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EISHOCKEY: EVZ-Frauen: Erfolgreich, aber ungeliebt

Die Frauenabteilung des EV Zug hat in acht Jahren fünf Titel gewonnen – dennoch ist sie kurz nach dem letzten aufgelöst worden. Drei Pionierinnen erzählen von ihrem Kampf nach Anerkennung und einem Stolz, der bis in die USA überdauert hat.
Raphael Biermayr
Die EVZ-Frauen Mitte der 1990er-Jahre: Jeanette Marty (Zweite von rechts) und Ruth Künzle (auf dem Tor) in offensiv gestalteten Trikots. In der Mitte kniend, sehr jung: die heutige Nationaltrainerin Daniela Diaz. (Bild: PD)

Die EVZ-Frauen Mitte der 1990er-Jahre: Jeanette Marty (Zweite von rechts) und Ruth Künzle (auf dem Tor) in offensiv gestalteten Trikots. In der Mitte kniend, sehr jung: die heutige Nationaltrainerin Daniela Diaz. (Bild: PD)

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Sandra Little sitzt in der Vorweihnachtszeit bei knapp 20 Grad Aussentemperatur und Sonnenschein im Büro in San Diego – und wird gebeten, an Eishockey zu denken. Little hiess einst Stuber, wuchs in Risch auf und gehörte im Jahr 1987 zu den Pionierinnen des Zuger Fraueneishockeys. An einem EVZ-Männer-Match sei ein Plakat aufgehängt worden, das auf die bevorstehende Gründung eines Frauenteams aufmerksam machte. «Frauen» hiessen damals im Sport noch «Damen», was im Sprachgebrauch von Little und ihren einstigen Teamkolleginnen haften geblieben ist.

«Am Anfang war es chaotisch», sagt die heute 47-Jährige lachend, «wir Damen sind auf dem Ausseneisfeld beim Hertistadion einfach herumgefräst.» Später hätten sie sich Trainingsplätze in der Halle ergattert – zu den Randzeiten um 6 Uhr oder um 22 Uhr. Nach einem Jahr nur mit Trainings und Freundschaftsspielen stieg die Mannschaft in die zweithöchste und damit tiefste Liga ein, die sogenannte Leistungsklasse B. 1991 gelang der Aufstieg in die LKA. ­Little erinnert sich, dass «mir ein Juniorenspieler die Hand schüttelte und gratulierte». Dass ihr diese vermeintlich banale Begebenheit bis heute geblieben ist, steht für die geringe Akzeptanz der Frauen im EVZ. «Von Freunden und Familie wurden wir unterstützt, vom Verein nicht wirklich», sagt sie.

Eine vierfache Meisterin mit Zug

Das änderte sich auch nicht, als der Erfolg Einzug hielt. Mit vier Schweizer Meistertiteln (98, 99, 04, 05) und einer Bronzemedaille am ersten Frauen-Europacup-Turnier der Geschichte (05) stellt die ehemalige Frauenabteilung die erfolgreichste Sparte des Vereins. Dennoch habe sich selbst anlässlich der diesjährigen Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des EVZ niemand vom Verein bei ihr gemeldet, sagt Jeanette Krauer-Marty (42). Sie war bei allen erwähnten Erfolgen im Team und als Flügelspielerin mehrmals Topskorerin der LKA, der höchsten Spielklasse. «Ich habe auch nicht erwartet, etwas vom Klub zu hören», sagt Krauer, «wir mussten ja immer um unsere Akzeptanz im EVZ kämpfen.»

Der Trotz, es den Männern zu zeigen, habe im Team eine Euphorie ausgelöst. Diese liess die Seebnerin um 4 Uhr am Morgen aufstehen, um rechtzeitig ins Training nach Zug zu gelangen. Zeitweise habe sie sogar eine Teamkollegin aus Oberwil, die bereits Auto fahren durfte, abgeholt. «Trotz dieser schwierigen Verhältnisse haben wir einen Leistungsausweis», sagt Krauer. Sie krönte ihre Karriere mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2006 in Turin im Kreis des Schweizer Nationalteams. Ein Jahr später wurde das Zuger Frauenteam aufgelöst. Dies habe sie nicht überrascht «angesichts des niedrigen Stellenwerts im Verein». Krauer sagt das emotionslos, die Mutter zweier Kinder hat mit dem Eishockey längst abgeschlossen.

Im HC Lugano war sie willkommen

Letztgenanntes trifft auf Ruth Künzle (45) nur bedingt zu. Die Zugerin, die «mit Lebenspartner und Hund» lebt, ist zwar nicht mehr aktiv, arbeitet aber einerseits Teilzeit beim internationalen Eishockeyverband in Zürich. Andererseits wird die diplomierte Berufsmasseurin an den Olympischen Spielen 2018 die Schiedsrichter durchkneten. Künzle dürfte die erfolgreichste Zuger Spielerin überhaupt sein: Mit dem EVZ und mit Lugano gewann sie sieben Schweizer Meistertitel, mit Nacka zudem einen schwedischen. Sie wäre gern länger als eine Saison in Schweden geblieben, doch nach einem Jahr sei das Ersparte aufgebraucht gewesen.

Im Gegensatz zu ihrer langjährigen Weggefährtin Jeanette Krauer-Marty hört man bei Künzle eine Enttäuschung ob der Situation damals in Zug heraus. Diese dürfte auch ihrem Vergleich mit dem HC Lugano geschuldet sein, wo das Fraueneishockey akzeptiert gewesen sei. «Wir mussten dort zum Beispiel keinen Mitgliederbeitrag zahlen wie im EVZ», erinnert sich die einstige Verteidigerin. Vereinzelt hätten sich jedoch Männer für das Team in Zug eingesetzt, wie Reto Stuppan. Der erste NLA-Aufstiegstrainer der EVZ-Männer habe sich dem Team in den 1990er-Jahren während kurzer Zeit angenommen und die Spielerinnen ernst genommen. Die 214-fache Nationalspielerin stand 2006 wie Jeanette Krauer-Marty im Olympia-Kader. «Wir haben im Vorfeld in einer Vierergruppe auf der Leichtathletikanlage in Zug Extratrainings bestritten, um körperlich bereit zu sein», schildert sie. Und stolz ergänzt sie: «Ich bin mir nicht sicher, wie viele Männer das auf sich genommen hätten.»

Träumen vom EVZ in den USA

Diese tiefe Leidenschaft, die die EVZ-Frauen trotz aller Widrigkeiten antrieb, ist auch die dominierende Erinnerung von Sandra Little im fernen San Diego. Sie zog 1992 berufshalber in die USA – und blieb bis heute. Seit 1998 arbeitet sie für eine Designfirma, die Architekten berät. Mit ihrem Lebensgefährten Daniel wohnt sie auf einer Farm, wo «meine Tiere meine Kinder sind», wie sie lachend sagt. Denkt Little auch unaufgefordert noch an die Zeit als Eishockey-Pionierin in Zug? «Ich träume etwa einmal im Jahr von unserem Team. Es war eine tolle Zeit.»

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