EINZELRICHTER: Mit der Entführung des Sohns gedroht

Laut Anklage hat ein Franzose mehrfach vom Kidnapping des gemeinsamen Kindes in seine Heimat gesprochen. Der Richter will vorerst weitere Abklärungen machen.

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Blick auf das Zuger Strafgericht. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Blick auf das Zuger Strafgericht. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Die Vorwürfe der inzwischen pensionierten Staatsanwältin Marionna Isenring gegen einen 41-jährigen Franzosen im Strafbefehl sind gravierend. Er habe seiner 45-jährigen Partnerin mehrfach gedroht, er werde mit dem gemeinsamen sechsjährigen Sohn nicht mehr da sein, wenn sie von der Arbeit heimkomme. «Durch diese Drohungen wurde sie jeweils in grosse Angst und Sorge versetzt, da sie befürchtete, dass der Beschuldigte das Kind entführen könnte», heisst es im Strafbefehl vom letzten November.

Die Akademikerin ging deshalb im Februar 2015 zur Opferberatung der Frauenzentrale. Dort riet man zur Trennung von ihrem Partner, der im Stundenansatz arbeitet, was sie vorerst nicht machte, weil sie den gemeinsamen Sohn auch mit dem Vater aufwachsen lassen wollte. Auch riet man ihr, über die Vorfälle Buch zu führen, was sie auch tat.

Acht weitere Vorfälle bis Ende 2015

«Es wurde immer schlimmer. Das Kind litt immer stärker», sagte die Schweizerin letzte Woche zu Einzelrichter Philipp Frank, der sie ausführlich zu den «Tagebuchnotizen» befragte. Bis Ende 2015 gab es acht weitere Einträge. Diese waren teilweise so heftig, dass sie nicht arbeiten ging. Er werde mit seinen Aggressionen weitermachen und nicht aufhören, bis sie eine Depression habe. Er werde ihr Leben schwarz machen und sie werde Hass ernten. In den Ferien würde er sie irgendwo hinunterstossen oder sie irgendwo ins Wasser werfen. Er werde sie fertigmachen, bis sie unter dem Boden sei. Er verstehe, dass man in der Presse lesen könne, dass Männer ihre Frauen umbringen würden. Er hoffe, dass sie mit offenem Mund verrecke. Er könnte ihr die Zähne aus der Fresse schlagen. Vor dem Einzelrichter bestritt der Franzose diese Drohungen vehement. Sinngemäss sagte er, dass dies nur sprachliche Missverständnisse waren. Sie hätten stets französisch gesprochen: «Wir hatten ein Kommunika­tions- und Interpretationsproblem. Nie habe ich gesagt, ich würde sie unter den Boden bringen. Bis im Dezember 2015 haben wir auch nie über eine Trennung geredet.» Dies sagte er auf die Frage des Vorsitzenden, warum ihn die Frau zu Unrecht belasten sollte. Er bestritt auch die vorgeworfenen Tätlichkeiten.

Bereits vor dem Dezember hatte die Frau dreimal die Polizei gerufen. Beim letzten Mal führte ihn die Polizei in Handschellen ab, was der Sohn mitbekam. Der Franzose hängt an diesem abgöttisch und versteht nicht, weshalb die bei der Kesb getroffene Besuchserlaubnis stark gekürzt wurde.

Nach der Verhaftung wurde er fürsorgerisch für einen Monat in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, bis die Frau mit dem Kind ausgezogen war. Für den Sohn zahlt er monatlich 1290 Franken, obwohl er finanziell nicht auf Rosen gebetet ist. Wegen mehrfacher Drohung und Tätlichkeiten waren im Strafbefehl lediglich eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 60 Franken, eine unbedingte Verbindungsbusse von 1400 Franken und eine Übertretungsbusse von 100 Franken vorgesehen. Den Strafbefehl akzeptierte er nicht.

Zu den Plädoyers kam es nicht, weil der Einzelrichter zuerst weitere Berichte einholen will. Es gebe Hinweise auch an der Gerichtsverhandlung, dass die Schuldfähigkeit des Mannes vermindert sei. Deshalb sollen vorerst der Austrittsbericht der Klinik und ein psychologischer Kurzbericht zu den Akten genommen werden. Allenfalls könnte eine Abklärung des Geisteszustandes folgen. Deshalb wurde die Hauptverhandlung vorerst unterbrochen. (jja)