Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EINZELRICHTER: Kassier eines christlichen Vereins greift in die Kasse

Der Vater von sieben Kindern pflegt einen aufwendigen Lebensstil. Er verspricht Rückzahlung der veruntreuten Gelder, hat aber bisher keinen Rappen bezahlt.
Jürg J. Aregger
Der Kassier hat rund 165'000 Franken aus den Vereinskassen entwendet. (Symbolbild Keystone)

Der Kassier hat rund 165'000 Franken aus den Vereinskassen entwendet. (Symbolbild Keystone)

Jürg J. Aregger

juerg.aregger@zugerzeitung.ch

Innert 20 Monaten zwischen 2011 und 2013 veruntreute der 58-jährige Deutsche 469 000 Franken. 190 000 Franken verwendete er für seine Familie mit sieben Kindern (davon vier minderjährig) von zwei Ehefrauen. 120 000 Franken zahlte er für ein Schulprojekt in Zug auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners, wobei dieses nicht realisiert wurde. 107 000 Franken will er an «hilfsbedürftige Drittpersonen» abgegeben haben, wobei er deren Namen nicht nannte. 45 000 Franken sollen für die Finanzierung einer Musikveranstaltung aufgewendet worden sein.

Im relevanten Zeitraum war er Kassier eines christlichen Vereins und einer christlichen Kirchenbaustiftung im Raum Zürich. Dabei hatte er mit dem Vereinspräsidenten, einem Pfarrer, Einzelunterschrift. Er machte im Tatzeitraum nicht weniger als 68 Abhebungen an diversen Orten von Bancomaten oder liess sich das Geld auszahlen. Am Anfang wenig, in der Folge immer mehr. Dabei hielt er die Buchhaltungsstelle als Kontrollinstanz hin und lieferte die verlangten Belege nicht ab, sodass die Verfehlungen lange Zeit unentdeckt blieben.

«Engelsgeduld» des Vereinspräsidenten

Schliesslich machte der Kassier in Zürich eine Selbstanzeige – dies aber nicht freiwillig. «Der Vereinspräsident hat ein Jahr zugewartet. Er zeigte eine Engelsgeduld», führte Einzelrichterin Carole Ziegler gestern bei der Urteilseröffnung aus. Dass der Kanton Zug mit der Strafverfolgung beauftragt wurde, hatte damit zu tun, dass hier bereits ein Verfahren angelaufen war. Das wurde wohl inzwischen eingestellt. «Es läuft im Kanton Zug keine weitere Untersuchung», sagte Staatsanwältin Jacqueline Landolt gestern auf Anfrage.

Der Deutsche führte mit seiner Familie einen aufwendigen Lebensstil. Davon zeugen auch die 24 Betreibungen über insgesamt 1,2 Millionen Franken in den Jahren 2010 und 2011 im Kanton Zürich. In Zug waren es bis 2013 20 Betreibungen über 2,1 Millionen. Weitere elf Betreibungen gab es im gleichen Jahr über 290 000 Franken in Bern.

Rechtliche Würdigung als Knacknuss

Die Staatsanwältin stufte die Verfehlungen als mehrfache Ver­untreuung ein, eventuell qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung. Auf Letzteres plädierte der amtliche Verteidiger und forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr. Die Anklägerin verlangte 15 Monate bedingt. Unbestritten waren zwei Urkun­denfälschungen, die dem Beschuldigten ebenfalls vorgeworfen wurden. Die Richterin schloss sich der Argumentation der Staatsanwaltschaft an und verwies auf Bundesgerichtsentscheide, die teilweise der Lehrmeinung widersprechen. Er habe Gelder des Trägervereins und der Stiftung zweckentfremdet. Sie verwies zudem auf frühere Urteile in seiner Heimat. So wurde er 1996 wegen Betrugs in 39 Fällen im Deliktsbetrag von über 4 Millionen Franken zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 2008 erfolgte eine Bestrafung wegen Insolvenzverschleppung und vorsätzlichen Bankrotts.

Der Beschuldigte sei bei der Taterfüllung nicht ersatzfähig gewesen. Sein Verschulden sei mittelschwer. Es gebe auch ein Selbstverschulden der Geschädigten, die es ihm «bei den ersten Bezügen relativ einfach gemacht haben. Einsicht und Reue sind schwierig zu erkennen, hat er doch nichts zurückbezahlt.» Das Beschleunigungsgebot sei verletzt worden, da der Fall zwei Jahre geruht habe. So wurde eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt ausgesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.