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EINFUHR: «Tiere sind keine Souvenirs»

Streunende Hunde oder Katzen ohne Bewilligung aus den Ferien mit nach Hause zu nehmen, ist keine gute Idee. Das kommt aber immer wieder vor – und kann für den Besitzer teuer werden.
Carmen Rogenmoser
Immer wieder werden Katzen aus Ferienorten ohne Bewilligung in die Schweiz gebracht. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 3. April 2017))

Immer wieder werden Katzen aus Ferienorten ohne Bewilligung in die Schweiz gebracht. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 3. April 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Man streift durch die romantischen Gässchen eines italienischen Dörfchens und hört ein leises «Miau!». Ein kleines Kätzchen schaut einen mit grossen Augen an und gibt herzzerreissende Laute von sich. Es sieht ausgehungert aus und scheint alleine zu sein. Schon ist es passiert: Liebe auf den ersten Blick. Doch was nun? Das Kätzchen einfach einpacken und mit nach Hause nehmen? «Das ist keine gute Idee», sagt Dieter Fretz, Tierarzt der Ennetseeklinik in Hünenberg. Denn es gibt gesetzliche Regelungen über die Ein- beziehungsweise Ausfuhr von Tieren. «Viele reagieren in so einer Situation unüberlegt und sind sich der Konsequenzen nicht bewusst», sagt Fretz. Seiner Erfahrung nach habe das in den letzten Jahren zugenommen.

Konkrete Zahlen dazu werden weder kantonal noch national erfasst. «Es kommt leider immer wieder vor, dass versucht wird, Tiere unerlaubt in die Schweiz einzuführen», sagt auch Stefan Kunfermann, Mediensprecher des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) des Eidgenössischen Departements des Innern. Grundsätzlich könnten die meisten Heimtiere aus allen Ländern ohne seuchenpolizeiliche Bewilligung und Gesundheitszeugnisse einreisen, erklärt er. Spezielle Bedingungen gelten aber für Hunde, Katzen, Frettchen und Vögel. Diese Tiere müssen etwa gechippt sein, es braucht einen Heimtierpass und ebenso eine Veterinärbescheinigung. Sind die Bedingungen nicht erfüllt, kann das Tier am Zoll oder im Nach­hinein beschlagnahmt werden. «Das kann teuer werden», so Kunfermann. Oftmals kommen zu den Kosten für den vorüber­gehenden Aufenthalt und für eine allfällige Rückschaffung auch noch Bussen hinzu. «Ganz wichtig: Tiere sind keine Souvenirs», betont er. Und er ergänzt: «Gerade von Tieren aus Tollwutrisikoländern sollte man unbedingt die Finger lassen.» Für die Einreise von Hunden und Katzen aus solchen Ländern gelten strenge Regeln. «Sind die Anforderungen nicht erfüllt, werden die Tiere nach Möglichkeit zurückgeschickt.» Der «Importeur» müsse mit einer Strafanzeige rechnen, sagt auch Andreas Meyerhans, Kommunikationsbeauftragter der Gesundheitsdirektion des Kantons. «Die Tiere müssen zur Verhinderung der Verschleppung von Tollwut in eine Quarantäne oder im schlimmsten Fall eingeschläfert werden.»

Auch Tierarzt Fretz meint: «‹Retten› auf eigene Faust macht keinen Sinn.» In der Schweiz gebe es ebenso viele heimatlose Tiere. Habe man sich wirklich unsterblich verliebt, dann soll man sich an eine Tierschutzorgani­sation vor Ort wenden und die Einreise offiziell planen. Hinzu kommt aber, dass die Tiere meist auf der Strasse sozialisiert wurden. «So sind sie mit den Gegebenheiten bei uns überfordert», sagt Meyerhans. Ein Anpassen wird also schwierig.

Ausgesetzte Hunde gibt es praktisch nicht mehr

Das Gegenteil, dass Haustiere während der Sommerzeit vermehrt ausgesetzt werden, komme nicht mehr so oft vor, sagt Fretz. «Seit es die Chippflicht für Hunde gibt, hat das extrem abgenommen.» Damit können die Tiere zurückverfolgt werden, und das Aussetzen hat keinen Sinn. Bei Katzen hingegen gebe es nach wie vor viele Findeltiere. «Es ist schwierig, zu sagen, woher sie kommen und ob sie tatsächlich ausgesetzt wurden.» Während der Sommerzeit sei keine Zunahme der Fälle zu beobachten. Ob man nun mit oder ohne sein Haustier verreist oder ein Tier aus den Ferien nach Hause nehmen will, eine gute Vorbereitung ist generell das Wichtigste: «Das Tier ist ein Familienmitglied, zu dem man schauen muss», betont Fretz.

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