38 Jugendliche begannen ihre Lehre beim Lehrbetriebsverbund – so viele wie noch nie

Das Angebot für Zuger Schulabgänger ist im Vergleich mit anderen Kantonen einzigartig.

Fabian Gubser
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«Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD?» fragt Marco Meier von der Zuger Polizei in die Runde. In einem Schulungsraum auf dem Siemens-Areal gingen am Mittwoch sofort die Hände nach oben – viele der 38 neuen Lehrlinge scheinen informiert zu sein. Die Antwort: Beispielsweise ist das Autofahren unter Einfluss von THC im Gegensatz zu CBD strafbar. Im Rahmen des jährlichen Einführungsseminars beim Lehrbetriebsverbund (LBV) diskutiert der Polizist mit den Anwesenden Jugenddelikte wie Drogenkonsum oder Cybermobbing.

Der LBV vom Bildungsnetz Zug begleitet praktisch begabte, aber schulisch schwächere Jugendliche durch die Lehre. In einem engen Coaching werden die Lernenden mit schulischer Hilfe durch einen Coach unterstützt. Der Vorteil besteht darin, dass sich der Betrieb auf die praktische Ausbildung konzentrieren kann. Alle weiteren Aufgaben im Zusammenhang mit der Ausbildung übernimmt der LBV. Das Angebot ist laut Geschäftsführer Rémy Müller im Vergleich mit anderen Kantonen «einzigartig».

Durch die Schwester zum LBV gefunden

Abdirizaq Shafii Abdulle, angehender Elektroinstallateur EFZ.

Abdirizaq Shafii Abdulle, angehender Elektroinstallateur EFZ.

Bild: Fabian Gubser, 12. August 2020

Einer der neuen Lehrlinge ist Abdirizaq Shafii Abdulle. Der 16-Jährige lässt sich zum Elektroinstallateur EFZ ausbilden. Im dreitägigen Einführungsseminar habe er beispielsweise mehr über Rechte und Pflichten erfahren – etwa zu den Ruhezeiten in der Schweiz. Aufmerksam gemacht auf den LBV hat ihn seine Schwester, die dort ebenfalls ihre Ausbildung erfolgreich absolvierte. Zu seinem heutigen Betrieb fand er über einen Zukunftstag in der Oberstufe, der ihn später zum Schnuppern einlud und schliesslich als Lehrling anstellte. «Ich freue mich darauf, langsam eigenständig arbeiten zu können», sagt der Oberägerer selbstbewusst.

89 Lernende vertreten 14 Nationen

Insgesamt zählt der vom Kanton finanzierte LBV 89 Lernende – trotz des Corona-Lockdowns so viele wie noch nie. Rémy Müller weist darauf hin, dass auch die Diversität in Bezug auf die Herkunft zugenommen habe: 14 Nationen sind vertreten. Für Müller ist klar: «Die Anfrage ist in den letzten Jahren gewachsen – wir mussten dieses Jahr sogar etlichen Betrieben absagen.» Ob dies eher an höheren Anforderungen oder an tieferen schulischen Leistungen liegt? «Beides», lautet die Antwort.

Lucia Fanara, angehende Büroassistentin EBA.

Lucia Fanara, angehende Büroassistentin EBA.

Bild: Fabian Gubser, 12. August 2020

Ebenfalls im Einführungsseminar sitzt am Mittwoch Lucia Fanara. Sie startete ihre Lehre als Büroassistentin EBA an einem speziellen Ort: im Gefängnis Bostadel. Geblieben sei ihr vom Einführungsseminar vor allem das Kommunikationscoaching und ein Spiel, in dem man als Gruppe Rätsel lösen musste. Bei der Arbeit sehe sie nun Dinge, die sie vorher noch nie gesehen habe, sagt die Baarerin. Es seien sehr viele neue Eindrücke. Aber: «Ich mag die Arbeit, weil es für mich abwechslungsreicher als Schule ist.» Die 16-Jährige möchte während der Lehre motiviert bleiben und finanziell bald auf eigenen Beinen stehen.

Fast alle Lernende beenden ihre Lehre erfolgreich. «Die Abbruchquote liegt bei zirka zehn Prozent», sagt Geschäftsleiter Rémy Müller. Um einen Abbruch zu verhindern, werden die Jugendlichen trotz Corona eng begleitet. Dafür setzt der LBV neu auf die Anwendung Teams bei Videocoaching und auf die verschlüsselte Messenger-App Threema.