EISHOCKEY: Adis Alagic will zurück ins Rampenlicht

Adis Alagic (22) spielt seit November im NLB-Team der EVZ Academy. Der Stürmer fühlt sich am Zugersee sehr wohl. Gewässer haben auch in seiner Jugendzeit für ihn eine sehr wichtige Rolle gespielt.

Michael Wyss
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Der EVZ-Academy-Spieler Adis Alagic hat die Playoffs noch nicht abgeschrieben.

Der EVZ-Academy-Spieler Adis Alagic hat die Playoffs noch nicht abgeschrieben.

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Dort, wo ich aufwuchs, gibt es viele Seen. Im Winter war ich immer auf den gefrorenen Seen zum Eislaufen und Hockeyspielen», kann er sich noch genau erinnern. Der Center ist in Villach (Österreich, Bundesland Kärnten) aufgewachsen, wo es schätzungsweise rund 1270 stehende Gewässer gibt. Sein Wohnort lag aber auch nur unweit des Eishockeystadions entfernt. «Zum Eisstadion waren es fünf Minuten zu Fuss. Eishockey begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Für diesen Sport lebe ich jeden Tag, es ist meine Leidenschaft. Eine Sportart, die ich seit meinem dritten Lebensjahr ausübe.»

Begonnen mit dem Eishockey hatte Alagic beim Eishockey-Club Villacher Sportverein. Dem Verein blieb er auch sein ganzes Leben treu, wo er die ganze Nachwuchsabteilung durchlief. Später schaffte er den Sprung in die höchste Liga. Nach einem kurzen zweimonatigen Abstecher zum slowenischen Ligakonkurrenten Olimpija Lubljana – beide Vereine spielen in der österreichischen Eliteliga Ebel – wechselte der sympathische Stürmer (Center) im letzten November nach Zug zur EVZ Academy. Er kam in die Zentralschweiz, weil die EVZ Academy nach dem Abgang des 24-jährigen Franzosen Anthony Rech einen Ausländerersatz suchte. «Mein Agent hatte mit meinem jetzigen Trainer Björn Kinding Kontakt auf­genommen und den Wechsel ­eingefädelt. Das war ein guter Entscheid. In Zug finde ich professionelle Strukturen vor, und mit Björn Kinding und Marcel Jenni stehen zwei ausgewiesene Eishockeyprofis bei uns an der Bande. Das Gesamtpaket in Zug stimmte für mich. Der Entscheid hierher zu wechseln, war für mich dabei sehr einfach. Hier kann ich mich neu beweisen und mit guten Leistungen wieder auf meine Person aufmerksam machen.» Der Villacher will zurück ins Rampenlicht und wieder auf höchstem Niveau Eishockey spielen. Von seiner Zukunft hat Adis Alagic eine klare Vorstellung: «Es ist mein Ziel, eines Tages in einer ersten Mannschaft zu spielen. Wo, das lass ich offen. Ich werde sicher alle Möglichkeiten prüfen, die sich mir Ende Saison bieten. In der Schweiz ist das Niveau hoch, und Eishockey geniesst einen sehr hohen Stellenwert. Hier könnte ich mir meine Zukunft sicher vorstellen.»

Zwei Meistertitel mit den Junioren geholt

Die Erfolge des 193 Zentimeter grossen und 98 Kilogramm schweren Stürmers liegen etwas weiter zurück, wie sich der 22-Jährige erinnert: «Ich wurde mit der U-20-Mannschaft von Villach zwei Mal österreichischer Meister. Das sind Momente, die einfach bleiben. Eine schöne Zeit war das.» Diese Erfolge waren in der Saison 2010/11 und 2011/12. Diese Liga ist in der Schweiz mit dem Niveau der Elite-A-Junioren und 1. Liga zu vergleichen. Ein weiterer Erfolg in seiner noch jungen Karriere wäre für Alagic, «wenn wir mit der EVZ Academy in die Playoffs einziehen könnten, das wäre sensationell. Es wird nicht einfach, doch wir haben die Hoffnung auf den achten Rang noch nicht aufgegeben» (siehe Box). Und Enttäuschungen, gab es die auch im Leben des Villachers? «Für mich ist jede Niederlage eine persönliche Enttäuschung. Ich will immer gewinnen. Wenn ich verliere, sitzt der Frust tief.» Alagic, der die slowenische Staatsbürgerschaft besitzt (der Vater ist Slowene; die Mutter ist Bosnierin), bezeichnet sich als lockerer und spassiger Typ. «Mit mir kann man Pferde stehlen. Ich bin sehr ehrgeizig und manchmal auch etwas stur», lacht er. Und wie ist der 22-Jährige, der ein grosser Bewunderer der Eishockeylegende Wayne Gretzky (56) und des ehemaligen Fussballstars Zinédine «Zizou» Zidane (44) ist, mit seinen bisherigen Auftritten bei der Academy zufrieden? Der Stürmer sagt dazu: «Es war nicht einfach, unter der Saison in ein gut funktionierendes und homogenes Team zu kommen. Ich brauchte meine Anlaufzeit, doch es ging von Spiel zu Spiel immer besser. Ich wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich sehr wohl in diesem Team.»

«Ich bin eigentlich nie mit mir zufrieden»

Doch der Villacher sagt auch: «Zufrieden bin ich eigentlich nie mit mir. Nur mit dieser Einstellung werde ich mich positiv weiterentwickeln können und auf der Karriereleiter nach oben kommen. Wer zufrieden ist und sich auf den Lorbeeren ausruht, bleibt stehen, sprich, der macht einen Rückschritt.» Adis Alagic will das nicht und kämpft weiter, um mit seinem Team doch noch die Playoffs zu erreichen.

 

Nur noch Siege helfen

Eishockey Die NLB-Eishockeyaner der EVZ Academy stehen nach dem 40. Spieltag an neunter Stelle der NLB. Die Hoffnung, einen Platz unter den besten acht Teams zu ergattern, ist weiterhin intakt. Momentan beträgt die Hypothek auf den achten und letzten Playoff-Platz allerdings acht Punkte. Nach den beiden jüngsten Niederlagen gegen die Mitkonkurrenten Thurgau (3:6) und GCK Lions (1:4) erlebte der EVZ am Sonntag gegen einen weiteren Playoff-Anwärter, die Ticino Rockets, eine Enttäuschung mit der 5:6-Niederlage nach Verlängerung. Der entscheidende Treffer der Tessiner fiel dabei erst 1,8 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung. Adis Alagic sagt: «Wir führten 4:1 und 5:2 gegen die Tessiner. Bei diesem Spielstand darfst du den Sieg nicht mehr verspielen. Das ist frustrierend. Es fehlen zwei wichtige Zähler aus diesem Duell.» Heute Dienstag (20 Uhr, KEB Kleinholz) folgt das schwere Spiel bei Olten, am Samstag (17 Uhr, Eishalle Sursee) gastiert Langenthal im Surental. Gegen diese beiden Teams ist der EVZ auf dem Papier klarer Aussenseiter, aber jederzeit für eine Überraschung gut. Auf dem Weg in die Playoffs müssen nun auch Punkte gegen die «Grossen» her. Alagic: «Das ist so. Für uns warten jetzt nur noch Partien mit Cup-Charakter.» Stimmt. Die Qualifikation dauert noch acht Runden. (mwy)