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EISHOCKEY: «Der SCB spielt mit dem Feuer»

In einer ausweglosen Lage gibt es zwei Möglichkeiten: Alles ändern oder weitermachen wie bisher. Der EV Zug will auch nach dem 0:2-Rückstand im Final gegen Bern an seinem Konzept festhalten.
Hat den Mut längst nicht verloren: Zugs Timo Helbling. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 6. April 2017))

Hat den Mut längst nicht verloren: Zugs Timo Helbling. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 6. April 2017))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

0:5 in Bern. Zwei Tage später 2:4 in der eigenen Arena. Die Meinungen im Land sind gemacht: So hat der EV Zug keine Chance. Es ist nicht so, dass Harold Kreis kein Rezept gegen die unerschütterliche SCB-Abwehr hätte. Es hat bloss noch nicht funktioniert. Als der Zürcher Conrad Ferdinand Meyer die unerschütterliche Ruhe und Sicherheit, die den Bernern eigen ist, kennzeichnen wollte, prägte er das Wort vom «unbestürzbaren Berner Gesicht». Das ist es: Wie können die Zuger in der SCB-Abwehr Bestürzung auslösen? Sind sie überhaupt dazu in der Lage? Der SCB hat das Zuger Angriffsspiel fast vollständig neutralisiert, auch auf den Aussenbahnen.

Der freundliche Titan Timo Helbling ist kein Träumer. Er hat die rauen Lebenswirklichkeiten des Eishockeys in langen Jahren auch in Nordamerika kennen gelernt. Und im letzten Frühjahr war er mit dem SC Bern Meister. Er sieht die Chance in der eigenen Stärke. «Wir können gegen diesen SCB gewinnen. Wenn wir so spielen wie am Samstag, wenn wir diese Leistung wiederholen, dann werden wir mehr Spiele gewinnen als verlieren. Wenn wir die Partie vom Samstag zehnmal wiederholen, dann gewinnen wir mehr als fünfmal.» Er sieht keinen Grund, etwas an der Spielweise zu ändern oder gar den Knüppel auszupacken. Mit Provokationen sei gar nichts zu erreichen. Und Helbling sieht eine Schwäche beim Gegner: «Der SCB spielt mit dem Feuer. Das ist unsere Chance.»

Kreis sieht Löcher bei Genoni

Mit dem Feuer spielen? Hat sich der SCB nicht gerade mit unerbittlichem taktischem Realismus, mit schier unüberwindlichem Defensivhockey eine famose Ausgangslage erarbeitet, um als erster Meister seit 2001 (ZSC Lions) den Titel zu verteidigen? Und eben gerade nichts riskiert, nicht mit dem Feuer gespielt? Timo Helbling sagt, das Spiel mit dem Feuer sei diese extrem defensive Spielweise. Es sei fraglich, ob die Berner im Laufe eines Spiels noch zu einer Reaktion fähig seien und umstellen können, wenn der Gegner die Abschlussmöglichkeiten nützte. «Wir müssen bloss so weitermachen wie am Samstag. Dann werden auch die Tore für uns fallen, und wir gewinnen.» So einfach könnte es sein: Zug legt zwei, drei Tore vor, kann zum offenen Bewegungshockey übergehen, die Berner kommen nicht mehr aus ihren taktischen Schützengräben heraus und verlieren. Auch einen offensiven SCB-Feuersturm wie im ersten Spiel in Bern, der in den ersten Minuten der Einigelung in die Abwehr vorausgegangen war, fürchtet Timo Helbling nicht. «Wir haben im Halbfinal gegen Davos einem intensiveren Forechecking standgehalten.» Der Auftakt in Bern sei ein Spiel gewesen, das man nicht zum Nennwert nehmen könne. Das sei vorbei und vergessen.

Timo Helblings Einschätzung ist in der Sache richtig. Die Frage ist nun, ob es den Zugern gelingen wird, die samstägliche Leistung zu wiederholen. Davon ist der Nationalverteidiger überzeugt. «Niemand von uns hat den Mut verloren. Wir wissen, was wir können.» Und er erwähnt als Beispiel für die ungebrochene Zuversicht Lino Martschini, den Topskorer, der in den Playoffs noch nicht getroffen hat. «Er lässt den Kopf nicht hängen und versucht es immer wieder.»

Trainer Harold Kreis sieht die Lage sehr ähnlich. Die erste Partie in Bern sei vergessen. «Da waren wir einfach nur schlecht, und darüber brauchen wir nicht mehr zu reden.» Er werde für die dritte Partie morgen Dienstag (20.15/SRF zwei) in Bern die Mannschaft nicht umkrempeln und die Taktik nicht ändern. Die Nerven jetzt nicht verlieren und weiter so wie am Samstag, dann gelingt die Wende. Das ist die Devise.

Ihm ist klar, dass es nicht einfach wird. «Und wenn wir an fünf Bernern vorbei sind, steht da immer noch Leonardo Genoni.» Eine spielerisch so gute Mannschaft wie der SCB, die ihr ganzes Talent ins Defensivspiel investiert – Harold Kreis sagt mit der Weisheit aus über 2000 Partien als Spieler und Trainer, so etwas habe er noch nie erlebt. Aber unüberwindlich sei auch die SCB-Abwehr nicht. «Wir sehen nicht die Mauer, die vor uns steht. Wir sehen die Löcher.» Auch bei Torhüter Leonardo Genoni? «Ja, wir sehen die Löcher bei Genoni.» Jetzt geht es nur noch darum, in diese Löcher zu treffen. Wie Raphael Diaz beim Powerplay-Treffer zum 1:0.

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