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EISSCHNELLLAUF: Zwei Schwestern im Temporausch

Vera und Jasmin Güntert teilen nicht nur die Leidenschaft für die Kufen auch auf Rollen sind die Schwestern stark.
Rahel Hug
Die beiden Eisschnellläuferinnen Jasmin (links) und Vera Güntert, hier vor der Bossard Arena in Zug, sind in der Startposition für weitere sportliche Erfolge. (Bild: Maria Schmid)

Die beiden Eisschnellläuferinnen Jasmin (links) und Vera Güntert, hier vor der Bossard Arena in Zug, sind in der Startposition für weitere sportliche Erfolge. (Bild: Maria Schmid)

Rahel Hug

Stehen Vera und Jasmin Güntert auf ihren Kufen, dann zählt vor allem die Schnelligkeit. Ertönt der Startschuss, beschleunigen sie quasi von Null auf Hundert, um mit einer Geschwindigkeit von über 40 Stundenkilometern über die Eisbahn zu flitzen. Die beiden Schwestern aus Alosen sind Eisschnellläuferinnen. Und das mit voller Leidenschaft. «Die Geschwindigkeit, die man auf dem Eis erreichen kann, fasziniert mich», sagt die 17-jährige Vera, und ihre um zwei Jahre jüngere Schwester fügt an: «Über das Eis gleiten ein ganz tolles Gefühl.»

Ihr Sport bedeutet den beiden Kantonsschülerinnen viel. Sie trainieren bis zu 15 Stunden pro Woche sei es im Kraftraum in Zug, beim Joggen und Velofahren in der Natur oder auf der Dolder-Kunsteisbahn des Eislauf-Clubs Zürich. Regelmässig fahren sie auch ins oberbayerische Inzell, um in der grossen Eislaufarena ihre Runden zu drehen, an ihrer Technik zu feilen und die persönlichen Zeiten zu verbessern. In Inzell finden auch immer wieder Trainingslager des Schweizer Eislauf-Verbandes SEV statt, bei dem die Schwestern im Junioren-Nationalkader vertreten sind. Ihre letzten Trainingswochen haben die beiden im Oktober absolviert – um anschliessend an einem internationalen Rennen Erfolge zu feiern. Jasmin sicherte sich die Juniorenweltcuplimiten über 1000 und 1500 Meter (die Limite über 500 Meter hat sie bereits früher erreicht) und Vera erreichte dieselben Limiten auf allen drei Distanzen. Damit konnte sie ihren Trainingsrückstand – sie war für ein Austauschjahr in den USA und in Frankreich – wettmachen. Am 22. November haben die beiden auch noch die vierte Limite über die Distanz von 3000 Metern erzielt.

Inlineskating im Sommer

Stehen die beiden jungen Frauen für einmal nicht auf den Kufen, dann schwingen sie sich auf die Rollen: In der warmen Jahreszeit ist Inlineskating angesagt. Mit diesem Sport hat Vera Güntert bereits vor zehn Jahren angefangen, Jasmin ist zwei Jahre später erstmals in die Skates gestiegen ein Schnupperkurs in Zug hatte es den beiden angetan. Nach mehreren Jahren auf den Rollschuhen haben beide Schwestern nach einer Sportart gesucht, die sie auch im Winter ausüben können – Eisschnelllauf hat sich dafür geradezu aufgedrängt, denn viele Sportler kombinieren die beiden Disziplinen.

Auf dem Eis zähle vor allem die richtige Technik, sind sich die Aloserinnen einig: «Sitzt zum Beispiel ein Schuh nicht richtig, kann das gefährlich sein», erklärt Jasmin Güntert. Eine Herausforderung sei auch die Gewichtsverlagerung beim Übersetzen in den Kurven. Auf den scharfen Kufen schnell unterwegs zu sein, birgt nicht zuletzt auch eine grosse Verletzungsgefahr. Von Unfällen und grösseren Stürzen sind Vera und Jasmin jedoch glücklicherweise bisher verschont geblieben.

Volle Konzentration

Nach dem Start auf der Eisbahn gibt es beim Eisschnelllauf vor allem ein Ziel: Nämlich die persönliche Zeit zu verbessern. «Beim Wechsel von der Innen- auf die Aussenbahn wird jeweils die aktuelle Zeit angezeigt», erklärt Vera Güntert. Je nach dem müsse man dann noch an Geschwindigkeit zulegen oder wisse, dass man auf gutem Weg zur angestrebten Limite sei. Nervös sind die beiden Schwestern jeweils nur vor den Wettkämpfen, wie sie erzählen. Nach dem Start ist jede Aufregung verflogen dann zählen nur noch der Wille und die Kraft in den Beinen. Und auch der Kopf trägt seinen Teil dazu bei: «Bei einem Rennen ist volle Konzentration gefordert», sagt Jasmin Güntert.

Für ihre Leidenschaft müssen die beiden Schülerinnen Jasmin besucht aktuell die dritte und Vera die vierte Klasse an der Kantonsschule Zug – auch Abstriche machen. So kommt es immer wieder vor, dass sie wegen Trainings oder Wettkämpfen frei nehmen oder Prüfungen verschieben müssen. «Das funktioniert aber sehr gut, die Schule zeigt grosses Verständnis für unseren Sport», betont Vera und fügt an, dass es vor allem organisatorisch eine Herausforderung sei, alles unter einen Hut zu bringen. Trotzdem bleibe auch genug Zeit für Freizeit; für einen Kinobesuch oder ein Treffen mit Freundinnen. Und obwohl die beiden Mädchen in sportlicher Hinsicht noch viel vorhaben, sollen der Eisschnelllauf und das Inlineskating in Zukunft nicht ihr einziger Lebensinhalt sein. Vera beispielsweise hat ein Ziel vor Augen: «Ich möchte nach der Matura Jura studieren und eventuell Rechtsanwältin werden», sagt die 17-Jährige. Jasmin hingegen hat noch keine so klare Vorstellung, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird. Und das muss sie auch nicht: mit ihren 15 Jahren steht sie noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn.

Trotz ihres jungen Alters haben die ambitionierten Leistungssportlerinnen aber schon viel erreicht. «Am meisten stolz bin ich auf meine gute Platzierung am Viking Race», berichtet Jasmin Güntert. Dieses Nachwuchsrennen findet jedes Jahr im niederländischen Heerenveen statt und ist für beide Schwestern ein persönliches Highlight in ihrer sportlichen Karriere. Im vergangenen März konnten sowohl Vera als auch Jasmin die Limiten erreichen und ihre persönlichen Bestzeiten unterbieten.

Bis zu zehn Wettkämpfe im Jahr

Bis zu zehn Wettkämpfe auf dem Eis, darunter verschiedene Club-Rennen und Junioren-Schweizer-Meisterschaften, absolvieren Vera und Jasmin Güntert im Jahr. Fahren die Schwestern an ein Rennen sei es in der Schweiz oder im Ausland – kommt das einem grossen Familienausflug gleich. Vater Marcel und Mutter Priska Güntert begleiten die Mädchen und unterstützen sie sowohl in organisatorischer als auch in moralischer Hinsicht. Mit von der Partie ist jeweils auch die jüngste Schwester Jana. Und wie könnte es anders sein: Auch die 11-Jährige ist angefressene Inlineskaterin und Eisschnellläuferin.

Dass sie häufig miteinander unterwegs sind, bringt für Vera und Jasmin Güntert zusätzlichen Antrieb. «Wir können uns gegenseitig motivieren auch beim gemeinsamen Training», sagt Jasmin Güntert. Und ihre ältere Schwester fügt an, dass Neid eigentlich kein Thema sei – «weil wir eh oft nicht in den gleichen Kategorien antreten.» Zudem hätten beide ihre eigenen und unterschiedlichen Stärken. «Jasmin ist eher die Sprinterin», lobt Vera – sie wiederum sei besser bei den Langdistanzen.

Erstes Juniorenweltcuprennen

Und welche sportlichen Ziele haben sich die zwei ehrgeizigen Zugerinnen gesteckt? Für Vera steht das erste Juniorenweltcuprennen an, das im Januar in Collalbo im Südtirol stattfindet. Jasmin muss dabei vorerst noch zusehen, weil sie noch zu jung für eine Teilnahme ist. Doch in der nächsten Saison will auch sie an diesem Rennen laufen um im Jahr 2016 an den Olympischen Jugend-Winterspielen im Norwegischen Lillehammer anzutreten. Vera wiederum möchte im Jahr 2015 an den ersten Weltmeisterschaften teilnehmen. Das Ziel Olympia haben beide Schwestern vor Augen – und ihre grosse Disziplin beweist, dass sie auf gutem Wege sind, dieses dereinst erreichen zu können.

Vera Güntert

Geburtsdatum: 20. November 1997
Wohnort: Alosen
Beruf: Kantonsschülerin
Club: Eislaufclub Zürich (ECZ)
Trainer: Timo Järvinen und Emese Hunyady
Grösster Erfolg: Juniorenweltcuplimiten (Eisschnelllaufen), 10. Rang Europameisterschaften (Inlineskaten)
Vorbild: Bart Swings
Hobbys: Velofahren, Joggen
Lieblingsessen: Pizza
Lieblingsgetränk: Cola

Jasmin Güntert

Geburtsdatum: 18. November 1999
Wohnort: Alosen
Beruf: Kantonsschülerin
Club: Eislaufclub Zürich (ECZ)
Trainer: Timo Järvinen und Emese Hunyady
Grösster Erfolg: 5. Rang Europameisterschaften (Inlineskaten)
10. Rang Viking Race (Eisschnelllaufen)
Vorbild: Bart Swings
Hobbys: Freunde treffen, Velofahren
Lieblingsessen: Pizza
Lieblingsgetränk: Eistee

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