Kolumne
Einzelmaske mit Wiedererkennungseffekt

Redaktorin Andrea Muff ist aus gutem Grund nicht in einer Guggenmusik aktiv.

Andrea Muff
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Andrea Muff.

Andrea Muff.

Bild: Stefan Kaiser

Guggenmusiken sind für mich ein Graus. Diese Aussage beziehe ich nicht auf die musikalische Darbietung – obwohl die teilweise ebenfalls grenzwertig ist –, sondern auf die Ansammlung an Menschen in fast identischen Gwändli. Die Vorstellung, mehrere Tage in einer 40-köpfigen Gruppe zu verbringen und demjenigen mit dem grössten «Grend» (ja, in Luzern nennt man den so) hinterher zu trotten, hat nichts mit Narrenfreiheit zu tun, sondern ist schlichtweg ein Albtraum. Ich wäre immerzu diejenige, die die Auftritte verpasst, ein klein wenig zu spät hinterher huscht und schlussendlich ganz den Anschluss verliert – weil an einem Stand das Holdrio doch zu gut schmeckt und die Gesellschaft doch zu interessant ist.

Glücklicherweise hat sich bei mir schon früh herausgestellt, dass eine Guggenmusik nichts für mich ist. Das liegt natürlich einerseits an meinem musikalischen Feingefühl, das mich veranlasst, stets ein wenig neben dem Takt zu spielen. Der Hauptgrund ist aber die Freiheit, von der ich mich verabschieden müsste. Dazu zählt, das Sujet selber zu wählen und zu entscheiden, mit wem ich die Zeit verbringen möchte. Zudem fehlt mir die Geduld, zu warten, bis jedes Mitglied dann wieder neben seinem Instrumenten-Kollegen steht.

Seit meiner Jugend ziehe ich an der Fasnacht alleine durch die Gassen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und man trifft sich – quasi ein Klassentreffen mit viel Tüll und Zwätschge –, ob man will oder nicht. Das Gewohnheitstier Mensch schlägt zudem stets an den gleichen Orten seinen Kaffi­stand auf – und so finde ich meine Freunde immer, wenn ich das möchte. Viele treffe ich unterwegs an, trinke etwas – und wechsle den Standort. Absprechen muss ich mich dabei mit niemandem. Auch durchs Gedränge komme ich relativ sorgenfrei, denn «verlieren» kann ich ja keinen.

Ich bemühe mich also darum, dass meine Einzelmaske auch eine Einzelmaske bleibt. Bei den zahlreichen Gruppen- (inzwischen Familien-) Sujets mitzumachen, lehne ich mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen ab. Mein eigenes Sujet wechsle ich nämlich erst, wenn das Gwändli von den vielen Waschgängen Hochwasser hat. Denn der Wiedererkennungseffekt ist bei der Einzelmaske substanziell.

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