Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zug: Einst Provisorium, heute ein Baujuwel

Es war für sie nicht mal eine Bewilligung nötig: Als temporäre Bauhütte diente der Schuppen unterhalb der Burg in den 1930er-Jahren den Steinmetzen von St. Oswald als Werkstatt. Frisch renoviert wird das Gebäude jetzt einer neuen Bestimmung übergeben.
Andreas Faessler
Die historische Bauhütte zwischen der Oswaldskirche und der Burg ist neu renoviert. Im Inneren sind zwei Glasfenster in die Wand eingelassen, die 1866 für die Oswaldskirche angefertigt worden waren (Bild unten).

Die historische Bauhütte zwischen der Oswaldskirche und der Burg ist neu renoviert. Im Inneren sind zwei Glasfenster in die Wand eingelassen, die 1866 für die Oswaldskirche angefertigt worden waren (Bild unten).

An ihrer Versammlung im März 1926 beschloss die katholische Kirchgemeinde Zug die umfassende Aussenrenovation der St. Oswaldskirche. Exakt ein Jahr später lag ein ausführlicher Expertenbericht vor, der belegte, dass Baumeister Hans Felder 450 Jahre zuvor gute Arbeit geleistet hatte: Mauern, Gewölbe und Zimmerwerk waren noch immer in einem schadlosen Zustand.

Das Hauptaugenmerk der Renovationsarbeiten fiel neben kleineren Notwendigkeiten wie etwa dem Ersatz von Traufrinnen hauptsächlich auf den reichen ornamentalen und figürlichen Aussenschmuck der Kirche. Die Sandsteinstatuen sowie Zierwerk wie Gurten, Konsolen, Masswerke, Gesimse oder Baldachine und über 1600 Quadersteine waren mässig bis stark verwittert und mussten kopiert, respektive ersetzt werden. Man war erpicht, die Arbeiten umsichtig zu planen und holte sich Eindrücke und Rat an mindestens 14 Orten, wo gotische Kirchen gerade renoviert wurden, unter anderem in den Bauhütten von Köln, Freiburg, Zürich und Bern.

Tonnenweise Sandstein vom Lothenbach

Im Herbst 1929 wurde im Garten der gegenüberliegenden Pfrundhäuser St. Anna und St. Konrad direkt unterhalb der Burg von der Baukommission unter dem Kommissionspräsidenten Josef Kaiser eine Bauhütte errichtet, die den Bildhauern und Steinmetzen als temporäre Werkstatt dienen sollte. Da die Hütte als Provisorium geplant war, gab die Stadt damals ihr Einverständnis ohne eine behördlich ausgestellte Baubewilligung. Während der Renovationsarbeiten im Zeitraum von 1933 bis 1939 waren hier namhafte Steinmetze und Fachkräfte tätig, darunter der Tessiner Giovanni Salvadè als leitender Künstler, der Zürcher Georg Michel, der Zuger Wilhelm Hürlimann und Karl Josef Abegg aus Steinen.

Während der etwas mehr als fünf Jahre dauernden Renovation der St. Oswaldskirche wurden in der Zuger «Dombauhütte» Tonnen von Sandstein bearbeitet, vornehmlich aus dem Steinbruch Lothenbach stammend, von wo man bereits Jahrhunderte zuvor Material für den Kirchenbau herangeschafft hatte. Somit entstanden die Figurenkopien aus demselben Material. Gewisse Statuen ohne hohen Kunstwert wie etwa der hl. Konrad und die hl. Barbara wurden durch Neuschöpfungen ersetzt. Die Gesamtkosten der Aussenrenovation von St. Oswald beliefen sich auf 266 330 Franken.

Nach Beendigung der Arbeiten wurde die Bauhütte im Garten gegenüber der Kirche nicht wie geplant wieder abgetragen, sondern man liess sie stehen, ungeachtet der nie da gewesenen Baubewilligung. Ab 1943 wurde das Gebäude an den hier auch tätig gewesenen Zuger Bildhauer Wilhelm Hürlimann als Atelier vermietet für 360 Franken (!) pro Jahr. Er verblieb bis 1952 in der Bauhütte, worauf der Steinhauer Andreas Walser aus Oberrieden das Atelier übernahm und hier drei Jahrzehnte lang arbeitete.

Über längere Zeit ungenutzt

Danach verblieb die Hütte ohne aktive Nutzung und diente hauptsächlich als Abstellraum. 2001 überlegte man sich eine Verwendung der Holzhütte und des Gartens als Erweiterung des Museums Burg Zug, liess die Pläne jedoch bald wieder fallen. Die Idee einer Nutzung als Archiv scheiterte an der ablehnenden Haltung der Denkmalpflege. So hielt die einstige Bauhütte weiterhin ihren Dornröschenschlaf und setzte Patina an. Dem Sakristan von St. Oswald diente sie als Geräteschuppen. Die gemalten Glasfenster der Oswaldskirche wurden hier eingelagert, welche um 1866 erschaffen und eingesetzt und bis Mitte des 20. Jahrhunderts wieder entfernt worden waren.

Lange blieb es still um die ehemalige Bauhütte, die von der Kirchenstrasse her hinter der hohen Burgmauer bestenfalls als alter hölzerner Schuppen wahrgenommen wurde. Obschon ein Abriss gelegentlich zur Sprache kam, sah man schliesslich davon ab. Zum Glück! Nach der Bestandesaufnahme historischer Bauten im Kanton Zug im Dezember 2016 kam man zum Schluss, dass die einstige Bauhütte zu St. Oswald allein insofern von Seltenheitswert ist, als solche ursprünglich wegen Zweckgebundenheit nur temporär erstellte Bauten in der Regel wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Kommt hinzu, dass die Hütte als eigentliches Provisorium aussergewöhnlich aufwendig konstruiert ist – als vertikal verschalter Ständerbau mit Krüppelwalmdach und zwei Quergiebeln, wovon einer eine Lastenaufzugvorrichtung birgt. Burgbachseitig führt ausserhalb des Gebäudes eine geschlossene Treppe ins Dachgeschoss. Hier finden wir einen Dachstuhl aus Holz, der – wiederum angesichts der Tatsache, dass es sich eigentlich nur um ein Provisorium handelt – durch seine bemerkenswert aufwendige Konstruktionsweise erstaunt. Das Amt für Denkmalpflege spricht von einem Beispiel traditioneller Zimmermannskunst und misst der Bauhütte neben der besonderen historischen und typologischen auch eine grosse architekturgeschichtliche Bedeutung zu.

Historische Kirchenfenster als Wandschmuck

2015 erwog die katholische Kirchgemeinde Zug eine aktive Neunutzung der Bauhütte. 2017 erfolgte die Baueingabe. Umbau und Gesamtsanierung erfolgten nach Plänen des ausführenden Zuger Architekten Hugo Sieber. Die gemäss Architekt vorzüglich erhaltene Bausubstanz sowie das Erscheinungsbild des Gebäudes wurden weitestgehend beibehalten, selbst die alten Ziegel liessen sich mit typengleichen Exemplaren ersetzen. Man entfernte den Kamin und im Inneren die Wand, welche den nun beheizbaren Hauptraum in zwei Teile trennte. Der westliche Dachstuhl wurde geöffnet, um Raumhöhe zu gewinnen. Sanitäre Anlagen und eine vollwertige Küche wurden installiert. Als Besonderheit liess Hugo Sieber im Inneren die zwei besterhaltenen historischen Glasfenster aus der Oswaldskirche in die Wand einbauen und stimmungsvoll hinterleuchten. Die qualitätvollen Glasmalereien zeigen den heiligen Michael und die heilige Elisabeth. Die restlichen Glasfenster, welche teilweise in einem desolaten Zustand waren, liess man von einer Zürcher Fachfirma stabilisieren.

Die etwas verwilderte Fläche zwischen der Bauhütte und der Mauer entlang des Burgbachs wurde in einen schmucken Garten mit Rasen und Kiesflächen umgewandelt – einfach gehalten, dem Charakter der Bauhütte entsprechend. Die Gerätschaften, welche zuvor in der Hütte untergebracht waren, fanden in einem einfachen neuen Schuppen direkt an der Burgmauer Platz. Der einladende, lichtdurchflutete und mit hellem Holz ausgekleidete Saal in der einstigen Bauhütte dient der Kirchgemeinde als multifunktionaler Nutzraum (siehe Text unten). Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, wird aber vom entsprechenden Amt offiziell als «schützenswert» eingestuft.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.