrage gestellt und beschlossen, etwas an benachteiligte Menschen zurückgeben zu wollen. Durch Recherchen stiessen sie auf die Luzerner NGO Comundo, die in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas Entwicklungsprojekte mit Schweizer Berufsleuten unterstützt.

Zirkustraining abseits der Strasse

In Sambia hilft Graziella Küttel im Projekt Circus Zambia mit, das im Armenviertel Chibolya Jugendlichen Chancen abseits der Strasse ermöglichen will. Chibolya bedeutet in der Landessprache «verlassen» und das kommt nicht von ungefähr: Die Regierung hat sich aus dem Stadtteil zurückgezogen und überlässt die Menschen sich selber. Drogen, Gewalt, Frühschwangerschaften und Misstrauen prägen das Leben der Jugendlichen. Mit Zirkustraining und anderen Aktivitäten sollen sie in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert werden. Das seit vier Jahren bestehende Projekt wächst schnell, weshalb die Gründer – drei junge Männer, die ebenfalls in diesem Milieu aufgewachsen sind – mit den Managementaufgaben an ihre Grenzen stossen. Graziella Küttel, die zuvor beim Aufbau zweier Zuger Start-ups mitgeholfen hat, wird das Projekt Circus Zambia vor Ort im Bereich Finanzen und Organisationsentwicklung unterstützen.

«Als ich die Stelle sah, dachte ich gleich, dass sie wie für mich gemacht ist», bekräftigt die Betriebsökonomin.

Nach einem langwierigen Bewerbungsverfahren und ersten Kontakten via Skype nach Sambia, erhielt die Zugerin im Januar den Zuschlag. Dann sei alles schnell gegangen. Viele administrative Aufgaben standen an, darunter das Finden einer passenden Schule für die Kinder. Die drei Töchter werden in Lusaka eine sambische Privatschule besuchen und lernen vor Ort neben der Amtssprache Englisch auch den afrikanischen Bantu-Dialekt Nyanja.

Herausfordernde Reise ins Unbekannte

Von Comundo wird den Küttels ein monatliches Gehalt überwiesen, welches in Sambia ein gutes, aber bescheidenes Leben ermöglicht. Lukas Küttel wird im ersten Halbjahr den Alltag der fünfköpfigen Familie organisieren, danach möchte der Jurist in einem anderen Projekt von Comundo mitwirken. Der Plan steht und eigentlich hätten die Küttels am 1. August abfliegen wollen. Wegen Verzögerungen im Visumsprozess schiebt sich die Abreise der Familie aber für unbestimmte Zeit hinaus.

Der Schritt ins Unbekannte scheint zudem mutig, besonders da die Küttels bisher noch nie in Afrika waren und die Reise mit ihren Töchtern im Alter von 2,5, 6 und 8 Jahren antreten. Graziella Küttel versichert:

«Wären die Kinder nicht von der Idee überzeugt gewesen, hätten wir es nicht gemacht.»

Inzwischen würden sich vor allem die beiden älteren Töchter auf das Abenteuer und das Lernen einer neuen Sprache freuen. Die 8-jährige Lenia machte zudem im Zuger Zirkus Grissini mit, weshalb sie es toll findet, dass ihr Mami für eine Zirkusschule arbeiten wird. Klar sei es eine Reise ins Unbekannte, was auch herausfordernd sei, so Küttel, aber es gehe ihr darum, aus der Komfortzone auszubrechen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Dies wird die Familie Küttel im Rahmen des Projekts Circus Zambia bald tun – voraussichtlich für drei Jahre, um dann 2022 mit dem Rucksack voller Geschichten und Erfahrungen nach Zug zurückzukehren.


Weitere Informationen zu den Hilfsprojekten von Comundo unter: www.comundo.org