EINZELRICHTER: Innerorts mit 107 Stundenkilometern unterwegs

Der Automobilist erhält eine bedingte Freiheitsstrafe und eine bedingte Geldbusse. Allerdings muss er auch über 15'000 Franken Busse bezahlen. Und das Billett ist er für rund zwei Jahre los.

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Der Nationalrat möchte Richtern mehr Spielraum lassen bei der Beurteilung für Raser. (Symbolbild) (Bild: LZ)

Der Nationalrat möchte Richtern mehr Spielraum lassen bei der Beurteilung für Raser. (Symbolbild) (Bild: LZ)

Wohlverstanden: Der 43-jährige Franzose raste nicht innerorts mit unverantwortbarer Geschwindigkeit durch einen Dorfkern. Er fuhr vor zwei Jahren mit einem Mercedes auf der Ägeristrasse in Zug, Fahrtrichtung Talacher, um 20 Uhr 140 Meter nach der Europakurve mit 107 Stundenkilometern bergwärts und wurde dabei geblitzt. Nach Abzug der Sicherheitsmarge von 6 Stundenkilometern hatte er damit die geltende höchstzulässige Geschwindigkeit um 51 Stundenkilometer überschritten. Laut Staatsanwalt Oliver Hager hatte er «dadurch keine konkrete Gefährdung verursacht». Zwischen August 2015 und März 2016 fuhr er weiter mit seinem Auto, obwohl ihm der Führerausweis vom Strassenverkehrsamt Zug Mitte August 2015 auf unbestimmte Zeit entzogen worden war. Inzwischen hat er das «Billett» auf Zusehen hin wieder, wird doch der administrative Entscheid erst mit dem vorliegenden Urteil abgeschlossen.

Zwei weitere Male geblitzt

Er habe zwar den Entscheid des Strassenverkehrsamtes erhalten, diesen aber nicht übersetzen lassen, gab der Finanzcontroller einer Rohstofffirma zu Protokoll, und habe darauf vertraut, dass der internationale Führerausweis nach wie vor gültig sei. Zweimal war er dann wieder geblitzt worden, doch war er nur wenig zu schnell gefahren.

Wäre der Automobilist auf der Ägeristrasse bloss 2 Stundenkilometer langsamer gefahren, wäre er laut Ankläger praxisgemäss mit 180 Tagessätzen bedingt bestraft worden, da er bisher einen ungetrübten Leumund aufwies. Laut Bundesgericht war vorliegend eine Minimalstrafe von einem Jahr auszusprechen. Dazu kommt eine Geldstrafe von 68 Tagessätzen zu 300 Franken, wobei 18 Tagessätze zu bezahlen sind (5400 Franken) sowie eine Busse von 10 000 Franken. Die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte hatten sich auf diese Sanktion geeinigt, sodass ein abgekürztes Verfahren durchgeführt werden konnte.

Gefahrenpotenzial nicht bagatellisieren

Für den erbetenen Verteidiger wurde die Sanktion korrekt berechnet und sei angemessen. Er verwies darauf, dass der Rasertatbestand nur knapp erfüllt sei.

Einzelrichter Philipp Frank war mit dem vorgeschlagenen Strafmass einverstanden. Der Beschuldigte sei von Anfang an geständig gewesen. Allerdings dürfe der Geschwindigkeitsexzess nicht bagatellisiert werden. Es habe ein erhebliches Gefahrenpotenzial für sich selber und auch für Dritte bestanden. Die weiteren Fahrten wiesen auf eine gewisse Gleichgültigkeit hin. Das Urteil ist rechtskräftig. (jja)