Eishockey
EVZ-CEO Patrick Lengwiler: «Wir sind froh, können wir auf die Unterstützung des Staats zurückgreifen»

Corona reisst ein riesiges Loch in die Kasse: Der EVZ beziffert den Schaden auf 12,5 Millionen Franken. Nun beantragt der Klub Staatsgelder, die an strenge Bedingungen geknüpft sind.

Philipp Zurfluh
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EVZ-CEO Patrick Lengwiler rechnet mit einem groben finanziellen Schaden wegen der Corona-Einschränkungen.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler rechnet mit einem groben finanziellen Schaden wegen der Corona-Einschränkungen.

Bild: Lukas Schnurrenberger/PD

Zu Beginn der Eishockeysaison war die Hoffnung gross, die Spiele im Beisein von Fans zu bestreiten – auf Grundlage eines strengen Hygiene- und Schutzkonzepts und einer Stadionauslastung von zwei Dritteln aller Sitzplätze. Doch die Hoffnung währte kurz. Seit dem Heimspiel vom 14. November hat der EVZ elf Partien vor leeren Zuschauerrängen ausgetragen. Doch es sind längst nicht nur Matcheinnahmen, die fehlen. Die Restaurantbetriebe des Klubs sowie der Eventbereich generieren keine Erträge mehr.

Die radikalen Einschränkungen durch Corona schlagen sich in tiefroten Zahlen in der Buchhaltung des grössten Zuger Sportvereins nieder. Der EVZ geht von einem Umsatzeinbruch von 15,5 Millionen Franken aus für das Geschäftsjahr 2020/21. Unter der Annahme des Worst-Case-Szenarios und somit Geisterspielen bis Ende Saison, Rückforderungsansprüchen von Sponsoren und Saisonkartenbesitzern, dem Wegfall sämtlicher Umsätze aus Einzeltickets sowie dem Wegfall der Gastronomie- und Eventerträge beziffert EVZ-CEO Patrick Lengwiler den Schaden auf 12,5 Millionen Franken.

Zug hat 5 Millionen Franken eingespart

Laut Lengwiler gehe es nicht darum, zu dramatisieren oder den Untergang des Klubs heraufzubeschwören, sondern die wirtschaftliche Situation anhand von Zahlen darzulegen. «Wir wollen wissen, wie hoch die Ausfälle im schlimmsten aller Fälle sind.» Der Geschäftsführer betont weiter: «Wir waren vor Corona ein kerngesundes Unternehmen und haben in den letzten zehn Jahren siebenmal mit einem Gewinn abgeschlossen.»

Mit diversen Massnahmen hat der Klub auf die missliche Lage reagiert und bis Mitte Januar 5,1 Millionen Franken einsparen können. So haben beispielsweise sämtliche Mitarbeiter einem Lohnverzicht in der Höhe von minimal 7,5 bis maximal 25 Prozent des Jahreslohns zugestimmt. Und auch verschiedene Sponsoren und Saisonkartenbesitzer haben sich bereiterklärt, auf Rücktrittsforderungen zu verzichten. Zudem wird der Klub durch den Coronafonds der Stadt Zug finanziell unterstützt. Wie Lengwiler ausführt, belaufe sich der Betrag der Verzichtserklärung von Saisonkartenbesitzern auf knapp eine halbe Million Franken. «Wir verspüren viel Solidarität», zeigt sich der Geschäftsführer dankbar.

Lengwiler ist froh über staatliche Unterstützung

Trotz Einsparungen: Für den EV Zug bleibt ein Schaden von 7,4 Millionen Franken, den er zu bewältigen hat. Bereits seit Mitte Dezember ist klar, dass den Klubs der Profi- und der Halbprofi-Ligen 175 Millionen Franken für zinslose Darlehen zur Verfügung stehen. Davon soll der Bund bis höchstens 115 Millionen Franken à fonds perdu vergeben können. Die verbleibenden 60 Millionen können weiterhin als zinslose Darlehen beansprucht werden. Sportministerin Viola Amherd betonte: «Wir wollen den Sport in der Krise nicht untergehen lassen.»

Die Klubs haben bis zum 31. Januar Zeit, Beiträge für die Periode vom 29. Oktober bis zum 31. Dezember 2020 zu beantragen – für alle Heimspiele, die sie ohne Publikum bestreiten mussten. Lengwiler sagt:

«Wir sind froh, können wir auf Unterstützung des Staats zurückgreifen. Das Gesuch wird fristgerecht eingereicht werden.»

Als Basis dienen die Einnahmen aus den Spielen der Saison 2018/19. Der Bund entschädigt die Einnahmeausfälle der Spiele vom 29. Oktober 2020 bis maximal zum 31. Oktober 2021. Wobei die Entschädigung nicht mehr als zwei Drittel der verlorenen Einnahmen ausmachen darf. Bundesdarlehen hat der EVZ bereits im Dezember beantragt, «um die Handlungsfähigkeit zu wahren», führt Lengwiler aus.

Die A-Fonds-Perdu-Beiträge sind an hohe Auflagen über die kommenden fünf Jahre geknüpft: So müssen beispielsweise alle Spielergehälter über dem maximal versicherbaren Jahreslohn von 148 000 Franken um mindestens 20 Prozent gesenkt werden. «Wir akzeptieren den politischen Willen und unterstützen diese Bedingung, jedoch erwarten wir eine Überarbeitung der Verordnung», sagt EVZ-CEO Patrick Lengwiler. «Die Verordnung zwingt uns, geltende Verträge nicht zu respektieren und geltendes Recht zu verletzen.»