Drei Zuger Ärzte setzen sich mit Herz und Geldbörse in Moldawien ein

Vor zehn Jahren haben Zuger Ärzte den Verein zur Unterstützung des Spitals Criuleni gegründet. Mittlerweile ist es das modernste Regionalspital Moldawiens – und soll langfristig ohne Schweizer Unterstützung auskommen.

Laura Sibold
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«Es hat an allem gefehlt; an baulicher Infrastruktur, medizinischen Geräten und an klaren Konzepten», erinnert sich Beat Wicky. Der Zuger Chirurg reiste 2009 erstmals nach Moldawien, mit der Idee dort ein Spitalprojekt zu unterstützen. Auf das, was Wicky im Bezirksspital Criuleni antraf, war er allerdings nicht vorbereitet: Ärzte ohne vollständige Berufskleidung, die in Strassenschuhen den Operationssaal betraten und unter schlechter Hygiene an veralteten Geräten arbeiteten. Sogar an ausreichend Matratzen und sauberer Bettwäsche habe es gefehlt, erinnert sich Wicky.

Das Spital Criuleni bildete keine Ausnahme – medizinische Einrichtungen in Moldawien befanden sich vor zehn Jahren in desolatem Zustand, viele davon noch heute. Mit dem befreundeten Zuger Chirurgen Karlheinz Leemann gründete Beat Wicky im August 2010 den Verein zur Unterstützung des Spitals Criuleni in Moldawien. Mit Beat Reber, der 2011 als Spezialist für medizinische Technik dazustiess, war die Kerngruppe des Vorstandes komplett. Das Ziel des Vereins: im Spital Criuleni eine rasche, pragmatische und nachhaltige medizinische Versorgung aufzubauen (siehe Box).

Nur Geld nach Moldawien pumpen, war nie das Ziel

Heute – zehn Jahre später – blicken Wicky, Leemann und Reber entspannt zurück. «Ohne unbescheiden sein zu wollen, kann man heute sagen, dass Criuleni das modernste Bezirksspital Moldawiens ist», sagt Leemann. Jahr für Jahr hat der Verein die wesentlichen Teile des Spitals saniert und so seit der Gründung über 2,3 Millionen Franken investiert. Unter anderem der Operationstrakt, der Notfall, die Röntgenstation sowie die Wäscherei wurden grundlegend saniert. Teilweise gegen Widerstand des Personals führten die Zuger Ärzte Modifikationen ein. Besonders in der Hygiene hätten viele Mitarbeitende den Nutzen der Massnahmen anfangs nicht erkannt. Durch gezielte Information und Schulungen der Mitarbeiter sei die Modernisierung nun aber breit abgestützt.

Entgegenwirken konnten die Zuger auch einem weiteren Problem: Viele gut ausgebildete moldawische Ärzte wandern aus, um in anderen Staaten zu besseren Konditionen zu arbeiten. «Wir konnten das 170-köpfige Team im Spital Criuleni durch viele junge Leute ergänzen, die durch die neue Infrastruktur motiviert sind und hier bleiben», freut sich Reber. Noch immer reist die Kerngruppe dreimal jährlich nach Moldawien, um vor Ort neue Projekte aufzugleisen und Probleme anzusprechen. In Criuleni agiert eine Augenärztin als Schlüsselperson – sie übersetzt und koordiniert zwischen dem osteuropäischen Land und der Schweiz.

Für das aktuelle Jahr will der Verein die Spitalapotheke samt Medikamentenlagerung erneuern und einen technischen Dienst einrichten. Nur Geld nach Moldawien pumpen, sei jedoch nie das Ziel gewesen, betont Wicky. «Die Moldawier sollen Eigeninitiative zeigen und nach ihren Möglichkeiten einen Teil beitragen. Das funktioniert: So hat das Spital letztes Jahr auf eigene Kosten Fassade und Fenster renoviert.»

Dies ist auch für das weitere Projekt relevant: Wicky, Leemann und Reber befinden sich allesamt in ihren 70ern – und machen sich dementsprechend auch Gedanken über eine Nachfolgelösung. «Wir denken noch nicht ans Aufhören», bekräftigt Karlheinz Leemann. «Aber langfristig – etwa in fünf Jahren – soll sich das Spital Criuleni selber tragen können und von Mitgliedern vor Ort geführt werden.» Daher steht derzeit das Ziel im Zentrum, den Unterhalt und Betrieb in Criuleni für zehn weitere Jahre sicherstellen zu können.

Weitere Infos zum Verein auf der Website